São Paulo
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Corumba
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Santa Cruz
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Sucre
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Potosi
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La Paz
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Copacabana
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Puno
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Cuzco
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Nazca
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Lima
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Trujillo
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Cuenca
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Riobamba
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Quito
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In 4 ½ Wochen von São Paulo nach Quito
Das Vorspiel
Es ergab sich im Mai '99, daß 2 WMAs
(Wissenschaftliche Mitarbeiter) des GI (Geodätischen Instituts) den
gleichen Wunsch hatten - die dunkle und kalte Jahreszeit etwas zu verkürzen.
Sie nannten sich T und M. Der Zeitraum sollte nicht unter vier Wochen betragen
und als Ziel kam nur Südamerika in Frage. Nach längerem Hin und
Her ward auch eine Route schnell bestimmt - auf dem Landweg von São
Paulo nach Quito. Als pro-europäisch gesinnte Bürger gaben sie
der Fluggesellschaft IBERIA als Transporteur den Vorzug. Die Flugrouten
lauteten nun Berlin-Madrid-São Paulo und Quito-Madrid-Frankfurt/Main.
Der eine war konsequenter Nutzer der 'neuen
Medien' und entdeckte - in jenen Medien eben- die Möglichkeit eine
'Meilen-Sammel-Kunden-Karte' der Fluggesellschaft zu erwerben. Diese Plastekarte
nennt sich 'Iberia Plus'. Ein sc hlechter Gedanke ist das nicht
- zumal kostenfrei und irgendwann könnten ja einmal genügend
Kilometer für einen Freiflug angesammelt sein. Zusätzlich wurde
und wird immer noch mit bevorzugter Behandlung des Karteninhabers geworben.
Nun ja - vielleicht sollte das Motto lauten 'Wer eine spannende Reise will,
der fliegt Iberia
und wem das nicht reicht - der besorgt sich eine
Iberia
Plus - Karte'. Nach Erwerb des Flugscheins geschah lange Zeit nichts
- bis dann die beiden Deliquenten langsam unruhig wurden und anfingen die
verbleibenden Tage und letzlich die Stunden zu zählen.
Die Hinreise
Es geschah am 9.12.99. Nach dem obligatorischen
Nachmittagskäffchen im Cafe 'HÜL W24X', zogen die zwei
Urlaubsreifen schwer beladen zum Bahnhof. Der Zug nach Berlin war, obwohl
vom Balkan kommend, pünktlich. Nach erfolgreichem Absolvieren des
Check-In galt es nur noch, das Rückflugdatum im Ticket der Realität
anzupassen - die Fluggesellschaft hatte den Termin um einen Tag nach vorn
verlegt. Dieser Vorgang ist an und für sich ganz einfach: ein kleiner
Schnipsel wird über die betroffenen Angaben geklebt und dannach mit
Buchstaben und Zahlengefüllt. Diese Tätigkeit kann auch vom Passagier
ausgeführt werden. Abschliessend kommt noch ein Stempel der Filiale
darüber - und alles hat seine Ordnung. Mittlerweile war klar: Die
Maschine aus MADrid hat so viel Verspätung, daß der Anschlußflug
nach S.P. nicht erreicht wird.
Aber da gab es ja die Möglichkeit die
sechs freien Plätze der Lufthansa nach FRAnkfurt an die Betroffenen
zu vergeben. Ein löbliches Vorhaben! (....). Der Teil FRAnkfurt -
S.P.-GRU wurde der VARIG zugestanden. Die Organisation des Gepäcks
überließ man der DLH und der Flug erfolgte in der Business
Class. Angekommen in FRAnkfurt war ein Sprint quer über
Terminal 1 erforderlich. Die TXL-Maschine war nicht pünktlich - folglich
befand sich die VARIG grad im Last-Call-Stadium. Stolz erreichten wir den
netten Herrn am Boarding-Schalter - nur der wußte von nichts. Sein
Rechenknecht wieß ebenso keine Informaionen über uns auf - was
nun?! Einen Flugreservierung konnten wir präsentieren, aber der war
nix wert. Es fehlte die Buchungsbestätigung der Fluggesellschaft und
die Tickets befanden sich bei IBERIA in Berlin. In einem solchen
Fall ist ein FIM bzw. Passenger
Transfer Receipt
vonnöten. Das versprochene Fax fehlte jedoch! Die örtliche
IBERIA-Filiale war bereits geschlossen und, daß man in einem solchen
Fall von einer 'eigentlich unbeteiligten' Gesellschaft mitgenommen wird
ist - verständlicherweise - unwahrscheinlich. Hinzu kam, daß
die ein gewisses Interesse hatten, den zugewiesenen Slot auch einzuhalten.
Nun denn - die VARIG befand sich auf dem
Weg nach Brasilien - wir in FRAnfurt, und uns blieb nichts anderes übrig,
als das Gepäck zu suchen und irgendwo zu übernachten. Wer weiß
schon, daß Gepäck, welches in Terminal 1 nicht befördert
wird, am Band 22 herauskommt, das aber bis zu zwei Stunden - nach Abflug
des Flugzeugs - dauern kann? Irgendwann war es dann des Wartens genug,
der Lost-Baggage-Verwalter gab ein kleines Sanitärtäschchen (wirklich
gut das Teil!) heraus und half bei der Hotelsuche.
Vor dem Terminal ist es nach Mitternacht
nicht ganz so einfach in Taxi zu bekommen. Aber Ahmed erbarmte sich unser
und ab gings - ins Best Western nach Raunheim. Ein erstes Gefühl anderer
Verkehrssitten kam auf - dort, wo ein rot umrandetes, rundes Schild mit
einer schwarzen 80 in der Mitte stand, erfolgte ein kurzes Bremsen auf
130 km/h. Das Hotel war dann sehr angenehm und es wurde noch eine ruhige
- wenn auch kurze - Nacht.
Am nächsten Morgen ging es dann wieder
gleich mit dem Stewardessen-Shuttle zum Flughafen. Nach einer vergeblichen
Besichtigung des Zollfreilager-Inventars (wer weiß schon, daß
es so etwas gibt und vor allem wo es ist), fanden wir unsere Rucksäcke
am Band 11 (da kommt das Gepäck der Lufthansa an, der Rest auf 22;
wir werden langsam Experten).
Irgendwann öffnete dann auch der Iberia
- Schalter und hatte zwei Problemfälle am Hals. Ein wenig Telefonieren
mit Berlin und das Rätsel war gelöst. Eine gewisse Teilschuld
ist dem Passagier zuzuweisen. Wenn der nämlich von Iberia nach Johannesburg
gebucht wird, so kann er dann nicht einfach nach São Paulo fliegen
wollen. Aber für das Frühstück wurden die notwendigen 60
DEM als Gutschein zu Verfügung gestellt - die sind übrigens für
zwei Personen in FRA auch nötig.
Auf das Angebot, mit VARIG den folgenden
Abend nach Sao Paulo zu fliegen, haben wir dann verzichtet. Wer weiss schon,
wohin das geführt hätte.... Mit der IB ging es mittags nach MADrid.
Wäre das alles so gelaufen, wie geplant, dann wären wir 14:00
Uhr dort angekommen und hätten einen angenehmen Nachmittag in MADrid
gehabt. Aber erstens fliegt die IB nicht pünktlich los (jedenfalls
nicht, wenn man noch etwas vor hat) und zweitens ging irgendwas an der
Maschine kaputt, was uns eine reichliche Stunde rumstehen auf dem Runway
in MADrid einbrachte. Alle 10 Minuten kam ein Mann mit einem Hämmerchen,
klopfte am Flugzeug herum und verschwand wieder.
Angekommen in der Stadt, war es dunkel. Was
blieb waren ein kurzer Spaziergang von der Oper durch die Altstadt, Aufwärmen
bei einem Bier und reichlich Metrofahren.
Wider erwarten kam die Maschine von Madrid
nach São Paulo am Ziel pünktlich an. Und dennoch - wir hatten
einen Tag Urlaub verloren.
Brasilien
Die Zeit in Brasilien war viel zu kurz, aber
damit existiert gleich ein neues Urlaubsziel. Für São Paulo
(600 m) blieben zwei Tage. Viel gesehen haben wir von der Stadt eigentlich
nicht, tagsüber waren wir damit beschäftigt den Jet-Lag auszukurieren
- es regnete ohnehin reichlich, am Abend mit Kneipenbesuchen. So ganz sicher
scheint die Stadt auch nicht zu sein. Es ist auf jeden Fall ein ulkiges
Gefühl, wenn man auf dem Weg von der U-Bahn zum Hotel plötzlich
Polizeischutz bekommt, ohne darum gebeten zu haben.
Von São Paulo ging es per Bus in 22h
nach Corumbá an die bolivianische Grenze. Nun ist es nicht so, daß
der Ausreisestempel auch tatsächlich an der Grenze erhältlich
ist. Das bedeutet, daß man wohl an der Grenze ist, jedoch das Land
nicht verlassen kann. Es ist notwendig in die Stadt zurückzukehren
und auf irgendeiner Seitenstraße das Büro der Policia Federal
aufzusuchen. Und das ist gut getarnt untergebracht...
Bolivien, unter 3000 Meter
Das Gegenstück von Corumba heißt
Quijarro und ist das bolivianische Grenzdorf. Hier gibt es einen Bahnhof,
von wo der Zug ins Landesinnere fährt.
Ein Straße gibt es nicht, also muß
jeder mit dem Zug fahren. Dieser Umstand kann dann an der Fahrkartenausgabe
bewundert werden. Die für den aktuellen Tag bestimmten Fahrkarten
haben bereits am Vortage einen (Zwischen-)Besitzer gefunden. An einen solchen
Zwischen-(Schwarz-) Händler wende man sich nun vertrauensvoll. Im
konkreten Fall war das Snackverkäufer an der Ecke.
Der hat allerdings nicht alle Wagenklassen im Angebot, weshalb der Stand vorübergehend
schließt und die Ware im nächstgelegenen Hotel besorgt wird.
Die Fahrkarten sind nun teurer. Der Wiederverkaufs-Aufschlag hängt
von der Art des zu erwerbenden Ticket ab. Ein Fahrschein der ersten Klasse
kostet knapp das doppelte des aufgedruckten Preises. Im Salonwagen liegt
der Aufschlag bei ca. einem Sechstel. Nun verfügt der Reisende laut
Fahrkarte über eine andere Identität, kann noch am gleichen Tag
reisen und spart sich das Erlebnis 'Fahrkartenausgabe'.
Wir hatten die Luxusklasse im Zug gebucht.
Das war erschwinglich und sorgte dafür, daß man sich im Waggon
auch bewegen konnte und für die Verpflegung gesorgt war. Der Nachteil:
Es gab einen Fernseher und einen Videorecorder. Ein besonderes Schauspiel
bot Geiza, die sehr zu unserem Leidwesen vor uns plaziert wurde.
Diese sehr frauliche und freizügig gekleidete Brasilianerin zog die
Blicke der umliegend plazierten (männlichen) Insassen auf sich. Sie
bekam den Tarnnamen Glöckchenturm. Die zwei Stewards und ihr
Nachbar waren besonders eifrig ihr zu Diensten. Passierte ewas ihr nicht
genehmes, so forderte sie dies mit längerem schrillen Quiecken ein.
Die Bediener waren ansonsten jedoch besonders unkonzentriert. Da wird schon
mal Kaffee verschüttet, da ja eigentlich der Grundsatz gilt: Blickrichtung
bestimmt die Bewegungsrichtung. Die Broschüre aus dem Haus Nolte ('Sexuelle
Belästigung am Arbeitsplatz') wäre hier richtig am Platz gewesen.
Die Strecke führt hauptsächlich
durch den Regenwald, der leider in weiten Teilen bereits abgeholzt ist.
An jedem Haltepunkt bietet sich der gleiche Anblick: Dutzende Nahrungsmittelverkäufer
bieten entlang der Wagenfenster lautstark ihre Ware feil. Nach reichlichen
18 Stunden erreichte der Zug Santa Cruz (480 m), die zweitgrößte
bolivianische Stadt. Ob Santa Cruz auch die Drogenhauptstadt Boliviens
ist, soll hier offen bleiben. Der relative Reichtum der Stadt, verglichen
mit dem Rest Boliviens, läßt es jedenfalls erahnen.
Durch Zufall geraten wir am Abend in eine
Kneipe mit Fernseher und da wird gerade Fußball übertragen.
Da haben wir uns noch nichts dabei gedacht. Die anderen Gäste widmeten
dem Geschehen ihre volle Aufmerksamkeit. Bald war die Frage nach dem warum
auch beantwortet- Es spielten der Lokalmatador Blooming Santa Cruz
auswärts gegen The Strongest La Paz im ersten Spiel des Meisterschaftsfinales.
Der Endstand lautete: 3:2 für Blooming. Nach dem Spiel trafen sich
die Stadtbewohner zum Autocorso auf dem zentralen Platz. Es wurde gefeiert
... (würde in Deutschland nicht gehen, weil alle an der roten Ampel
anhalten).
Das nächste Ziel war Sucre (2800 m),
eine Stadt die sich den Regierungssitz mit La Paz teilt. Aber da galt es
erst mal hinzukommen. Der Bus braucht dank unasphaltierter Strassen 24h,
das Flugzeug aber nur 35 Minuten und ist erschwinglich. Um 07:30 Uhr sollte
es losgehen. Da kam jedoch jemand hektisch ans Flugzeug gelaufen. Ausgerüstet
war er mit einer Leiter und zwei Dößchen. Dann stieg er mit
der Leiter zum Cockpit empor und rührte Zweikomponentenkleber zusammen.
Irgendwie mußte das Cockpitfenster doch festzubekommen sein... .
Die Abflugzeit verstrich und nach einer Weile
kam jemand auf die Idee den Passagieren mitzuteilen, daß sich der
Abflug auf 9:45 verschoben hätte. Nach einiger Zeit wurde der dann
gar auf 15:00 Uhr verlegt. Wahrscheinlich mußte der Kleber aushärten...
So gegen 16:00 Uhr begann tatsächlich
das Boarding. Platznummern zählten nix, aber wer kann sich schon damit
rühmen, mal in einer Boeing 727 geflogen zu sein. Anderswo stehen
die als Denkmal rum. Eventuell hätte man das auch mit unserer Maschine
machen sollen. Bei einem Passagier fiel die Armlehne ab. Kein Problem für
Lloyd
Aero Boliviano (LAB) - mit Lappalien solcher Art weiss man umzugehen.
Die Reparaturbrigade (bestehend aus einer Person, vielleicht war das auch
der Klebemeister) kam angespurtet und mit ein wenig Tesa-Film ward der
Schaden schnell behoben. Die Konstruktion funktinierte mindestens bis zum
Ende des Fluges.
Für weitere Gedanken war während
des kurzen Fluges keine Zeit mehr. Außerdem war der Blick aus dem
Fenster überwältigend.
Daß sich auf Gepäckbändern
die unterschiedlichsten Arten von Koffern und Rucksäcken befinden,
daran ist der Reisende gewöhnt. Auch Kartoffel- oder Reissäcke
sind nichts besonderes. In Sucre aber rollte eine Plastemülltonne
vorbei. Das war nun wirklich etwas neues. Die Besitzer der Mülltonne
sollten jedoch noch ein Glücksfall für uns werden (bloß
gut, daß sie kein Deutsch konnten und die Lästerei nicht verstanden
hatten). Deren Verwandte waren stolze Eigentümer eines Pickup's und
eines Hotels. Letzteres war nicht so wichtig, aber schön. Der Jeep
ersparte uns den Fußmarsch vom Flughafen in die Stadt (7km, mit Taldurchquerung).
Der Plan der Regierung, die Benzinpreise erheblich anzuheben, fand bei der
bolivianischen Bevölkerung keine Zustimmung. Die Beschäftigten
des Transportsektors hatten am Vortag beschlossen zu streiken. In Sucre
führte man das besonders gründlich durch. Wenn wir nicht fahren
können/wollen, dann sollen es die anderen auch nicht. Folglich stand
an jeder unmöglichen Stelle ein Bus oder LKW quer auf der Strasse.
Das widerum führte zu einem einmaligen Zustand in diesem Land: Man
konnte ohne angehupt zu werden, nicht nur die Straße überqueren,
sondern auch seelenruhig in deren Mitte herumspazieren. Es herrschte himmlische
Ruhe. Entzugserscheinungen vom sonst üblichen Dieselgeruch traten
ein....
Zusammen mit der Mülltonne und den zugehörigen
Personen reisten wir so per Pickup in die Stadt. Irgendwie kam der Fahrer
- manchmal mit schieben - an allen Blockaden vorbei. Und weil die Leute
so freundlich waren, uns mitgenommen zu haben, blieben wir auch gleich
in deren Hotel. Das war nebenbei sehr angenehm.
Sucre wird auch die als Ciudad Blanca bezeichnet. Und nicht zu unrecht gibt es
Leute, die behaupten, es wäre die schönste Stadt des Landes.
Wahrscheinlich existieren nur wenige Städte in Lateinamerika, die
einem Vergleich mit Sucre standhalten. Das erste was auffällt ist,
daß nicht jeder seinen Müll gleichmäßig in der Stadt
breitstreut (La Paz liegt in einem Kessel und in einigen Jahrzehnten wird
dieser mit Müll aufgefüllt sein). Die historische Altstadt besteht
aus weiß bemalten Häusern, die reglmäßig neu gestrichen
werden. Und wer nicht in der Kathedrale, in La Recoleta (dem Franziskanerkloster)oder
auf dem Dach des Konventes San Felipe de Neri war, hat etwas Einzigartiges
verpaßt.
Bolivien, über 3000 Meter
Also Bus und Taxi fuhren nach zwei Tagen
wieder. Wir wollten besser sein als die Japaner und versuchten Europa in
3 Tage zu überbieten. Es galt den fehlenden Urlaubstag aufzuholen.
Mit dem Sammeltaxi ging es von Sucre nach Potosi (4000 m). Das Taxi ist unwesentlich
teurer als der Bus, aber schneller und wird natürlich vollgeladen.
Nur nützt das alles nichts, wenn sich diesmal die Tankstellen im Streik
befinden. Der erste Versuch, Benzin zu finden, endete mit einer Stadtrundfahrt.
Die mitreisenden Bolivianos wurden langsam ungeduldig und nach ein paar
Wortwechseln trieb man ein anderes Taxi auf, das etwas mehr Benzin im Tank
hatte. Nein, bis Potosi hätte das nie gereicht... In jedem Dorf wurde
der Fahrer langsamer und die Nervosität stieg. . .. es könnte
ja jemand Benzin verkaufen ... und irgendwann hatte er Glück. Dem
Gesicht nach, war das wohl die letzte Chance.
Die Konstruktion, mit der das Benzin aus
Regentonne in den Tank befördert wurde, kann man nicht beschreiben.
Man muß es erleben!
In Potosi angekommen, war zügiges Handeln
erforderlich. Es galt, eine Minenbesichtigung am Nachmittag und ein Busticket
nach La Paz für den Abend zu organisieren. Die zwei verbleibenden
Stunden bis zur Bergwerksbesichtigung, verbrachten wir mit der Besichtigung
der alten Münze und der Stadt.
Potosi ist keine Stadt, die traumhaft schön
ist. Sie ist auf jeden Fall eine der höchsten Städte der Welt
und wurde wegen der kolonialen Architektur von der UNESCO 1987 zum Weltkulturerbe
erklärt. Da an einem halben Tag durchzuhasten, ist in gewisser Weise
Sünde.
Die Münze ist sehenswert. Hier wurde
einst Geld im Namen der spanischen Krone geprägt. Ironie der Geschichte
- ein Teil des bolivianischen Papiereldes wird heut in Spanien gefertigt.
Die Münze an für sich ist noch vollständig erhalten mit
einer sehr guten Ausstellung, der geprägten Münzen, ein Muß
in der Stadt.
Das zweite Muß ist der Cerro Rico, der Silberberg. In einer Höhe
von 4000 - 4800 m und bei Temperaturen von bis zu 45 Grad Celsius werden
hier unter mittelalterlichen Bedingungen Erze abgebaut. Ein Silberfund
stellt eine Rarität dar. Aber Blei, Zink und Zinn sind noch ausreichend
vorhanden. Nach 10 Jahren in der Miene sterben die Arbeiter oder verlassen
diese mit Staublunge. Niemand ist älter als 40. Erz und Abraum werden
meist auf dem Rücken herausgetragen. Eine echte Alternative zur Arbeit
in den Minen ist in Potosi nicht vorhanden.
Auf jeden Fall ist die Besichtigung einer
der vielen kleinen Minen ein Erlebnis. Mit Coca-Blättern und Dynamit
+ Zubehör behangen (kann man am Eingang käuflich erwerben) geht
es los. Durch kleine Gänge, über dürftig abgedeckte Löcher
geht es durch den Berg - vorbei an El Tio - dem Beschützer der Mineros.
Ein bißchen mit mit den Mineros snakken, etwas hämmern und aufpassen,
wohin man tritt. 'Höhenpunk' ist das Zünden einer Dynamitstange.
Vielleicht sollte man den Beruf wechseln...
Von der Mine ging es dann via Stadt zum
Busbahnhof. Das der furchtbar heruntergekommen ist, sei nur am Rande bemerkt.
Vor Jahren wurde das Gepäck immer auf dem Dach der Busse transportiert.
Folglich ist das Terminal so angelegt, daß sich die Schalter der
Busgesellschaften im ersten Stock befindet, von wo aus ein direktes Beladen
des Daches möglich ist. In der Zwischenzeit jedoch erfolgt der Gepäcktransport
im Bus unten. Die Schalter sind aber immer noch oben. Also wird jetzt jedes
Gepäckstück abgeseilt. Das sieht recht lustig aus, klingt auch
lustig, vor allem wenn es mal wieder einen dumpfen Knall gibt.
Der Nachtbus (sogar mit Liegesitzen) brachte
uns via Holperpisten nach La Paz. Nein, La Paz haben wir uns nicht angeschaut.
Es ging per Minibus zu einem anderen Bus-Terminal und von dort nach
Copacabana
(3820 m) am Lago Tititaca. Im Gegensatz zu früher ist die Straße
nun vollständig geteert. Die Fahrzeit ist dadurch erheblich reduziert.
Hier wollten wir zwei Tage bleiben. Offen
bleibt, ob wir mit dem Hotel bloß Pech hatten, oder ob alle so schlimm
sind. Die Betten waren eigentlich nicht benutzbar, ohne mit Haltungsschäden
davonzukommen und daß um 22:00 Uhr das Hotel abgeschlossen wurde,
das war nun wirklich befremdlich.
Es war der erste Ort wo Touristenmengen
auffielen. Den Reisegruppen nach, scheint TUI dieses Dörfchen bereits
aufgefallen zu sein.
Den nächsten Tag verbrachten wir damit,
auf die Isla del Sol zu fahren und eine ausgedehnte Wanderung zu unternehmen.
Mindestens drei Viertausender an einem halben Tag ;-) -- das passiert,
wenn man jeden Hügel, der dies- und jenseits des Weges liegt 'bezwingt'.
Von Copacabana fuhr der Minibus nach Kasani,
dem letzten Stück Bolivien auf unserer Reise. Hier wurde es erforderlich,
dem bolivianischen Grenzpersonal zu einem Zusatzeinkommen zu verhelfen.
Aus welchem Grund auch immer - wir hatten bei der Einreise nach Bolivien
keine grüne Touristenkarte bekommen. Aus einem US-Dollar pro Person
wurden zwei, als zusätzliche Beamte die Schreibstube betraten - und
so hatte jeder von uns die Gelegenheit eine gute Tat zu vollbringen. Immerhin
wurde als Gegenleistung der Ausreisestempel in den Paß gedrückt.
Peru, der Süden
Zwei Stunden Busfahrt von der Grenze befindet
sich Puno, berühmt für seine schwimmenden Schilfinseln. Da die
Stadt auch auf dem Weg nach Cuzco liegt, bot sich ein Zwischenstopp an.
Zu den Traumzielen gehört diese Stadt sicher nicht. Wer es einrichten
kann, sollte sich auf die Inseln beschränken und dann schnell weiterfahren.
Auf die Inseln zu gelangen, ist recht einfach.
Zum Hafen gehen, gelangweilt aussehen und schon kommt irgendwer vorbei,
um eine Bootstour anzubieten. Als nächstes galt es (unter Anleitung!),
Bonbons für die Bettelkinder auf den Inseln zu besorgen. Die waren
hier nicht notwendig, sollten sich aber später noch bewähren.
Wer nun geglaubt hat, auf eine schwimmende
Insel zu kommen, der hatte sich getäuscht. Das Boot steuert von einem
touristischen Highlight zum nächsten (von einer Verkaufsbude zur nächsten),
nur auf eine richtig schwimmende Insel gelangt man so nicht.
Wenigstens
einmal ergab sich die Gelegenheit, etwas sinnvolles zu tun. Wir spielten
so lange mit einem Insulanerjungen Fußball, bis der Rest mit Shopping
fertig war und dem Burschen wie auch uns die Zunge zu Hals heraus hing.
20 Minuten Fußball auf 3820 m Höhe fordern halt ihren Tribut.
Das Gefühl Insel wird dem herkömmlichen
Besucher an einem an einen Tourimarkt angebauten Stück Insel standardmäßig
vermittelt. Glücklicherweise trieb eine richtige Insel grad herum
und gegen etwas Bakschisch war dann auch der Bootsbesitzer bereit, dort
einen 'special stop' einzulegen. Das Gefühl, auf einem 'frei treibenden
und schwankenden Stück Land' herumzulaufen, ist dann wirklich etwas
besonderes. Die Inseln bestehen ja schließlich nur aus übereinandergelegtem
Schilf, wo des öfteren oben eine neue Lage draufkommt, um das, was
unten weggefault ist zu ersetzen.
Der Nachtbus brachte uns dann nach Cuzco
(3300 m), der alten Inka-Hauptstadt. Hier zieht es alle Peru-Touristen
hin. Einerseits ist es der Startpunkt, um nach Machu Picchu zu kommen,
andererseits bietet die Stadt selber genügend Sehenswürdigkeiten,
die es zu erkunden gibt.
Wir beschäftigten uns erstmal mit letzterem
und begannen die Stadt zu erkunden. In den oberhalb der Stadt gelegenen
Inka-Ruinen von Sacsayhuaman waren die Vorbereitungen für Silvester
in vollem Gange. Gern hätten wir die Feierlichkeiten erlebt. Beim
Ablaufen der Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt wurde eines schnellklar
- es ist Regenzeit. Nachts schneite es in den höheren, die Stadt umgebenden
Lagen dann sogar.
Am nächsten Tag stand für uns das
an, was all die tun, die es nach Cuzco zieht - die Besichtigung von Machu
Picchu. Das kann auf verschiedene Art und Weise erfolgen: Wer die Zeit
hat, der sollte auf einem der alten Inka- Wege hinwandern. Es lohnt sich.
Die Zeit hatten wir nicht und sind mit dem Zug gefahren. Die dritte Möglichkeit
soll hier wenigstens erwähnt werden - Einschweben mit dem Hubschrauber.
Wer es braucht und das Kleingeld dafür hat ...
Der Zug fährt die 110 km nach Machu
Picchu in 3½ Stunden. In vier Kehren zickzackt er sich aus der Stadt
heraus nach oben, um dann entlang des Rio Urubamba weiter zu fahren. Diese
Zugfahrt ist ein Erlebnis. Vom Bahnhof in Aguas Calientes geht es dann
noch mit dem Bus in die 1911 wiederendeckte Inka-Stadt. Die Stadt hier
zu beschreiben, bringt nicht viel. Wen es interessiert, der muß selber
hinfahren. Und wer einmal da ist, der sollte zwei kleine Wanderungen unternehmen
- zur Puente Inca und auf den Huayna Picchu (das ist der Postkartenberg).
Der Rückweg nach Aguas Calientes ist bequem zu Fuß möglich
- es geht ja nur bergab und Bewegung tut gut.
Und dann war Heiligabend. Die gewünschten
Busse fuhren nicht, und wir hingen in Cuzco fest. Etwas besseres hätte
uns nicht passieren können. Tagsüber prägt ein buter Markt
den Plaza de Armas
und der heilige Abend wird dort gefeiert, wie hier Silvester. Wir brachten
eine Bar um ihren Vorrat an Pisco Sour. Aber vorher kam noch das Festessen,
das im Nachhinein den Ärger manches Mitbürgers und mancher Mitbürgerin
heraufbeschwor. Es gab cuy - oder einfacher - Meerschwein (breit gekloppt
und gebraten) und schmeckt vorzüglich. Man muß bloß abkönnen,
daß sowohl Kopf (fast vollständig!) als auch Krallen noch dran
sind. Der Anblick vom Teller des gegenüber - ein gebrutzelter Kopf
mit Grinszahn
- ist auch Gewöhnungssache. Später haben wir dann noch Strassenhändler
gesehen, die die Tiere am Spieß gebacken und sackweise verkauften
- nichts außergewöhnliches also!
Völlig übermüdet verließen
wir Cuzco am folgenden Morgen. Wir vertrauten uns
Expresso Wari
an. Die Fahrt jedoch sollte die eigentlich schlimmste der gesamten Reise
werden. Der Bus war ok, die Buscrew aber das Letzte. Eigentlich hatten
wir vor, mit dem Bus via Ayacucho nach Huancayo zu fahren. Von dort sollte
es mit der kürzlich wiedereröffneten Eisenbahn nach Lima gehen.
Als problematisch erwies sich der Versuch in Cuzco über diese Linie
Informationen zu erhalten. Am Ende wußten wir soviel als wie zuvor.
Der Zug fährt manchmal, manchmal aber auch nicht. In Lima fanden heraus,
daß er grad mal nicht fuhr. Den Auschlag zur Routenänderung
gab aber der teilweise schlechte Strassenzustand.
Expresso Wari transportierte uns nun
nach Nazca. Für die Abschnitte mit schlechter Strasse kann keiner
etwas, aber solch unfreundliche Angestellte waren einmalig. Der Höhepunkt
war, als in Nazca ein Rucksack nicht da war. Den Boy störte das überhaupt
nicht. Wir durchsuchten schließlich selber das Gepäckfach des
Busses solange, bis wir fündig wurden. Selbstbedienung wäre da
ohne Einschränkung möglich gewesen. Wenigstens hat die Landschaft
entschädigt, und die Strecke führt durch vom Tourismus fast unberüherte
Landstriche.
In Nazca taten wir dann etwas, was man besser
lassen sollte. Der Bus kippte uns um 4:00 früh aus. Und wir wußten
nichts mit der Zeit bis zum Hellwerden anzufangen. Expresso Wari hält
ja auch nicht dort, wo alle anderen Busgesellschaften stoppen, sondern
zwei Kilometer davon entfernt. Warum auch? Wir liefen dann zusammen mit
einem einheimischen KFZ-Mechaniker in die Stadt. Wer sein Leben liebt,
sollte von solchen Aktionen besser lassen. Zumindest hagelte es später
von Seiten der Einheimischen Vorwürfe.
Die Hauptattraktion von Nazca sind die in den Wüstenboden geschnittenen
Linien und Figuren. Rundflüge werden überall angeboten und es
lohnt sich. Die Figuren sind aus der Luft phantastisch zu erkennen, vom
Aussichtsturm hingegen sieht man davon nicht viel. Auch das Erlebnis 6-sitzige
Cessna ist ein interessantes. Es macht schon Spaß, wenn der Pilot
in engen Kurven über den Figuren kreist. Hierbei stellt sich auch
heraus, ob das Frühstück richtig gewählt war...
Peru, der Norden
Die Strecke von Nazca nach Lima führt
durch die von Oasentälern durchzogene Wüste, vorbei an Masthühnerfarmen
und ist schnell gefahren.
Lima ist keine besonders schöne Stadt.
Die vielen Erdbeben haben ihre Spuren hinterlassen. Der Stadt wird eine
hohe Kriminalitätsrate nachgesagt. Wer keinen gewichtigen Grund hat,
dort übernachten zu wollen, der sollte besser nach in die Vorstadt
Miraflores fahren. Das ist ein Vorort, man könnte auch Nobelviertel
dazu sagen, aber erheblich sicherer und sauberer.
Ansonsten ist Miraflores wahrscheinlich der
teuerste Flecken in Peru - also nichts zum länger bleiben. Einen Tag
nutzen wir noch für einen Ausflug nach Lima. Die Museen hatten zu
(es war eben Montag), und die Kirchen und Klöster waren schnell besichtigt.
Das was wir auf dem Weg vom Zentrum zum Busterminal sahen, war keine Besichtigung
wert - einfach heruntergekommen. Aber wir erwarben Ortskenntnisse für
die Taxifahrt am folgenden Morgen.
Interessant war die Taxifahrt zum Busterminal
in Lima. Der Fahrer war froh sein Englisch wieder mal benutzen zu können.
Er hatte viele Jahre in Miami gelebt und vor einem Jahr den seiner Meinung
nach großen Fehler gemacht, nach Lima zurückzukehren. Nun arbeitete
er grad als Taxifahrer - und so waren seine Ortskenntnisse von Lima. Wenn
grad kein anderes Taxi in der Nähe war, wo er nach dem Weg fragen
konnte, sprangen wir in die Bresche und lotsten ihn zum Ziel. Der Mann
war gut drauf ...
Der letzte Stop in Peru sollte Trujillo sein. Die Stadt ist relativ unbekannt
und jeder der dort einfach durchfährt, der verpaßt eine wunderschöne
Altstadt. Die Stadt war sauber und wir hatten auch nachts keine Angst durch
die Straßen zu spazieren. Es war ein völlig neues Gesicht von
Peru. Der eigentliche Beweggrund dort zu halten, sind die Ruinen von Chan
Chan. Diese Stadt gilt als die größte? aus Lehmziegeln gebaute
Stadt der Welt. Normalerweise gehörte sie nach Mesapotamien. Die Stadt
ist von 9 m hohen Umgrenzungsmauern umgeben. Die Stätte ist nicht
uninteressanter als Machu Picchu, aber eben fast unbekannt. Desweiteren
gibt es noch zwei Pyramiden vor den Toren von Trujillo. Die größere
der Beiden ist für die Öffentlichkeit unzugänglich. Bei
der kleineren hat man vor 10 Jahren mit Ausgrabungen angefangen. Was zum
Vorschein kam, lohnt den Weg.
In Trujillo konnten wir unsere Bonbons aus
Puno nun mit einer Methode einsetzen, die auch die Peruaner zum schmunzeln
brachte. Die Bettelkinder rennen mit einer Bonbontüte rum und verkaufen
die Bonbons einzeln. Da unsererseits kein Interesse an Süßigkeiten
bestand und das Gebettel irgendwann nervt, verteilten wir nun unsererseits
Süßes. Darauf war keiner vorbereitet und wir hatten unsere Ruhe.
Von Trujillo benötigt der Bus 6 Stunden
bis Piura. Dort gabelt sich die Route. Entweder man bleibt im Bus und fährt
an der Küste entlang nach Tumbes und von da weiter nach Ecuador oder
per Sammeltaxi auf der Panamericana landeinwärts nach La Tina an die
Grenze. Die Taxistation befindet sich in der dunkelsten, aber von einer
Polizeiwache beaufsichtigten, Ecke von Piura. Dahin gelangt man per Tricycletta.
Und zum Frühstück gibt es interessante geleeartige Sachen...
Ecuador
Nach dem Wecken des peruanischen Grenzbeamten
(es war ja erst 7:00!), verliefen die Aus- und Einreiseformalitäten
problemlos. - Endlich Frühstück auf dem Markt von Macará.
Da diese Kleinstadt keinen längeren Aufenthalt wert ist, ging es gleich
mit dem nächsten Bus in 5½ Stunden nach Loja. Da ist zwar auch
nicht viel mehr los, aber die Stadt ist angenehm und irgendwo muß
man ja übernachten. Am nächsten Tag war laut Kalender Silvester
und wir erreichten Cuenca. Das ist die drittgrößte Stadt Ecuadors.
Am Nachmittag fingen die Leute an, Straßenbarrikaden zu errichten
und Ungetüme zum Erzeugen von Musik aufzustellen. Das sah alles gewaltiger
aus, als es dann am Abend war. Als wir die Bilder aus Cuzco bei CNN gesehen
hatten, ärgerten wir uns doch ein wenig, dort nicht dabei zu sein.
Das Abendessen war dafür erste Qualität.
Es dürte eines der teuersten Restaurants der Stadt gewesen sein, wo
wir eingekehrt waren. So nobel hatte keiner von uns je zuvor gespeißt
und in Deutschland hätte man für das Geld einen Döner mit
Cola bekommen. Mitternacht haben wir dann in den Strassen erlebt. An einigen
Stellen (die mit den großen Lautsprechern) war dann wenigsten Party.
Ansonsten herrscht der Brauch vor, große Puppen zu verbrennen, um
das Schlechte und die Sorgen des alten Jahres abzuschütteln. Manche
Puppe wieß verblüffende Ähnlichkeit mit dem (nun Ex-) Präsidenten
Mahuad auf! Und so brannte die halbe Stadt.
Neujahr nutzten wir zu einer kleinen Besichtigung
von Cuenca genutzt. Die koloniale Altstadt lädt auch dazu ein. Das
wichtigste aber stellte der Y2K-Check von T's vernetzten Tierchen in DD
dar.
Von Cuenca fuhren wir weiter nach Riobamba.
Der erste Eindruck war grausam. Es sah aus wie in der Abfüllanlage
einer Zementfabrik. Der Vulkan Tungurahua meinte Asche über der Gegend
verteilen zu müssen. Die Luft war voller feiner Vulkanasche, und der
kroch überall hin. Der Versuch eine Eruption am Abend zu sehen, endete
leider mit einem Mißerfolg.
Aber der eigentliche Grund nach Riobamba
zu kommen bestand in dem Wunsch, einen Berg zu erklettern. Und weil sich
nichts höheres finden ließ, sollte es der Chimborazo sein. Der
ist 6310 m hoch, und wir waren ja gut akklimatisiert, dachten wir....
Wenigstens waren wir noch so vernünftig,
uns einen Führer zu leisten. Das kostete zwar Geld, aber das war es
auch Wert. Außerdem bekamen wir die notwendige Ausrüstung gestellt.
Das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Denn im Gegensatz zu
Geldwechslern, stehen Steigeisenverleiher nicht an jeder Straßenecke
rum. Auf dem Berg liegt Schnee, und der Gipfel ist vergletschert. Die Teile
sind also notwendig. Von uns hatte so etwas noch keiner an den Füßen
gehabt.
Nachdem uns ein Jeep zur ersten Hütte
bei 4800 m gebracht hatte, liefen wir zur zweiten bei 4900 oder 5000 m.
Bis dahin war alles noch kein Problem. Dann hat uns der Guide erstmal eine
Steigeisenübung verordnet. Hierbei machte sich die doch etwas dünne
Luft zum ersten Mal bemerkbar.
Der Aufstieg zum Gipfel sollte um 23:00 Uhr beginnen, so daß noch Zeit
zum Schlafen blieb. Aber die Zeit allein nützt nicht viel, wenn man
einfach nicht schlafen kann. Im Gegensatz zum Nachmittag war der Puls hoch
und Unwohlsein stellte sich im Liegen ein. Das setzte sich dann beim Aufstieg
fort. Als wir die erste Gletscherstufe auf 5600 m hochgestapft waren, war
bei mir Schluß (T.). Es ging nicht mehr. Vor solchen Touren sollte
man ein paar niedrigere Gipfel (um die 5000) ersteigen und/oder sich ein
paar Tage vor dem Aufstieg in dieser Höhe aufhalten. Was wir taten,
war maßlose Selbstüberschätzung.
Der Weg zurück wurde abenteuerlich.
Glücklicherweise waren wir angeseilt und gesichert. Dieser Umstand
verhinderte schlimmeres. Eine meiner Crampones löste sich, ich verlor
den Halt und rutschte zu Tale (M.). In einem solchen Fall verlagert man
sein Gewicht auf das Steigeisen und drückt es ins Eis. Das bremst
dann und man hat wieder Halt. Soweit die Theorie. Leider funktioniert das
bei blankem, hartgefrorenem Eis nicht. Da bleibt nur - als nasser Sack
- unterm Kreuz des Südens - hilflos am Seil zu hängen. T. Probierte
das auch gleich noch aus, worauf M. nochmals weiterrutschte.
So einen halb bestiegenen Berg kann man nicht
stehen lassen. Ein neuer Versuch nach ordentlicher Vorbereitung wird wohl
stattfinden.
Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Zug
von Riobamba nach Alausi. Die Eisenbahn führt normalerweise weiter
bis Duran, einem Vorort von Guayaquil. Seit dem letzten El Niño
ist sie jedoch außer Betrieb. Der Gerüchteküche nach, soll
sie wieder aufgebaut werden. Da die Einheimischen lieber Bus fahren (da
schneller), ist der Zug zu einer Touristenattraktion geworden. Das nimmt
dann teilweise drastische Ausmaße an. Das sich die Backpacker auf
den Dächern der Güterwagen drängeln und dort Kissen verteilt
werden, darüber kann man noch schmunzeln. Wenn aber irgendwelche Reisegesellschaften
ganze Waggons zu ihrem Eigentum erklären, und Leute, die kein Wort
Spanisch können auf die Lok verfrachtet werden, dann hört der
Spaß auf.
Die Strecke entschädigt für diese Begleitumstände. Irgendwann
hielt der Zug an, weil erstmal ein Erdrutsch vom Gleis zu schieben war.
Kurz darauf regnete es mal so große Steine auf das Waggondach. Das
blieb glücklicherweise ohne negative Folgen. Auch die Gelegenheit
auf dem Dach mitfahren zu können, hat man in dieser Welt auch nicht
mehr allzu häufig. Hinter Alausi fuhr der Zug dann zur Nariz del Diablo,
einer großen Kehre an einem nasenförmigen Felsen. Nachdem diese
durchfahren war, waren auf 100 km 1000 Höhenmeter überwunden.
Der Zug wurde gedreht und fuhr bis Alausi zurück, wo dann Endstation
war. Von dort nahmen wir den Bus zurück nach Riobamba.
Einen Tag darauf waren die 'Heiligen Drei Könige'. Dieser Tag wird mit großen
Umzügen und allgemeiner Party begangen. Ja, es wurde gar mehr gefeiert
als Silvester.
Dann war die Zeit gekommen zu unser letzten
Station dieser Reise zu fahren. Vier Stunden Bus galt es bis Quito zu überstehen.
Über die Hauptstadt Ecuadors kann man sicher vortrefflich streiten,
unsere Meinungen sind entgegengesetzt. Die Altstadt ist nur im Hellen betretbar,
die Neustadt soll angeblich auch nachts sicher sein. Unser Hotel war ruhig
und verkehrsgünstig gelegen. Zumindest hatten wir diesen Eindruck
am Nachmittag der Ankunft. Am Abend ist die Stadt wie ausgestorben. Wer
sein Leben liebt, der nimmt überallhin ein Taxi. Dummerweise war das
Nachbarbebäude ein kleines Haus mit eigentlich unscheinbaren roten
Gardinen. Nach Einbruch der Dunkelheit langweilten sich dann ein paar Damen
an der Straßenecke - die Beschützer unauffällig in der
Nähe. In Ecuador wird so etwas Cabaret genannt. Kein schönes
Gefühl da am Abend langzugehen. Unser großer Ballast-Pflasterstein
wirkte aber nicht so einladend auf die schweren Jungs, und so schmückt
er nun den Vorgarten des Hotels.
Ansonsten war Quito noch dazu zu gebrauchen,
daß Äquator-Denkmal zu besuchen und dem deutschen Bekleidungs-
und Rumhandel eine Umsatzeinbuße zu bescheren.
Wenn man Abend ausgehen will, hat man die
Wahl. Es gibt Kneipen für Touristen und solche (weiter abgelegen)
die für die Einheimischen - ...picante...
Dann war der Tag gekommen, wo wir sagen mußten:
Es war schön, aber da ist ein Ticket mit einem Datum drauf und das
ist heute.
Der Rückflug
Wir besaßen ein Iberia-Ticket, folglich
war ein Abenteuer zu erwarten. Zunächst sah es so aus, als ob alles
nach (Flug-)Plan verliefe. Die Maschine kam pünktlich aus Madrid,
und das Boarding begann zur vorgesehenen Zeit. Dann passierte einfach eine
Stunde nichts. Und anschließend hieß es: Alle aussteigen! Der
Grund - Technische Probleme. Nach einer reichlichen Stunde im Transitraum
- man hatte grad angefangen, einen Imbiß auszuteilen - begann das
Re-Boarding. Als alle saßen, näherten wir uns der dritten Stunde.
Der Buschfunk meinte, es gab Probleme mit der Füllstandsanzeige. Folglich
war das Warten einzusehen. Die Maschine flog dann nach Guayaquil und weiter
nach MADrid. Beim Start fielen zuerst das Licht und dann noch das Videosystem
aus. Das hatte keine Folgen. Es handelt sich um Schönheitsfehler.
Nicht so schön aber war die Anzeigetafel in MADrid. Unser Anschluß
nach Frankfurt war weg. Der Versuch, die IB zu überreden, uns eine
Nacht in MAD zu spendieren, ging leider schief - da existierte ja noch
eine Maschine am Abend... . Abzusehen war, daß wir den Nachtzug nach
DD so nie erreichen würden. Aber da gab es noch die Lufthansa. Die
erklärte sich bereit, uns mit unseren Billigtickets der IB trotzdem
mitzunehmen. Wir teilten uns. T. Besorgte die Tickets und der andere tauchte
ab, nach dem Gepäck zu suchen. Ja, irgendwann hatten wir alle Papiere
- Passenger Transfer Receipt, Boardingcards bis FRA, Tickets und Boardingcards
bis Dresden, doch wo war das Gepäck. Das befand sich irgendwo in den
Katakomben von Barajas. Das magische Band trägt hier die Nummer 9.
Nach einem längeren Schwall spanischen Teilsatzbrocken, bemühte
sich die freundlich junge Angestellte auch intensiv um das Gepäck.
So gesehen machte die Gepäcksuche Spaß... doch mit Zeitdruck
im Nacken... . Beim Erreichen des Gates befand sich das Flugzeug zwei Meter
von diesem entfernt. Der Slot war wichtiger! ... 5..10 Minuten fehlten
am Ende. Doch nun hatten wir ja das Gepäck. Der Rest jedoch war rückgängig
zu machen.
Es blieb die Abendmaschine der IB nach FRAnkfurt.
Dort angekommen spurteten wir zum Bahnhof. Die letzte S-Bahn, die uns pünktlich
zum Nachtzug gebracht hätte, schloß genau in dem Moment die
Türen, als wir den unteren Teil der Rolltreppe erreichten. Dann fuhr
sie ab.
Nun war in Frankfurt grad irgend eine Messe.
Das bedeutet: Mietwagen sind knapp. Wir müssen schließlich so
leidend ausgesehen haben, daß sich bei Sixt schließlich doch
noch ein Wagen fand. Fünf Stunden später, früh um halb fünf
erreichten wir Dresden und pünktlich, 07:30 Uhr, den Hülßebau.
Noch ein paar Gedanken
Was wir gemacht haben, sollte nicht wiederholt
werden. Wir haben viel gesehen, aber in der kurzen Zeit muß man einfach
auch sehr viel übersehen. Die Zeit reicht nicht, alles anzuschauen.
Die Alternative ist: Jede zweite oder dritte Nacht im Bus zu verbringen.
Wer vier Wochen zur Verfügung hat,
sollte sich auf ein oder zwei Länder beschränken. Es bringt einfach
mehr ein. Zum Beispiel wären wir gern nach Galapagos gefahren. Doch
dafür sollte mindestens eine Woche zur Verfügung stehen. Es gibt
dort viel zu sehen, und Flug, Nationalparkeintritt und Bootsfahrt kosten
wirklich Geld. Diese Zeit fehlte einfach!
Etwas anderes betraf die aktuell polit-ökonomische
Lage in Ecudor. Während unseres Aufenthaltes von zwei Wochen verlor
die Landeswährung ein reichliches Viertel an Wert. Sie sackte gegenüber
dem U$ von 1:19000 auf 1:25000. OK, als Ausländer und Besitzer harter
Währungen kann man sich wohl fühlen und einen Reibach machen.
Für die Einwohner jedoch ist so etwas katastrophal. Der Lohn bleibt
gleich, nur die Preise steigen. Hinzu kommt noch, daß seit Februar
1999 sämtliche Konten eingefroren waren.
Das bedeutet, sämtliche Sparkonten sind unerreichbar - nicht mehr als
Zahlen auf dem Papier. Bemerkenswert ist, daß das auch Kreditkonten
betraf - also man zahlt Kreditzinsen, kommt aber nicht an das Geld! Damals
(Feb.'99) betrug der Wechselkurs zum Dollar 'gar nur' 1:7000. Dann gab/gibt?
es Pläne, die Landeswährung fest an den U$ zu binden. Die Idee
scheint vernünftig, doch was sind denn die Sparkonten noch Wert? Für
Dollarkonten bestand die Absicht, diese bis 3000? U$ freizugeben und den
Rest in (wertlosen) Staatsanleihpapieren.
Kurz vor unserer Abreise gab es schon Proteste,
Demos und Tränengas. Alles gipfelte zwei Wochen nach unserer Rükkehr
in zwei aufeinanderfolgenden Umstürzen. Nun regiert der (Ex-)Vizepräsident...
Als Transportmittel bieten sich wie immer
Busse an, es gibt schöne Eisenbahnstrecken die man nicht versäumen
sollte und manchmal ist der Gedanke an einen Inlandsflug sinnvoll. Erschwinglich
ist er allemal.
Wer Badeurlaub machen will, ist abgesehen
von Ecuador fehl am Platze. Das gilt auch für Galapagos (18°C)!Dort,
wo es Strand gibt, ist das Wasser kalt (Humboldt-Strom).
Ohne spanische Sprachkenntnisse, eine solche
Reise versuchen zu wollen, ist nicht zu empfehlen. Englisch können
dort nur sehr wenige, wenn dann in besseren Hotels. Aber spätestens
beim Busfahrer ist Schluß. Derjenige, der die Kultur der Inka trotzdem
erleben will, sollte auf eine der einschlägigen Reiseagenturen zurückgreifen.
Da man eine solche Reise nur einmal macht, darf bzw. sollte dann der Preis
auch nicht abschrecken.
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