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In 4 ½ Wochen von São Paulo nach QuitoDas VorspielEs ergab sich im Mai '99, daß 2 WMAs (Wissenschaftliche Mitarbeiter) des GI (Geodätischen Instituts) den gleichen Wunsch hatten - die dunkle und kalte Jahreszeit etwas zu verkürzen. Sie nannten sich T und M. Der Zeitraum sollte nicht unter vier Wochen betragen und als Ziel kam nur Südamerika in Frage. Nach längerem Hin und Her ward auch eine Route schnell bestimmt - auf dem Landweg von São Paulo nach Quito. Als pro-europäisch gesinnte Bürger gaben sie der Fluggesellschaft IBERIA als Transporteur den Vorzug. Die Flugrouten lauteten nun Berlin-Madrid-São Paulo und Quito-Madrid-Frankfurt/Main. Der eine war konsequenter Nutzer der 'neuen Medien' und entdeckte - in jenen Medien eben- die Möglichkeit eine 'Meilen-Sammel-Kunden-Karte' der Fluggesellschaft zu erwerben. Diese Plastekarte nennt sich 'Iberia Plus'. Ein sc hlechter Gedanke ist das nicht - zumal kostenfrei und irgendwann könnten ja einmal genügend Kilometer für einen Freiflug angesammelt sein. Zusätzlich wurde und wird immer noch mit bevorzugter Behandlung des Karteninhabers geworben. Nun ja - vielleicht sollte das Motto lauten 'Wer eine spannende Reise will, der fliegt Iberia und wem das nicht reicht - der besorgt sich eine Iberia Plus - Karte'. Nach Erwerb des Flugscheins geschah lange Zeit nichts - bis dann die beiden Deliquenten langsam unruhig wurden und anfingen die verbleibenden Tage und letzlich die Stunden zu zählen. Die HinreiseEs geschah am 9.12.99. Nach dem obligatorischen Nachmittagskäffchen im Cafe 'HÜL W24X', zogen die zwei Urlaubsreifen schwer beladen zum Bahnhof. Der Zug nach Berlin war, obwohl vom Balkan kommend, pünktlich. Nach erfolgreichem Absolvieren des Check-In galt es nur noch, das Rückflugdatum im Ticket der Realität anzupassen - die Fluggesellschaft hatte den Termin um einen Tag nach vorn verlegt. Dieser Vorgang ist an und für sich ganz einfach: ein kleiner Schnipsel wird über die betroffenen Angaben geklebt und dannach mit Buchstaben und Zahlengefüllt. Diese Tätigkeit kann auch vom Passagier ausgeführt werden. Abschliessend kommt noch ein Stempel der Filiale darüber - und alles hat seine Ordnung. Mittlerweile war klar: Die Maschine aus MADrid hat so viel Verspätung, daß der Anschlußflug nach S.P. nicht erreicht wird. Aber da gab es ja die Möglichkeit die sechs freien Plätze der Lufthansa nach FRAnkfurt an die Betroffenen zu vergeben. Ein löbliches Vorhaben! (....). Der Teil FRAnkfurt - S.P.-GRU wurde der VARIG zugestanden. Die Organisation des Gepäcks überließ man der DLH und der Flug erfolgte in der Business Class. Angekommen in FRAnkfurt war ein Sprint quer über Terminal 1 erforderlich. Die TXL-Maschine war nicht pünktlich - folglich befand sich die VARIG grad im Last-Call-Stadium. Stolz erreichten wir den netten Herrn am Boarding-Schalter - nur der wußte von nichts. Sein Rechenknecht wieß ebenso keine Informaionen über uns auf - was nun?! Einen Flugreservierung konnten wir präsentieren, aber der war nix wert. Es fehlte die Buchungsbestätigung der Fluggesellschaft und die Tickets befanden sich bei IBERIA in Berlin. In einem solchen Fall ist ein FIM bzw. Passenger Transfer Receipt vonnöten. Das versprochene Fax fehlte jedoch! Die örtliche IBERIA-Filiale war bereits geschlossen und, daß man in einem solchen Fall von einer 'eigentlich unbeteiligten' Gesellschaft mitgenommen wird ist - verständlicherweise - unwahrscheinlich. Hinzu kam, daß die ein gewisses Interesse hatten, den zugewiesenen Slot auch einzuhalten. Nun denn - die VARIG befand sich auf dem Weg nach Brasilien - wir in FRAnfurt, und uns blieb nichts anderes übrig, als das Gepäck zu suchen und irgendwo zu übernachten. Wer weiß schon, daß Gepäck, welches in Terminal 1 nicht befördert wird, am Band 22 herauskommt, das aber bis zu zwei Stunden - nach Abflug des Flugzeugs - dauern kann? Irgendwann war es dann des Wartens genug, der Lost-Baggage-Verwalter gab ein kleines Sanitärtäschchen (wirklich gut das Teil!) heraus und half bei der Hotelsuche. Vor dem Terminal ist es nach Mitternacht nicht ganz so einfach in Taxi zu bekommen. Aber Ahmed erbarmte sich unser und ab gings - ins Best Western nach Raunheim. Ein erstes Gefühl anderer Verkehrssitten kam auf - dort, wo ein rot umrandetes, rundes Schild mit einer schwarzen 80 in der Mitte stand, erfolgte ein kurzes Bremsen auf 130 km/h. Das Hotel war dann sehr angenehm und es wurde noch eine ruhige - wenn auch kurze - Nacht. Am nächsten Morgen ging es dann wieder gleich mit dem Stewardessen-Shuttle zum Flughafen. Nach einer vergeblichen Besichtigung des Zollfreilager-Inventars (wer weiß schon, daß es so etwas gibt und vor allem wo es ist), fanden wir unsere Rucksäcke am Band 11 (da kommt das Gepäck der Lufthansa an, der Rest auf 22; wir werden langsam Experten). Irgendwann öffnete dann auch der Iberia - Schalter und hatte zwei Problemfälle am Hals. Ein wenig Telefonieren mit Berlin und das Rätsel war gelöst. Eine gewisse Teilschuld ist dem Passagier zuzuweisen. Wenn der nämlich von Iberia nach Johannesburg gebucht wird, so kann er dann nicht einfach nach São Paulo fliegen wollen. Aber für das Frühstück wurden die notwendigen 60 DEM als Gutschein zu Verfügung gestellt - die sind übrigens für zwei Personen in FRA auch nötig. Auf das Angebot, mit VARIG den folgenden Abend nach Sao Paulo zu fliegen, haben wir dann verzichtet. Wer weiss schon, wohin das geführt hätte.... Mit der IB ging es mittags nach MADrid. Wäre das alles so gelaufen, wie geplant, dann wären wir 14:00 Uhr dort angekommen und hätten einen angenehmen Nachmittag in MADrid gehabt. Aber erstens fliegt die IB nicht pünktlich los (jedenfalls nicht, wenn man noch etwas vor hat) und zweitens ging irgendwas an der Maschine kaputt, was uns eine reichliche Stunde rumstehen auf dem Runway in MADrid einbrachte. Alle 10 Minuten kam ein Mann mit einem Hämmerchen, klopfte am Flugzeug herum und verschwand wieder. Angekommen in der Stadt, war es dunkel. Was blieb waren ein kurzer Spaziergang von der Oper durch die Altstadt, Aufwärmen bei einem Bier und reichlich Metrofahren. Wider erwarten kam die Maschine von Madrid nach São Paulo am Ziel pünktlich an. Und dennoch - wir hatten einen Tag Urlaub verloren. BrasilienDie Zeit in Brasilien war viel zu kurz, aber damit existiert gleich ein neues Urlaubsziel. Für São Paulo (600 m) blieben zwei Tage. Viel gesehen haben wir von der Stadt eigentlich nicht, tagsüber waren wir damit beschäftigt den Jet-Lag auszukurieren - es regnete ohnehin reichlich, am Abend mit Kneipenbesuchen. So ganz sicher scheint die Stadt auch nicht zu sein. Es ist auf jeden Fall ein ulkiges Gefühl, wenn man auf dem Weg von der U-Bahn zum Hotel plötzlich Polizeischutz bekommt, ohne darum gebeten zu haben.
Bolivien, unter 3000 MeterDas Gegenstück von Corumba heißt Quijarro und ist das bolivianische Grenzdorf. Hier gibt es einen Bahnhof, von wo der Zug ins Landesinnere fährt.
Wir hatten die Luxusklasse im Zug gebucht. Das war erschwinglich und sorgte dafür, daß man sich im Waggon auch bewegen konnte und für die Verpflegung gesorgt war. Der Nachteil: Es gab einen Fernseher und einen Videorecorder. Ein besonderes Schauspiel bot Geiza, die sehr zu unserem Leidwesen vor uns plaziert wurde. Diese sehr frauliche und freizügig gekleidete Brasilianerin zog die Blicke der umliegend plazierten (männlichen) Insassen auf sich. Sie bekam den Tarnnamen Glöckchenturm. Die zwei Stewards und ihr Nachbar waren besonders eifrig ihr zu Diensten. Passierte ewas ihr nicht genehmes, so forderte sie dies mit längerem schrillen Quiecken ein. Die Bediener waren ansonsten jedoch besonders unkonzentriert. Da wird schon mal Kaffee verschüttet, da ja eigentlich der Grundsatz gilt: Blickrichtung bestimmt die Bewegungsrichtung. Die Broschüre aus dem Haus Nolte ('Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz') wäre hier richtig am Platz gewesen. Die Strecke führt hauptsächlich durch den Regenwald, der leider in weiten Teilen bereits abgeholzt ist. An jedem Haltepunkt bietet sich der gleiche Anblick: Dutzende Nahrungsmittelverkäufer bieten entlang der Wagenfenster lautstark ihre Ware feil. Nach reichlichen 18 Stunden erreichte der Zug Santa Cruz (480 m), die zweitgrößte bolivianische Stadt. Ob Santa Cruz auch die Drogenhauptstadt Boliviens ist, soll hier offen bleiben. Der relative Reichtum der Stadt, verglichen mit dem Rest Boliviens, läßt es jedenfalls erahnen.
Das nächste Ziel war Sucre (2800 m), eine Stadt die sich den Regierungssitz mit La Paz teilt. Aber da galt es erst mal hinzukommen. Der Bus braucht dank unasphaltierter Strassen 24h, das Flugzeug aber nur 35 Minuten und ist erschwinglich. Um 07:30 Uhr sollte es losgehen. Da kam jedoch jemand hektisch ans Flugzeug gelaufen. Ausgerüstet war er mit einer Leiter und zwei Dößchen. Dann stieg er mit der Leiter zum Cockpit empor und rührte Zweikomponentenkleber zusammen. Irgendwie mußte das Cockpitfenster doch festzubekommen sein... . Die Abflugzeit verstrich und nach einer Weile kam jemand auf die Idee den Passagieren mitzuteilen, daß sich der Abflug auf 9:45 verschoben hätte. Nach einiger Zeit wurde der dann gar auf 15:00 Uhr verlegt. Wahrscheinlich mußte der Kleber aushärten... So gegen 16:00 Uhr begann tatsächlich das Boarding. Platznummern zählten nix, aber wer kann sich schon damit rühmen, mal in einer Boeing 727 geflogen zu sein. Anderswo stehen die als Denkmal rum. Eventuell hätte man das auch mit unserer Maschine machen sollen. Bei einem Passagier fiel die Armlehne ab. Kein Problem für Lloyd Aero Boliviano (LAB) - mit Lappalien solcher Art weiss man umzugehen. Die Reparaturbrigade (bestehend aus einer Person, vielleicht war das auch der Klebemeister) kam angespurtet und mit ein wenig Tesa-Film ward der Schaden schnell behoben. Die Konstruktion funktinierte mindestens bis zum Ende des Fluges. Für weitere Gedanken war während des kurzen Fluges keine Zeit mehr. Außerdem war der Blick aus dem Fenster überwältigend. Daß sich auf Gepäckbändern die unterschiedlichsten Arten von Koffern und Rucksäcken befinden, daran ist der Reisende gewöhnt. Auch Kartoffel- oder Reissäcke sind nichts besonderes. In Sucre aber rollte eine Plastemülltonne vorbei. Das war nun wirklich etwas neues. Die Besitzer der Mülltonne sollten jedoch noch ein Glücksfall für uns werden (bloß gut, daß sie kein Deutsch konnten und die Lästerei nicht verstanden hatten). Deren Verwandte waren stolze Eigentümer eines Pickup's und eines Hotels. Letzteres war nicht so wichtig, aber schön. Der Jeep ersparte uns den Fußmarsch vom Flughafen in die Stadt (7km, mit Taldurchquerung).
Zusammen mit der Mülltonne und den zugehörigen Personen reisten wir so per Pickup in die Stadt. Irgendwie kam der Fahrer - manchmal mit schieben - an allen Blockaden vorbei. Und weil die Leute so freundlich waren, uns mitgenommen zu haben, blieben wir auch gleich in deren Hotel. Das war nebenbei sehr angenehm.
Bolivien, über 3000 MeterAlso Bus und Taxi fuhren nach zwei Tagen wieder. Wir wollten besser sein als die Japaner und versuchten Europa in 3 Tage zu überbieten. Es galt den fehlenden Urlaubstag aufzuholen.
Die Konstruktion, mit der das Benzin aus Regentonne in den Tank befördert wurde, kann man nicht beschreiben. Man muß es erleben! In Potosi angekommen, war zügiges Handeln erforderlich. Es galt, eine Minenbesichtigung am Nachmittag und ein Busticket nach La Paz für den Abend zu organisieren. Die zwei verbleibenden Stunden bis zur Bergwerksbesichtigung, verbrachten wir mit der Besichtigung der alten Münze und der Stadt. Potosi ist keine Stadt, die traumhaft schön ist. Sie ist auf jeden Fall eine der höchsten Städte der Welt und wurde wegen der kolonialen Architektur von der UNESCO 1987 zum Weltkulturerbe erklärt. Da an einem halben Tag durchzuhasten, ist in gewisser Weise Sünde. Die Münze ist sehenswert. Hier wurde einst Geld im Namen der spanischen Krone geprägt. Ironie der Geschichte - ein Teil des bolivianischen Papiereldes wird heut in Spanien gefertigt. Die Münze an für sich ist noch vollständig erhalten mit einer sehr guten Ausstellung, der geprägten Münzen, ein Muß in der Stadt.
Von der Mine ging es dann via Stadt zum Busbahnhof. Das der furchtbar heruntergekommen ist, sei nur am Rande bemerkt. Vor Jahren wurde das Gepäck immer auf dem Dach der Busse transportiert. Folglich ist das Terminal so angelegt, daß sich die Schalter der Busgesellschaften im ersten Stock befindet, von wo aus ein direktes Beladen des Daches möglich ist. In der Zwischenzeit jedoch erfolgt der Gepäcktransport im Bus unten. Die Schalter sind aber immer noch oben. Also wird jetzt jedes Gepäckstück abgeseilt. Das sieht recht lustig aus, klingt auch lustig, vor allem wenn es mal wieder einen dumpfen Knall gibt.
Der Nachtbus (sogar mit Liegesitzen) brachte uns via Holperpisten nach La Paz. Nein, La Paz haben wir uns nicht angeschaut. Es ging per Minibus zu einem anderen Bus-Terminal und von dort nach Copacabana (3820 m) am Lago Tititaca. Im Gegensatz zu früher ist die Straße nun vollständig geteert. Die Fahrzeit ist dadurch erheblich reduziert. Hier wollten wir zwei Tage bleiben. Offen bleibt, ob wir mit dem Hotel bloß Pech hatten, oder ob alle so schlimm sind. Die Betten waren eigentlich nicht benutzbar, ohne mit Haltungsschäden davonzukommen und daß um 22:00 Uhr das Hotel abgeschlossen wurde, das war nun wirklich befremdlich. Es war der erste Ort wo Touristenmengen auffielen. Den Reisegruppen nach, scheint TUI dieses Dörfchen bereits aufgefallen zu sein. Den nächsten Tag verbrachten wir damit, auf die Isla del Sol zu fahren und eine ausgedehnte Wanderung zu unternehmen. Mindestens drei Viertausender an einem halben Tag ;-) -- das passiert, wenn man jeden Hügel, der dies- und jenseits des Weges liegt 'bezwingt'. Von Copacabana fuhr der Minibus nach Kasani, dem letzten Stück Bolivien auf unserer Reise. Hier wurde es erforderlich, dem bolivianischen Grenzpersonal zu einem Zusatzeinkommen zu verhelfen. Aus welchem Grund auch immer - wir hatten bei der Einreise nach Bolivien keine grüne Touristenkarte bekommen. Aus einem US-Dollar pro Person wurden zwei, als zusätzliche Beamte die Schreibstube betraten - und so hatte jeder von uns die Gelegenheit eine gute Tat zu vollbringen. Immerhin wurde als Gegenleistung der Ausreisestempel in den Paß gedrückt. Peru, der SüdenZwei Stunden Busfahrt von der Grenze befindet sich Puno, berühmt für seine schwimmenden Schilfinseln. Da die Stadt auch auf dem Weg nach Cuzco liegt, bot sich ein Zwischenstopp an. Zu den Traumzielen gehört diese Stadt sicher nicht. Wer es einrichten kann, sollte sich auf die Inseln beschränken und dann schnell weiterfahren. Auf die Inseln zu gelangen, ist recht einfach. Zum Hafen gehen, gelangweilt aussehen und schon kommt irgendwer vorbei, um eine Bootstour anzubieten. Als nächstes galt es (unter Anleitung!), Bonbons für die Bettelkinder auf den Inseln zu besorgen. Die waren hier nicht notwendig, sollten sich aber später noch bewähren. Wer nun geglaubt hat, auf eine schwimmende Insel zu kommen, der hatte sich getäuscht. Das Boot steuert von einem touristischen Highlight zum nächsten (von einer Verkaufsbude zur nächsten), nur auf eine richtig schwimmende Insel gelangt man so nicht.
Das Gefühl Insel wird dem herkömmlichen Besucher an einem an einen Tourimarkt angebauten Stück Insel standardmäßig vermittelt. Glücklicherweise trieb eine richtige Insel grad herum und gegen etwas Bakschisch war dann auch der Bootsbesitzer bereit, dort einen 'special stop' einzulegen. Das Gefühl, auf einem 'frei treibenden und schwankenden Stück Land' herumzulaufen, ist dann wirklich etwas besonderes. Die Inseln bestehen ja schließlich nur aus übereinandergelegtem Schilf, wo des öfteren oben eine neue Lage draufkommt, um das, was unten weggefault ist zu ersetzen. Der Nachtbus brachte uns dann nach Cuzco (3300 m), der alten Inka-Hauptstadt. Hier zieht es alle Peru-Touristen hin. Einerseits ist es der Startpunkt, um nach Machu Picchu zu kommen, andererseits bietet die Stadt selber genügend Sehenswürdigkeiten, die es zu erkunden gibt. Wir beschäftigten uns erstmal mit letzterem und begannen die Stadt zu erkunden. In den oberhalb der Stadt gelegenen Inka-Ruinen von Sacsayhuaman waren die Vorbereitungen für Silvester in vollem Gange. Gern hätten wir die Feierlichkeiten erlebt. Beim Ablaufen der Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt wurde eines schnellklar - es ist Regenzeit. Nachts schneite es in den höheren, die Stadt umgebenden Lagen dann sogar. Am nächsten Tag stand für uns das an, was all die tun, die es nach Cuzco zieht - die Besichtigung von Machu Picchu. Das kann auf verschiedene Art und Weise erfolgen: Wer die Zeit hat, der sollte auf einem der alten Inka- Wege hinwandern. Es lohnt sich. Die Zeit hatten wir nicht und sind mit dem Zug gefahren. Die dritte Möglichkeit soll hier wenigstens erwähnt werden - Einschweben mit dem Hubschrauber. Wer es braucht und das Kleingeld dafür hat ... Der Zug fährt die 110 km nach Machu Picchu in 3½ Stunden. In vier Kehren zickzackt er sich aus der Stadt heraus nach oben, um dann entlang des Rio Urubamba weiter zu fahren. Diese Zugfahrt ist ein Erlebnis. Vom Bahnhof in Aguas Calientes geht es dann noch mit dem Bus in die 1911 wiederendeckte Inka-Stadt. Die Stadt hier zu beschreiben, bringt nicht viel. Wen es interessiert, der muß selber hinfahren. Und wer einmal da ist, der sollte zwei kleine Wanderungen unternehmen - zur Puente Inca und auf den Huayna Picchu (das ist der Postkartenberg). Der Rückweg nach Aguas Calientes ist bequem zu Fuß möglich - es geht ja nur bergab und Bewegung tut gut.
Völlig übermüdet verließen wir Cuzco am folgenden Morgen. Wir vertrauten uns Expresso Wari an. Die Fahrt jedoch sollte die eigentlich schlimmste der gesamten Reise werden. Der Bus war ok, die Buscrew aber das Letzte. Eigentlich hatten wir vor, mit dem Bus via Ayacucho nach Huancayo zu fahren. Von dort sollte es mit der kürzlich wiedereröffneten Eisenbahn nach Lima gehen. Als problematisch erwies sich der Versuch in Cuzco über diese Linie Informationen zu erhalten. Am Ende wußten wir soviel als wie zuvor. Der Zug fährt manchmal, manchmal aber auch nicht. In Lima fanden heraus, daß er grad mal nicht fuhr. Den Auschlag zur Routenänderung gab aber der teilweise schlechte Strassenzustand. Expresso Wari transportierte uns nun nach Nazca. Für die Abschnitte mit schlechter Strasse kann keiner etwas, aber solch unfreundliche Angestellte waren einmalig. Der Höhepunkt war, als in Nazca ein Rucksack nicht da war. Den Boy störte das überhaupt nicht. Wir durchsuchten schließlich selber das Gepäckfach des Busses solange, bis wir fündig wurden. Selbstbedienung wäre da ohne Einschränkung möglich gewesen. Wenigstens hat die Landschaft entschädigt, und die Strecke führt durch vom Tourismus fast unberüherte Landstriche. In Nazca taten wir dann etwas, was man besser lassen sollte. Der Bus kippte uns um 4:00 früh aus. Und wir wußten nichts mit der Zeit bis zum Hellwerden anzufangen. Expresso Wari hält ja auch nicht dort, wo alle anderen Busgesellschaften stoppen, sondern zwei Kilometer davon entfernt. Warum auch? Wir liefen dann zusammen mit einem einheimischen KFZ-Mechaniker in die Stadt. Wer sein Leben liebt, sollte von solchen Aktionen besser lassen. Zumindest hagelte es später von Seiten der Einheimischen Vorwürfe.
Peru, der NordenDie Strecke von Nazca nach Lima führt durch die von Oasentälern durchzogene Wüste, vorbei an Masthühnerfarmen und ist schnell gefahren. Lima ist keine besonders schöne Stadt. Die vielen Erdbeben haben ihre Spuren hinterlassen. Der Stadt wird eine hohe Kriminalitätsrate nachgesagt. Wer keinen gewichtigen Grund hat, dort übernachten zu wollen, der sollte besser nach in die Vorstadt Miraflores fahren. Das ist ein Vorort, man könnte auch Nobelviertel dazu sagen, aber erheblich sicherer und sauberer. Ansonsten ist Miraflores wahrscheinlich der teuerste Flecken in Peru - also nichts zum länger bleiben. Einen Tag nutzen wir noch für einen Ausflug nach Lima. Die Museen hatten zu (es war eben Montag), und die Kirchen und Klöster waren schnell besichtigt. Das was wir auf dem Weg vom Zentrum zum Busterminal sahen, war keine Besichtigung wert - einfach heruntergekommen. Aber wir erwarben Ortskenntnisse für die Taxifahrt am folgenden Morgen. Interessant war die Taxifahrt zum Busterminal in Lima. Der Fahrer war froh sein Englisch wieder mal benutzen zu können. Er hatte viele Jahre in Miami gelebt und vor einem Jahr den seiner Meinung nach großen Fehler gemacht, nach Lima zurückzukehren. Nun arbeitete er grad als Taxifahrer - und so waren seine Ortskenntnisse von Lima. Wenn grad kein anderes Taxi in der Nähe war, wo er nach dem Weg fragen konnte, sprangen wir in die Bresche und lotsten ihn zum Ziel. Der Mann war gut drauf ...
In Trujillo konnten wir unsere Bonbons aus Puno nun mit einer Methode einsetzen, die auch die Peruaner zum schmunzeln brachte. Die Bettelkinder rennen mit einer Bonbontüte rum und verkaufen die Bonbons einzeln. Da unsererseits kein Interesse an Süßigkeiten bestand und das Gebettel irgendwann nervt, verteilten wir nun unsererseits Süßes. Darauf war keiner vorbereitet und wir hatten unsere Ruhe. Von Trujillo benötigt der Bus 6 Stunden bis Piura. Dort gabelt sich die Route. Entweder man bleibt im Bus und fährt an der Küste entlang nach Tumbes und von da weiter nach Ecuador oder per Sammeltaxi auf der Panamericana landeinwärts nach La Tina an die Grenze. Die Taxistation befindet sich in der dunkelsten, aber von einer Polizeiwache beaufsichtigten, Ecke von Piura. Dahin gelangt man per Tricycletta. Und zum Frühstück gibt es interessante geleeartige Sachen... EcuadorNach dem Wecken des peruanischen Grenzbeamten (es war ja erst 7:00!), verliefen die Aus- und Einreiseformalitäten problemlos. - Endlich Frühstück auf dem Markt von Macará. Da diese Kleinstadt keinen längeren Aufenthalt wert ist, ging es gleich mit dem nächsten Bus in 5½ Stunden nach Loja. Da ist zwar auch nicht viel mehr los, aber die Stadt ist angenehm und irgendwo muß man ja übernachten. Am nächsten Tag war laut Kalender Silvester und wir erreichten Cuenca. Das ist die drittgrößte Stadt Ecuadors. Am Nachmittag fingen die Leute an, Straßenbarrikaden zu errichten und Ungetüme zum Erzeugen von Musik aufzustellen. Das sah alles gewaltiger aus, als es dann am Abend war. Als wir die Bilder aus Cuzco bei CNN gesehen hatten, ärgerten wir uns doch ein wenig, dort nicht dabei zu sein. Das Abendessen war dafür erste Qualität. Es dürte eines der teuersten Restaurants der Stadt gewesen sein, wo wir eingekehrt waren. So nobel hatte keiner von uns je zuvor gespeißt und in Deutschland hätte man für das Geld einen Döner mit Cola bekommen. Mitternacht haben wir dann in den Strassen erlebt. An einigen Stellen (die mit den großen Lautsprechern) war dann wenigsten Party. Ansonsten herrscht der Brauch vor, große Puppen zu verbrennen, um das Schlechte und die Sorgen des alten Jahres abzuschütteln. Manche Puppe wieß verblüffende Ähnlichkeit mit dem (nun Ex-) Präsidenten Mahuad auf! Und so brannte die halbe Stadt. Neujahr nutzten wir zu einer kleinen Besichtigung von Cuenca genutzt. Die koloniale Altstadt lädt auch dazu ein. Das wichtigste aber stellte der Y2K-Check von T's vernetzten Tierchen in DD dar. Von Cuenca fuhren wir weiter nach Riobamba. Der erste Eindruck war grausam. Es sah aus wie in der Abfüllanlage einer Zementfabrik. Der Vulkan Tungurahua meinte Asche über der Gegend verteilen zu müssen. Die Luft war voller feiner Vulkanasche, und der kroch überall hin. Der Versuch eine Eruption am Abend zu sehen, endete leider mit einem Mißerfolg. Aber der eigentliche Grund nach Riobamba zu kommen bestand in dem Wunsch, einen Berg zu erklettern. Und weil sich nichts höheres finden ließ, sollte es der Chimborazo sein. Der ist 6310 m hoch, und wir waren ja gut akklimatisiert, dachten wir.... Wenigstens waren wir noch so vernünftig, uns einen Führer zu leisten. Das kostete zwar Geld, aber das war es auch Wert. Außerdem bekamen wir die notwendige Ausrüstung gestellt. Das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Denn im Gegensatz zu Geldwechslern, stehen Steigeisenverleiher nicht an jeder Straßenecke rum. Auf dem Berg liegt Schnee, und der Gipfel ist vergletschert. Die Teile sind also notwendig. Von uns hatte so etwas noch keiner an den Füßen gehabt. Nachdem uns ein Jeep zur ersten Hütte bei 4800 m gebracht hatte, liefen wir zur zweiten bei 4900 oder 5000 m. Bis dahin war alles noch kein Problem. Dann hat uns der Guide erstmal eine Steigeisenübung verordnet. Hierbei machte sich die doch etwas dünne Luft zum ersten Mal bemerkbar.
Der Weg zurück wurde abenteuerlich. Glücklicherweise waren wir angeseilt und gesichert. Dieser Umstand verhinderte schlimmeres. Eine meiner Crampones löste sich, ich verlor den Halt und rutschte zu Tale (M.). In einem solchen Fall verlagert man sein Gewicht auf das Steigeisen und drückt es ins Eis. Das bremst dann und man hat wieder Halt. Soweit die Theorie. Leider funktioniert das bei blankem, hartgefrorenem Eis nicht. Da bleibt nur - als nasser Sack - unterm Kreuz des Südens - hilflos am Seil zu hängen. T. Probierte das auch gleich noch aus, worauf M. nochmals weiterrutschte. So einen halb bestiegenen Berg kann man nicht stehen lassen. Ein neuer Versuch nach ordentlicher Vorbereitung wird wohl stattfinden.
Dann war die Zeit gekommen zu unser letzten Station dieser Reise zu fahren. Vier Stunden Bus galt es bis Quito zu überstehen. Über die Hauptstadt Ecuadors kann man sicher vortrefflich streiten, unsere Meinungen sind entgegengesetzt. Die Altstadt ist nur im Hellen betretbar, die Neustadt soll angeblich auch nachts sicher sein. Unser Hotel war ruhig und verkehrsgünstig gelegen. Zumindest hatten wir diesen Eindruck am Nachmittag der Ankunft. Am Abend ist die Stadt wie ausgestorben. Wer sein Leben liebt, der nimmt überallhin ein Taxi. Dummerweise war das Nachbarbebäude ein kleines Haus mit eigentlich unscheinbaren roten Gardinen. Nach Einbruch der Dunkelheit langweilten sich dann ein paar Damen an der Straßenecke - die Beschützer unauffällig in der Nähe. In Ecuador wird so etwas Cabaret genannt. Kein schönes Gefühl da am Abend langzugehen. Unser großer Ballast-Pflasterstein wirkte aber nicht so einladend auf die schweren Jungs, und so schmückt er nun den Vorgarten des Hotels. Ansonsten war Quito noch dazu zu gebrauchen, daß Äquator-Denkmal zu besuchen und dem deutschen Bekleidungs- und Rumhandel eine Umsatzeinbuße zu bescheren. Wenn man Abend ausgehen will, hat man die Wahl. Es gibt Kneipen für Touristen und solche (weiter abgelegen) die für die Einheimischen - ...picante... Dann war der Tag gekommen, wo wir sagen mußten: Es war schön, aber da ist ein Ticket mit einem Datum drauf und das ist heute. Der RückflugWir besaßen ein Iberia-Ticket, folglich war ein Abenteuer zu erwarten. Zunächst sah es so aus, als ob alles nach (Flug-)Plan verliefe. Die Maschine kam pünktlich aus Madrid, und das Boarding begann zur vorgesehenen Zeit. Dann passierte einfach eine Stunde nichts. Und anschließend hieß es: Alle aussteigen! Der Grund - Technische Probleme. Nach einer reichlichen Stunde im Transitraum - man hatte grad angefangen, einen Imbiß auszuteilen - begann das Re-Boarding. Als alle saßen, näherten wir uns der dritten Stunde. Der Buschfunk meinte, es gab Probleme mit der Füllstandsanzeige. Folglich war das Warten einzusehen. Die Maschine flog dann nach Guayaquil und weiter nach MADrid. Beim Start fielen zuerst das Licht und dann noch das Videosystem aus. Das hatte keine Folgen. Es handelt sich um Schönheitsfehler. Nicht so schön aber war die Anzeigetafel in MADrid. Unser Anschluß nach Frankfurt war weg. Der Versuch, die IB zu überreden, uns eine Nacht in MAD zu spendieren, ging leider schief - da existierte ja noch eine Maschine am Abend... . Abzusehen war, daß wir den Nachtzug nach DD so nie erreichen würden. Aber da gab es noch die Lufthansa. Die erklärte sich bereit, uns mit unseren Billigtickets der IB trotzdem mitzunehmen. Wir teilten uns. T. Besorgte die Tickets und der andere tauchte ab, nach dem Gepäck zu suchen. Ja, irgendwann hatten wir alle Papiere - Passenger Transfer Receipt, Boardingcards bis FRA, Tickets und Boardingcards bis Dresden, doch wo war das Gepäck. Das befand sich irgendwo in den Katakomben von Barajas. Das magische Band trägt hier die Nummer 9. Nach einem längeren Schwall spanischen Teilsatzbrocken, bemühte sich die freundlich junge Angestellte auch intensiv um das Gepäck. So gesehen machte die Gepäcksuche Spaß... doch mit Zeitdruck im Nacken... . Beim Erreichen des Gates befand sich das Flugzeug zwei Meter von diesem entfernt. Der Slot war wichtiger! ... 5..10 Minuten fehlten am Ende. Doch nun hatten wir ja das Gepäck. Der Rest jedoch war rückgängig zu machen. Es blieb die Abendmaschine der IB nach FRAnkfurt. Dort angekommen spurteten wir zum Bahnhof. Die letzte S-Bahn, die uns pünktlich zum Nachtzug gebracht hätte, schloß genau in dem Moment die Türen, als wir den unteren Teil der Rolltreppe erreichten. Dann fuhr sie ab. Nun war in Frankfurt grad irgend eine Messe. Das bedeutet: Mietwagen sind knapp. Wir müssen schließlich so leidend ausgesehen haben, daß sich bei Sixt schließlich doch noch ein Wagen fand. Fünf Stunden später, früh um halb fünf erreichten wir Dresden und pünktlich, 07:30 Uhr, den Hülßebau. Noch ein paar GedankenWas wir gemacht haben, sollte nicht wiederholt werden. Wir haben viel gesehen, aber in der kurzen Zeit muß man einfach auch sehr viel übersehen. Die Zeit reicht nicht, alles anzuschauen. Die Alternative ist: Jede zweite oder dritte Nacht im Bus zu verbringen.
Wer vier Wochen zur Verfügung hat, sollte sich auf ein oder zwei Länder beschränken. Es bringt einfach mehr ein. Zum Beispiel wären wir gern nach Galapagos gefahren. Doch dafür sollte mindestens eine Woche zur Verfügung stehen. Es gibt dort viel zu sehen, und Flug, Nationalparkeintritt und Bootsfahrt kosten wirklich Geld. Diese Zeit fehlte einfach!
Kurz vor unserer Abreise gab es schon Proteste, Demos und Tränengas. Alles gipfelte zwei Wochen nach unserer Rükkehr in zwei aufeinanderfolgenden Umstürzen. Nun regiert der (Ex-)Vizepräsident... Als Transportmittel bieten sich wie immer Busse an, es gibt schöne Eisenbahnstrecken die man nicht versäumen sollte und manchmal ist der Gedanke an einen Inlandsflug sinnvoll. Erschwinglich ist er allemal. Wer Badeurlaub machen will, ist abgesehen von Ecuador fehl am Platze. Das gilt auch für Galapagos (18°C)!Dort, wo es Strand gibt, ist das Wasser kalt (Humboldt-Strom). Ohne spanische Sprachkenntnisse, eine solche Reise versuchen zu wollen, ist nicht zu empfehlen. Englisch können dort nur sehr wenige, wenn dann in besseren Hotels. Aber spätestens beim Busfahrer ist Schluß. Derjenige, der die Kultur der Inka trotzdem erleben will, sollte auf eine der einschlägigen Reiseagenturen zurückgreifen. Da man eine solche Reise nur einmal macht, darf bzw. sollte dann der Preis auch nicht abschrecken. |
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