Saigon
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Mekong Delta
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Dalat
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Saigon

Besuchen Sie Vietnam, solange es noch lebt!




Wo willst Du hin?
Vietnam
Wohin?
Vietnam!
Das ist nicht Dein Ernst?
Doch!
Du bist verrückt!

Diesen Dialog kennt jeder, der nach Vietnam in den Urlaub fahren will. Sobald man Verwandten und Freunden erzählt, wohin man fahren will, wird man für mehr oder weniger stark verrückt erklärt. Vielleicht stimmt es ja auch.
Auf jeden Fall hab ich in den vier Wochen meines Aufenthaltes in Vietnam viele Verrückte getroffen, die diesen Dialog alle kannten, seien es Franzosen, Engländer, Amerikaner oder Australier gewesen. Wer nach Vietnam in den Urlaub fährt, der muß einfach verrückt sein.
Den ersten Schock bekommt auch der geübte Traveller beim Anflug auf Saigon (Ho Chi Minh Stadt). Die wenigen Touristen im Flugzeug guckten sich nach der Landung an, und in den Gesichtern war irgendwas zwischen Entsetzen und Ungläubigkeit zu erkennen: "Das muß alles ein schlechter Traum sein!" Die Häuser, die beim Anflug zu sehen waren, neigten sich ihrem wohl verdienten Ableben zu und das, was man von der Stadt sonst noch so erkennen konnte, sah auch nicht besser aus.
Die Abfertigung verlief zügig und sogar die Bank hatte offen, so daß man etwas Geld tauschen konnten. Also rein ins nächste Taxi und vor irgendeinem Hotel abkippen lassen. Das klappte soweit ganz gut, bloß war das Hotel etwas teuer. Dafür hatte ich für 20 $US Badewanne, Aircondition, Sat-TV und ein grosses Bett. Sauber war die Bude auch. Also blieb ich drei Nächte, zum Eingewöhnen war das vielleicht sogar eine gute Wahl.
Den ersten Tag verbrachte ich mit einer Besichtigung von Saigon. Mit dem Fahrrad-Taxi ging es quer durch die Stadt... Museen, Pagoden, Märkte. Ich weiß nicht, wieviele Schutzengel ich an diesem Tag um mich versammelt hatte, jedenfalls sah ich an jeder Kreuzung mein Ende nahen. Verkehrsregeln gibt es keine, der Stärkere gewinnt, die Polizei guckt zu. Es muß wohl so sein? Mein „Taxifahrer“ war aber der Meinung, nicht anhalten zu müssen, das Beschleunigen kostet ja Kraft. Also hielt er immer mit konstanter Geschwindigkeit Kurs auf die Kreuzungsmitte. Die anderen Verkehrsteilnehmer (klingt gut, oder?) fuhren um ihn drumherum und es passierte einfach nix. Das unbeschreibliche Chaos muß man gesehen haben. Mit ein wenig Mut kann man daran auch aktiv teilnehmen. Für Fußgänger gilt die Grundregel: Langsam, sehr langsam, einfach die Straße überqueren. Die anderen müßen bloß die Gelegenheit haben, reagieren und ausweichen zu können, deshalb niemals über die Straße rennen. Das ist der sichere Tod.
Was sich auf den Straßen bewegt, die Mitarbeiter unseres TÜVs würden alle an Herzinfarkt sterben. Wer es sich leisten kann, der fährt ein Moped (“Honda Om“) . Von den Dingern gibt es unzählige.
Und am nächsten Tag bin ich, zunächst noch als Passagier, mit einem solchen Teil zu den Tunneln von Cu Chi gefahren. Sie sind ca. 30 bis 40 km von Saigon entfernt. Diese Tunnel wurden vom VC (Viet Cong) gebaut. Mit dem Bau der Tunnel hat man 1940 angefangen und 25 Jahre daran gegraben. Sie dienten ausschließlich für Kampfhandlungen. Und entsprechend war ihre Größe. Für die Touristen war man so nett, einen Tunnel etwas zu vergrößern. Ich konnte dann wenigstens im Entengang durchlaufen. Einen zweiten Tunnel hat man in Originalgröße belassen, den hab ich dann im Krebsgang gemeistert. Einfach unvorstellbar, daß Menschen in diesen Röhren bis zu zwei Wochen ausgehalten haben. Dazu kamen dann noch halb unterirdisch angelegte Lazarette, Küchen und Aufenthaltsräume. Wer das gesehen hat, weiß, warum die Amerikaner in Vietnam nicht gewinnen konnten. Der VC führte den Krieg in der Nacht und in einem Gebiet, das er kannte. Überall lauerte er den Amerikanischen Truppen auf. Und er wurde von der Bevölkerung unterstützt.
Die Reise setzte ich von Saigon aus fort ins Mekong Delta. Einer alten Tradition folgend beschloß ich, den „Local Bus“ zu nehmen. Eine durchaus interessante Möglichkeit, in Vietnam zu reisen. Man muß nur damit leben können, daß beim Sitzen die Knie an den Ohren sind, man eine Bananenstaude auf dem Schoß hat und die Sitznachbarn Hühner sind. Ansonsten alles ganz normal.

Die Fahrt ging nach Vinh Long. Man muß diese Stadt nicht gesehen haben, aber irgendwo sollte man schon mal Station im Delta machen. Die größte Touristenatraktion dort sind Bootsfahrten auf dem Mekong und seinen vielen Seitenarmen und Kanälen.  Nicht das ich begeisterter Bootsfahrer wäre, auf einen Elbdampfer bekommt man mich nicht, aber das war schon toll. Wenn der Mekong als solcher schon eindrucksvoll ist, dann haben mir die Seitenarme noch besser gefallen. Alles dort lebt vom Mekong und mit ihm. Der lokale Transport erfolgt praktisch nur mit Booten. Und die sind genauso überladen wie alle Busse und LKWs. Zu jedem Haus gehört ein Steg. Die einzelnen Inseln sind zwar noch mit kleinen Brücken untereinander verbunden, aber darüber zu gehen, würde ich nicht wagen.
Nach zwei Tagen ging es weiter nach Rach Gia. Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber auf dem Busbahnhof hat man mir ziehmlich glaubhaft versichert, daß es keine direkte Verbindung zwischen Vinh Long und Rach Gia gibt. Ich mußte ca. 30 km auf einem Moped zurücklegen. Beim Anblick des Gepäcks überlegte ich ernsthaft, ob ich das wagen sollte, einfach so auf einem Moped mitzufahren, damit konnte ich leben, aber den Rucksack auf dem Lenker, das schien mir doch etwas abenteuerlich. Ich hab es dann doch riskiert und kam wohlbehalten in der nächsten Stadt an. Von dort fuhr dann der Bus nach „Rach Gia“. Hier übernachtete ich und nahm am nächsten Tag die Fähre auf die Insel Phu Quoc. Nachdem alle Güter auf der Fähre verstaut waren, das dauerte ca. 1.5 h, begann das Einsteigen. Jetzt begriff ich, warum so viele Leute versuchten, Hängematten zu verkaufen. Kaum waren die Passagiere auf dem Boot, spannte einjeder seine Hängematte an allen möglichen und unmöglichen Plätzen auf. Auf den Holzbänken konnte man wirklich nicht sitzen. Sie waren außerdem zu eng aufgestellt. Irgendjemand muß Bettmatratzen eingekauft haben, die lagen dann noch gut verpackt auf dem Oberdeck. Da ließ es sich dann aushalten. Die Fähre fährt immerhin 8-9 Stunden.

Auf Phu Quoc gibt es zwar einen Bus, aber den benutzt keiner. Der gesamte Transport wird mit dem Moped abgewickelt. Vom Fährterminal bis zur einzigen größeren Siedlung (Stadt kann man das nicht nennen) sind es ca. 30 km. Und wieder stand eine rasante Mopedfahrt auf dem Programm. Als Steigerung zum vorherigen Mal erwies sich die Straße, die keine war, sondern ein Sandweg. Ich hab es überlebt.
Hotels gibt es zwar einige auf der Insel, aber eigentlich wollen alle Touristen nur in das eine. Es liegt direkt am Strand, ist ca. 5 km von der Siedlung entfernt und einfach nur genial. Drei Sterne hat es keine, bloß wer braucht das schon, wenn man die Verpflegung in der Strandbar bekommt, der Strand fast menschenleer ist (ja!, ungefähr so, wie es in den Katalogen immer aussieht und dann doch nie ist). Hier blieb ich zwei Tage (viel zu kurz), davon machte ich an einem Tag eine Bootstour zu den nahegelegenen Inseln.
Nachdem der Kutter losgefahren war, erklärte man uns, daß wir doch angeln wollten. Einige haben es dann auch gemacht, allerdings mit sehr dürftigem Erfolg. Nun war schnorcheln an der Reihe. Es wurde ein Strand ausgeguckt, zu dem wir schwimmen konnten bzw. mußten. Der Kutter dampfte von dannen ... zum Fische kaufen. Vielleicht hätte ich doch mitangeln sollen.
Irgendwann kam er dann wieder, es gab Mittag und noch eine Runde zu schnorcheln und wieder war ein Tag Urlaub Vergangenheit.
Was mich auf der Insel schockierte, war der Neubau einer Resort-Anlage mit Swimming-Pool, Tennis-Platz etc. Und vielen anderen ging es ähnlich. Wahrscheinlich werden in einigen Jahren noch mehr dieser Anlagen entstehen. Ob sich auf Phu Quoc ein Tourismus wie in Thailand entwickelt, bleibt abzuwarten. Falls die Insel also in den einschlägigen Katalogen auftaucht, wird wohl das Flair verloren gegangen sein.
Acht Stunden Fähre und einen Tag im Bus, ich wollte es mir nicht nochmal antuen, also bin ich nach Saigon zurückgeflogen. Wenn man noch ein paar Kitschverkäufer aufstellt, ist der Airport sogar TUI-tauglich. In Saigon blieb ich einen Tag und kaufte ein Bus-Ticket nach Dalat. Das war dann aber kein Local-Bus mehr. Darüber war ich eigentlich auch nicht traurig. Der Preis war der selbe. Dalat liegt im zentralen Hochland von Vietnam und ist eigentlich die Hochburg des Tourismus der Vietnamesen. Im Sommer strömen sie in Massen in diese Stadt. Während es an der Küste unerträglich heiß wird, hat Dalat ein sehr moderates Klima. Inmitten von Wald und Bergen gelegen, fühlt man sich dort wie in einem deutschen Mittelgebirge. Es ist angenehm warm, ca. 25 Grad. Rings um die Stadt gibt es ein paar Wasserfälle und Seen.

Beide Tage meines Aufenthaltes dort verbrachte ich mit Besichtigungstouren. Die Erste war organisiert, oder was man darunter verstehen kann. Der Transport erfolgte mit einem guten alten russischen Jeep und die zweite Tour machte ich auf dem Motorrad. Auf beiden Touren fuhr ich in umliegende Dörfer. Hier sah man dann doch, daß Vietnam ein armes Land ist. Im Besuchsprogramm waren außerdem Kaffeplantagen, Wasserfälle und eine Pilzzucht. Die Dinger werden für gutes Geld nach China verkauft.
Von Dalat fuhr ich mit dem Bus weiter nach Nha Trang. Mein Reiseführer (Lonely Planet) schreibt:
Nha Trang ...., has what is prohaby the nicest municipial beach in all of Vietnam. Club Med hasn't arrived yet, there are still no Monte Carlo-style casinos and only a couple of neon signs. Nevertheless, this area has the potential to become another flashy resort like Thailand's Pattay Beach (dread the tought), but that will probably take a few more years.
Die Wirklichkeit ist gerade dabei, den Lonely Planet einzuholen. Das erste 4 Sterne Resort gibt es bereits und das zweite ekelhaft große Hotel ist im Entstehen.
In Nha Trang wollte ich tauchen gehen. Ich hab das dann auch gemacht, aber es war ein ziehmlich teures Schwimmen, bzw. ein guter Leergang im Orientierungstauchen. Die See war derart aufgewühlt, daß die Sicht zwei Meter war. Das, was man vom Riff erkennen konnte, läßt erahnen, wie schön es ist, wenn die Sicht 30 Meter beträgt. Dann muß man aber im Sommer dorthin fahren.
Einen weiteren Tag nutzte ich, um die Stadt und nähere Umgebung mit dem Fahrrad zu erkunden. Hier konnte ich erste Erfahrungen als selbständiger Verkehrteilnehmer bekommen. Es gibt prinzipiell keine Verkehrsregeln, der Stärkere hat Vorfahrt. Ansonsten fährt jeder, wie er lustig ist. An größeren Kreuzungen gibt es ein Knäul, daß sich irgendwie immer wieder auflöst. Man muß bloß Mut haben, einfach draufzuhalten.

Die Erfahrungen brauchte ich dann am dritten Tag meines Aufenthaltes in dieser Stadt. Jetzt war die Zeit gekommen, auch einmal selber Moped (100 qcm Honda) zu fahren. Das Ausleihen klappt problemlos, mit 5 US$ ist man dabei. Nach einem Führerschein fragt auch keiner, wozu auch. Wahrscheinlich gibt es sowas in Vietnam nicht. Zusammen mit 2 weiteren Deutschen fuhr ich einen Tag in den Norden von Nha Trang. Ziel war ein Strand, den der Reiseführer als einen der schönsten in Vietnam bezeichnet. Er war wirklich schön, aber ob man nun unbedingt zu diesem Superlativ greifen muß? Am Strand saßen 5 Touristen in der Sonne rum. Um diese kümmerten sich 10 Händler unterschiedlichster Produkte. Ein etwas unausgewogenes Verhältnis, was dann doch etwas nervt. Auf dem Rückweg machten wir noch Station an einigen Wasserfällen. Die dort ansässigen Wasser-, Cola-, Bierhändler hatten eine sehr effektive Methode gefunden, ihr Zeug an den Mann, bzw. an die Frau zu bringen. Sie rannten einem ständig hinterher bis man entnervt aufgab.
Ängstlichen Typen empfehle ich das Selberfahren mit dem Moped dort nicht. Die Busfahrer sind manchmal etwas rücksichtslos. Ansonsten ist es eine großartige Erfahrung.
Zwischen Nha Trang und Hoi An liegen 12 Stunden Busfahrt, ein Erlebnis auf das man getrost verzichten kann. Der Bus fährt dabei über den Highway Nummer 1, einen Feldweg, der Saigon mit Hanoi verbindet und für dessen Zustand der Krieg nicht verantwortlich sein kann. Soviel Bomben kann keiner produzieren.

In Hoi An traf ich das erste Mal auf größere Mengen von Pauschaltouristen, wobei das sehr relativ ist. Begeisternd an Hoi An selber, ist die Architektur dieser Stadt. Es war eine der ersten Städte, wo sich Chinesen auf dem Gebiet des heutigen Vietnams niedergelassen hatten. Dieser Einfluß ist unübersehbar. In der ganzen Stadt gibt es chinesische Versammlungshallen und Pagoden. Es gibt auch die Möglichkeit, in die alten Häuser zu gehen. Allerdings hat alles eine Schattenseite, man hat den Tourismus als Einnahmequelle entdeckt. Will man in dieser Stadt etwas besichtigen, dann sind 55000 Dong zu entrichten, was 4 $US entspricht. Vietnamesen bezahlen nix. Dafür darf man dann in eine Versammlungshalle, ein altes Haus, ein Museum und über eine Brücke gehen.  So schön alles ist, man überlegt dann doch, ob man sich die zweite chinesische Versammlungshalle anschaut..

In der Nähe von Hoi An befinden sich die Marmorberge. Ich hab mir mal wieder ein Moped ausgeliehen und bin dorthin gefahren. Die Berge bestehen aus fünf verschiedenen Gesteinsarten. Im größten dieser Berge sind einige natürliche Höhlen, in welche im Laufe der Zeit die Buddisten einige Gebetsstätten eingebaut haben. Der Eindruck ist überwältigend, wenn man nicht weiß, ob man sich in einer Höhle oder einer Pagode befindet.
Das nächste Muß in Hoi An ist My Son, die bedeutenste Stätte der Cham-Dynastie in Vietnam.
Von Hoi An sind es drei Stunden mit dem Bus nach Hue. Hue war die Hauptstadt von Vietnam in der Zeit von 1802 bis 1945. In mitten der Stadt befindet sich die Zitadelle mit der verbotenen Stadt. Leider tobten dort in den vergangen Kriegen ein paar Kämpfe. Man ist gerade dabei, einige alte Gebäude zu restaurieren.
Im Süden von Hue befinden sich die Grabstätten der Herrscher, die vor deren Tode teilweise als Regierungssitz genutzt wurden. Wenigstens eine davon sollte man gesehen haben. Bei einer Eintrittsgebühr von 4 $US überlegt man sich, ob es auch zwei sein dürfen.
 Einige Kilometer nördlich von Hue ist die DMZ, die Demilitarisierte Zone. Sie erstreckte sich jeweils 5 km vom Ben Hai-Fluß, der die Demarkationslinie bildete und Vietnam von 1954 bis 1975 trennte.
Von Hue werden Busfahrten in die Zone angeboten. Ich habe eine gemacht. Besichtigt werden dabei einige Stätten, von denen aus amerikanische Streitkräfte operierten. Viel ist davon nicht mehr übriggeblieben. Auch der Ho Chi Minh-Pfad ist nicht besonders interessant anzuschauen.
An den Krieg wird man aber immer wieder erinnert. Bei jedem Stopp gibt es die dringende Warnung, nicht vom Weg abzuweichen. Überall sind noch Mienen. Zwei Wochen vor meiner Besichtigungstour waren zwei Kinder beim Spielen getötet worden. Seit 1975 wurden über 5000 Menschen durch Mienen verletzt oder getötet.
Im Rahmen dieser Tour fuhr ich das erste und einzige Mal in den ehemaligen Nordteil Vietnam's. Bei Vinh Moc konnten nocheinmal Tunnel besichtigt werden. Diese Tunnel dienten der Dorfbevölkerung als Unterschlupf. Sie sind erheblich größer als die Tunnel in Cu Chi.
In der DMZ tobten während des Krieges die heftigsten Kämpfe. Überall sieht man noch Spuren davon. Seien es die Mienen, die geräumt werden müssen oder die vielen Bombenkrater.

Von Hue fuhr ich mit dem Zug zurück nach Saigon. Der Zug ist doppelt so teuer wie der Bus, eine Investition, die sich lohnt. Im Liegewagen, selbst wenn er indischer Bauart ist, ist es allemal bequemer als im Bus. Außerdem ist es viel sicherer, als sich den völlig durchgeknallten Busfahrern anzuvertrauen.

Die Eisenbahn scheint ein großes Arbeitsbeschaffungsprogramm zu sein. 75% der Mitarbeiter sind Horste. Sie zeichnen sich dadurch aus, daß sie entlang der Strecke rumstehen und eine rote und eine gelbe Fahne jeweils zusammengerollt in Richtung Zug halten. Erst dachte ich, es wäre eine Kriegsverletzung, wie diese Typen die Fahnen hielten, aber das muß scheinbar in einer Dienstvorschrift so stehen. Ein weiteres Merkmal des Eisenbahn-Horstes ist die wichtige Miene, die er aufsetzt, während der Zug an ihm vorbeifährt.
Es gibt dabei verschiedene Horste:
  1. Brücken- und Tunnelhorste. Sie stehen an beiden Enden des Tunnels bzw. der Brücke und haben wohl eher eine moralische Bedeutung, in dem sie Brücke bzw. Tunnel vor dem Einstürzen bewahren sollen.
  2. Schrankenhorste: Sie bauen beim Herannahen des Zuges einen Zaun auf der Straße auf und entsprechend wieder ab. Es gibt auch modere Zäune die auf die Straße gerollt werden können.
  3. Weichenhorste sind für das Bedienen der Ein- und Ausfahrtsweiche eines Bahnhofs zuständig und überwachen das ordnungsgemäße Passieren des Zuges über die Weiche.
  4. Bahnhofshorste stehen auf dem Bahnsteig und passen auf, daß der Zug nicht mit dem Bahnsteig kollidiert.



In Saigon durfte ich dann das zweite Mal in diesem Jahr Neujahr feiern. In Vietnam wird noch der chinesische Kalender verwendet und der richtet sich nach dem Mond.
Das Feuerwerk im Hafengelände war wirklich sehenswert. Man kann es sicher nicht mit Sydney vergleichen, aber das sollte man auch nicht tun.
Von Saigon ging es dann über Singapur und Frankfurt zurück nach Dresden.

Vielleicht noch ein paar allegemeine Sachen zu und über Vietnam:

Unterkunft:
In großen Städten gibt es auch große und teuere Hotels. Wer darauf nicht verzichten kann, muß mit ca 100 $US pro Nacht rechnen. In der Regel kann man auch in einem 10 $US - Hotel gut unterkommen. Dafür gibt es dann Klimaanlage, warmes Wasser und manchmal sogar einen Fernseher. Die Hotels sind eigentlich auch sauber.

Transport: Wer es gern bequem hat, der kann fliegen. Für eine Stunde Flug ist mit 50 $US zu rechnen. Ansonsten gibt es Busse. Den "Local Bus" empfehle ich nur Leuten, die auch sonst vor nix zurückschrecken. Da viele Touristen (Backpacker) irgendwie immer die gleiche Strecke zwischen Saigon und Hanoi fahren, hat man sich darauf eingestellt. Man kann ein sogenanntes "Open Tour"-Ticket kaufen. Das erlaubt das Ein- und Aussteigen, wo und wann man will. Man kann die Fahrt beliebig lange unterbrechen. Diese Busse sind neu (wirklich!) und nicht überfüllt. Sie stoppen an Sehenswürdigkeiten für ca. 30 Minuten. Keine schlechte Sache also. Der Kontakt zur Bevölkerung fehlt natürlich dabei.
Ein Auto mit Fahrer zu mieten kostet ca. 25 $US am Tag. Mir sind keine Erfahrungen mit dieser Art zu reisen, bekannt geworden.
Zug: Es kommt darauf an, welche Klasse man wählt. Wer den Kontakt zur Bevölkerung sucht, der ist in der Holzklasse gut aufgehoben. Bequem ist das wahrscheinlich nicht. Der Zug ist relativ teuer, da Ausländer ca. 400% des normalen Fahrpreises bezahlen. Dafür gibt es aber auch Essen umsonst. Die Züge fahren relativ langsam. Der schnellste und teuerste Zug bringt es auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 44 km/h. Das ist aber schneller als der Bus. Straßen: Die Hauptstraße 1 von Saigon nach Hanoi entspricht einer Bundesstraße in Deutschland. Teilweise fehlt der Fahrbahnbelag völlig. An anderen Stellen sind riesige Schlaglöcher und vor jeder Brücke muß gebremst werden. Die Absätze gehen als Sprungschatzen in die Wertung. Eine hübsche Sache gibt es noch. Busse und LKWs sind immer hoffnungslos überladen. Im Gebirge fängt deshalb das Kühlwasser eventuell an zu kochen. Um dies zu vermeiden, haben viele Fahrzeuge ein Faß Wasser auf dem Dach montiert. Wird das Kühlwasser zu warm, dann wird Wasser vom Dach in den Kühlkreislauf eingespeist. Das überlaufende Wasser wird zum Duschen der Fahrrad- und Mopedfahrer verwendet. Überall an den Straßen in den Bergen gibt es Wassernachfüllstationen.

Geld:
Die offizielle Währung ist der Vietnamesische Dong. Man muß sich bloß daran gewöhnen, daß 7000 Dong einer DM entsprechen. Wer 100 $US tauscht, bekommt den Gegenwert in Dong nicht in einer Hosentasche untergebracht. Dafür ist man aber Millionär.
US$ werden vor allem in Hotels und bei organisierten Touren als Zahlungsmittel akzeptiert.
Pro Tag braucht man ca. 20-25 $US zum Leben. Für 4 Wochen Aufenthalt hab ich inklusive Flug ca 3000,- DM benötigt.

Essen:
Das Essen ist spottbillig. Eine Nudelsuppe mit Hühnchen- oder Rindfleisch kosten ca. eine DM. Ein größeres Essen vier DM. Die vietnamesische Küche ist sehr gut. Allerdings sollte man bei der Auswahl des Restaurants vorsichtig sein. Vor allem auf dem Lande muß der Gaumen schon sehr abgehärtet sein, bei dem was man da so vorgesetzt bekommt. In den Städten läßt sich immer ein gutes Restaurant auftreiben. Für die Alkoholiker: 1 Liter Bier ca 1 $US, 0.5 l vietn. Wein ebenso.

Einreise:
Es wird ein Visa benötigt. Das kostet in Deutschland 128,- DM.

Die Zukunft:
Vietnam ist auf dem bestem Wege, sich zu einem Tourimus-Land zu entwickeln. Ich hoffe, daß die Bevölkerung davon etwas abbekommt und es dort nicht die "All Inclusive-Hotels" geben wird. In ca. 3 Jahren wird Vietnam wohl in den Katalogen von TUI etc. als billiges Urlaubsland auftauchen. Ich hoffe, es wird dem Land nicht seinen Charme nehmen und die wunderschönen Strände kann man dann immernoch ohne zu bezahlen betreten.

Die Karawane zieht weiter. Die Vorhut der Backpacker macht gerade Cambodia und Laos unsicher.

Ein Fazit:
Vietnam ist viel angenehmer zu bereisen, als es sich erahnen läßt. In den meisten Hotels wird englisch gesprochen, ebenso sprechen alle Tourguides Englisch.
Eine Unterkunft ist überall aufzutreiben und man braucht keine Angst vor Kriminalität zu haben. Wenn man unter Urlaub mehr als nur am Strand liegen versteht, dann kann man in diesem Land eine wundervolle Zeit haben. Wenn man dazu nicht bereit ist, dann bitte ich darum, einen Bogen um Vietnam zu machen, es ist einfach zu schön dort.
 
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