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10 Jahre durch die WeltZum Reisen allgemeinNach zehn Jahren des Reisens wird es Zeit, einen Rückblick zu halten. Es ist der Versuch einige Gedanken niederzuschreiben. Die Idee dazu kam mir, als ich merkte, dass ich mittlerweile mit der selben Selbstverständlichkeit nach Guatemala gefahren war, wie andere an die Ostsee.Wenn ich auf die Weltkarte schaue, dann überkommt mich das Gefühl doch schon eine Menge gesehen zu haben. Nach Afrika möchte ich nicht, keine Ahnung warum. Es ist einfach nur so ein Gefühl. Ich habe eigentlich alles gesehen, was ich sehen wollte und Sachen erlebt, die einigen einen kalten Schauer den Rücken runter laufen ließen und andere dazu animiert hatten, auch einmal so was erleben zu wollen. Es gab sehr viele schöne Momente, öfter mal etwas Frust, weil mal wieder etwas nicht klappte und auch Momente der Angst. Wer es sich zutraut, dem kann ich nur raten, es selber einmal zu versuchen so zu reisen. Es muss ja nicht gleich nach Indien gehen. Man erlebt ein Land viel intensiver, als wenn man ständig mit der gleichen Reisegruppe unterwegs ist. Es gibt genug Einsteigerländer um als Backpacker durch die Gegend zu fahren. Für den, der im Urlaub seine Ruhe haben will, ist diese Art des Reisens nichts. Die Zeiten, in denen ich doch etwas von oben auf Pauschalreisende geguckt hatte, sind vorbei. Natürlich konnte ich mir nie ein kleines Lächeln verkneifen, wenn ich sah, wie eine Reisegruppe durch die Maya-Ruinen getrieben wurde. Mir ist aber bewusst geworden, dass es für viele die einzige Möglichkeit ist, diese fremden Länder zu erleben. Und für einige gehört auch dazu schon viel Überwindung. Oft genug gibt es die Sprachbarriere. In abgelegenen Gebieten geht es oft nur noch in der Landessprache. Wenn man Glück hat, findet man jemanden der Englisch spricht. Die Transportmittel sind oft ein Abenteuer und manchmal ist es ein weiteres, den Transport überhaupt zu organisieren. Eine andere Hürde kann es sein, dass man am Morgen nicht weiß, wo man am Abend schläft. Für mich war dies nie ein Problem. Wer auf die Frage, ob er mit dieser Unsicherheit leben kann, mit Nein antwortet, für den ist diese Art zu reisen, wohl kein Urlaub. Auch bewusst sein muss man sich über das zu erwartende Klima. Oft genug landete ich in Hotels ohne Klimaanlage. Es gab keinen Reiseleiter, bei dem ich mich beschweren konnte, weil es in der Nacht 27 Grad im Zimmer waren. Medizinische Versorgung ist fast überall vorhanden, aber auch hier gilt: Man muss sich selber kümmern und im Extremfall mit dem Wörterbuch. Einen Grund nicht mit dem Rucksack zu reisen, lasse ich nicht gelten: Angst. Die Länder in der sogenannten Dritten Welt sind nicht gefährlicher als deutsche Autobahnen. Es gibt Regeln der Vorsicht. Wenn man sich an die hält, dann sollte eigentlich auch alles gut gehen. Ich hatte mit der Zeit das Gefühl dafür entwickelt zu merken, wenn es brenzlig wurde. Solche Situationen sind unvermeidlich. Man darf einfach nicht in Panik geraten. Leicht gesagt, ich weiß ... VorwärtskommenSehr oft war einfach nur der Weg das Ziel. Es ging meist nie darum irgendwo lange zu bleiben. Um von einem Ort zum anderen zu kommen, habe ich wohl alles benutzt, was man sich wohl denken kann.AutoEin Zitat aus dem Geo Special Argentinien, was eigentlich für alle Länder gilt, beschreibt das Verkehrsgeschehen sehr treffend:Vorfahrt: Vergessen Sie die sonst allgemein gültige Regel "rechts vor links". An Kreuzungen gilt folgende Hackordnung: zuerst die heranpreschenden Colectivos, die dröhnenden, gewaltig rußenden Busse, dann die Taxen, alte Ami-Kreuzer vor Neuwagen. Furchtlose vor Ängstlichen, Männer vor Frauen. Das in Argentinien durchaus verbreitete Kavaliersverhalten der Machos endet hinter dem Steuer. Verlierer in diesem Kreuzungsnahkampf, sind wie überall im südamerikanischen Straßenverkehr, die völlig rechtlosen Fußgänger, die von Autofahrern wie Freiwild gejagt werden. Überholen: Argentinische Autofahrer benutzen kaum Rückspiegel. Jeder vertraut darauf, dass der hinter ihm Fahrende schon aufpasst. Das funktioniert erstaunlich gut, man muss sich nur darauf einstellen. Hindernisse: Wenn der Fahrende vor Ihnen abrupt das Steuer herumreißt - folgen Sie ihm! Auch wenn eine Strasse auf den ersten Blick intakt erscheint, man weiß nie ... So manche Fahrt endete schon in einem metertiefen Schlagloch. Mit dem eigenen Auto bin ich drei Mal unterwegs gewesen. Zum Eingewöhnen war es die USA. Wer das Autofahren liebt, gerne lange Strecke in Ruhe zurücklegt, der wird sich dort wohlfühlen. Keiner drängelt, Raserei ist verpönt und traumhaft schöne Natur lassen dieses Land zu einem Erlebnis werden. Am Anfang ist man noch über die gigantischen Kreuzungskonstruktionen der Highways erstaunt, woran man sich aber schnell gewöhnt. Mit dem Mietwagen sind wir 6 Wochen eine große Runde durch die USA gefahren und haben kurz Kanada gestreift. Es ging durch die Everglades in Florida und über eine Stafette von Brücken nach Key West. Wir haben die trostlosen Gegenden von Texas durchquert, durch die Highways manchmal kilometerlang ohne irgendeine Kurve führten. Dann waren da wieder die Serpentinen auf den kleinen Strassen, die durch die Nationalparks führten. Wir haben uns durch Städte wie New York gekämpft und sind in San Francisco über die Golden Gate Bridge gefahren.
Ein letztes Mal ging es mit einem eigenen Auto los. Eigentlich sollte es von Los Angeles nach Buenos Aires gehen. Es war das erste Mal, dass ich tiefer in Mittelamerika eintauchen wollte. Das wir die Routenplanung später ändern mussten, war für uns damals ärgerlich. Im nachhinein war ich den Mexikanischen Grenzbeamten dafür dankbar. Wir wären nie in Buenos Aires angekommen. In Mexiko waren sehr schnell alle Regeln für den Straßenverkehr aufgehoben. Geschwindigkeitsbeschränkungen gab es nicht mehr. Jeder fuhr so schnell er konnte und was die Strasse hergab. Die einzigen wirkungsvollen Bremsen waren die in Lateinamerika üblichen Huckel quer zu Fahrtrichtung. In manchen Ortschaften sind diese alle 100 m, wohl die einzige Chance etwas Langsamkeit in den Verkehr zu bringen.
Die Strassen waren damals in einem kaum befahrbaren Zustand. Acht Stunden haben wir für die 200 km auf dem Peten Highway gebraucht. Heute ist er fast durchgängig asphaltiert. Vorher war uns auf dem Weg von Belize nach Tikal der Auspuff abgefallen. Die Strasse war so schlecht, dass wir es nicht einmal gemerkt hatten. Wir fuhren durch die Wüsten im Norden von Mexiko, kämpften uns durch das Chaos von Mexico City. Es ging durch die Sierra Madre und später durch das Bergland von Chiapas. In Guatemala fuhren wir durch den Regenwald, der heute längst Bananenplantagen gewichen ist. Es gab Situationen, wo es einfach nicht mehr weiterging, weil die Strasse zu schlecht war. Manchmal versperrte ein Erdrutsch die Strasse oder es waren einfach nur aufgebrachte Bauern, die Erdwälle aufgeschüttet hatten. Dann waren da noch die völlig überteuerten mexikanischen Autobahnen, die wir wenn es ging, versuchten nicht zu benutzen. Was wir damals wirklich lernten, war der Umgang mit der Bürokratie. Zwei Stunden für einen Grenzübertritt waren ein Minimum. Es waren Situationen wo wir nicht mehr wussten, ob wir lachen oder weinen sollten. Man wurde von Pontius zu Pilatus geschickt um irgendein Formular zu holen. Ich fühlte mich an Asterix Reise nach Rom erinnert und hätte wahrscheinlich einen Lachkrampf bekommen, wenn wirklich jemand den Passierschein A38 gefordert hätte. Da gab es dann Leute, die ich jetzt mal als Schleußer bezeichne. Für ein geringes Entgeld erledigten sie alle Formularitäten. Man musste ihnen bloß folgen und dem jeweiligen Beamten seinen Obolus bezahlen, der dann auch prompt in der Hemdtasche verschwand. Eine Quittung gab es fast nie. Irgendwann hatte man einen dicken Packen Formulare in der Hand, pappten irgendwelche Aufkleber an der Frontscheibe und im Pass war wieder eine Seite vollgestempelt. In Mexico City war es richtig ärgerlich. Wir waren am falschen Tag mit dem falschen Nummernschild unterwegs und sollten dafür eine stattliche Summe bezahlen. Die endlosen Diskussionen, das Schmieren der Polizeibeamten, ich werde es wohl nie vergessen. (Mini-)/BusBusse waren das Verkehrsmittel, welches ich am meisten nutze. Eisenbahnen gab es oft nicht. Und was da alles zusammen kam. Vom Luxusbus in Brasilien mit Liegesitzen auf gut ausgebauten Strassen bis zum überfüllten Colectivo in Mitten von Hühnern und Reissäcken in Bolivien . Da waren die alten amerikanischen Schulbusse in Guatemala, deren Fahrer wohl gerne einmal Rennfahrer geworden wären.Ich habe nie versucht die Kilometer zusammenzurechnen, die ich im Bus verbracht hatte. Die längste Strecke war von Iguazu im Nordosten Argentiniens nach Salta in den Anden. 36 Stunden bin ich gefahren. Wie viele Kilometer bin ich durch Brasilien gefahren? Ich weiß es wirklich nicht mehr. Oder durch das Hochland der Anden, der Küste von Peru, manchmal war es fast ein Drittel des Urlaubs, den ich im Bus verbrachte. Ein Mensch den ich unterwegs traf erzählte eine Geschichte, wo der Linienbus in den Serpentinen bei der Einfahrt nach Guatemala City die Camel Trophy überholte und alle Passagiere den Fahrer anfeuerten. In Indien, auf der Fahrt von Bombay nach Goa, war der Fahrer nur noch durch die Drohung mit der Polizei zu einer weniger lebensgefährlichen Fahrweise zu bewegen. Und dabei sind eigentlich Inder freundlich. Es gibt manchmal kein Abblendlicht, also wird beim Herannahen des Gegenverkehrs einfach das Licht ausgeschaltet, allerdings auch im Gebirge. Vielleicht hat der Mensch ja recht, der behauptete, dass es in Indien ein Massensterben geben wird, wenn dort die Strassen ordentlich ausgebaut sind. Ein Eindruck bekam ich jedenfalls bei der Fahrt von Delhi nach Jaipur. Die Strasse war vierspurig und in einem ordentlich Zustand, alle 10 km war ein Unfall.
Da gab es die Busse in Bolivien, die sich nachts über wirklich üble Pisten quälten. Da nützte es auch nichts, wenn man einen ordentlichen Bus erwischt hatte. Schlafen auf einer Nachtfahrt war nahezu unmöglich. Manchmal ging es über Strassen, wo es eigentlich nur eine Spur gab, rechts die Felswand und links ein Abgrund war. Ein anderes Mal mussten die Passagiere den Bus aus dem Dreck herausschieben. Mal hatte man viel Platz, konnte schlafen, ein anderes Mal wurden 8 Leute auf eine Sitzreihe gequetscht, die eigentlich für 5 Kinder gedacht war. Das Gepäck wurde in völlig verdreckten Fächern oder gleich auf dem Dach transportiert. Es gab die alten klappernden Linienbusse in Vietnam, mit denen ich durchs Mekong-Delta fuhr, wo man sich den wenigen vorhandenen Platz mit Reissäcken und allem möglichen Zeug teilte, was zum Markt musste oder von da kam.
Es gab die Postbusse in Island, die manchmal der einzige Platz waren, wo man sich aufwärmen konnte. Dann waren da noch die unterschiedlichsten Gefährte, die den lokalen Transport übernahmen. Unbeschreiblich was da so alles rumfuhr. Die grottenalten Teile in Vietnam hatte ich ja schon erwähnt. Ansonsten bestachen die Busfahrer meist durch ihre vielleicht nicht besonders vorsichtige Fahrweise. Brasilianische Formel-1 Fahrer müssen früher Busfahrer in Rio gewesen sein. Dieser Fahrstil war einzigartig. Wettrennen in der Stadt waren an der Tagesordnung; es gab nur zwei Zustände: Vollgas und Vollbremsung. In Guatemala City hatte ich das einzige Mal richtig Angst. Das letzte Geld hatten wir am Abend in Bier konvertiert und es blieb nur noch die Möglichkeit mit dem Bus zum Flughafen zu kommen. Das Ding war eigentlich schon völlig überfüllt, als es ankam. Als der Bus weiterfuhr, hatte der Fahrer meinen Rucksack auf dem Schoss, ich hing mit einer Hand am Spiegel, mit der anderen am Türrahmen und hinter mir hingen noch zwei Leute. Ohne Rücksicht auf Verluste raste der Fahrer durch die Stadt und machte riskante Überholmanöver. Der wohl lustigste Beförderungsfall wurde in Acapulco eingeladen. Der Stadtbus hielt an, ein Mann stieg ein und in seinem Schlepptau ein 2m langer Fisch, der von einer zweiten Personen durch die Tür geschoben wurde. Den Fisch ließen sie in der Mitte des Busses fallen und holten noch ein zweites etwas kleineres Exemplar rein. Es gab den Stadtbus in Lima, der mich einmal fast den Rückflug gekostet hatte. Das Geld fürs Taxi war wie üblich weg und ich nahm den Bus zum Flughafen. Der machte eine Stadtrundfahrt und warf mich, als er seine größte Annäherung an den Flughafen erreicht hatte, 2 km davor raus. Da hatte ich dann noch 40 Minuten bis Abflug, musste die Departure-Tax bezahlen und einchecken. Es war reichlich eng geworden. Indische Busse sind auch ein Kapitel für sich. Manchmal hielt sie bloß noch der Rost zusammen und es war Fahrspaß pur da mitzufahren, allerdings nichts für Ängstliche oder Leute mit Platzangst. Womit ich zu dem komme, was man gemeinhin als Colectivo bezeichnet. Das sind eigentlich für 8-10 Leute gebaute kleine Minibusse. Die Rekordbeladung wurde in La Paz mit 14-15 Personen erreicht. Das es da ein wenig eng zuging, versteht sich von selbst. Diese Gerätschaften stammten fast ausschließlich aus dem Südostasiatischen Raum und sind für entsprechende Körpergrößen geschaffen, was ein weiteres Problem für Europäer darstellt. Des weiteren sind die Fahrer fast immer selbstständig. Losgefahren wurde, wenn sich genügend Leute gefunden haben, die mit wollten, aber wenn das Colectivo einmal fuhr, musste es schnell gehen um möglichst bald eine neue Tour machen zu können. Das dies in der Regel nicht in einer besonders sanften Fahrweise endete, versteht sich von selbst. Mit einem solchen Minibus war ich dann auch von La Paz nach Coroico im bolivianischen Tiefland gefahren. Eigentlich war die Strasse so schmal, dass Gegenverkehr praktisch unmöglich war. Auf der einen Straßenseite war der Fels, auf der anderen ein mehrere hundert Meter tiefer Abhang. Ein wenig Nervenkitzel war schon dabei. Mittlerweile ist diese Strasse, abhängig vom Wochentag, nur noch in eine Richtung befahrbar. Es war wohl doch zu viel passiert. Diese Minibusse sind das optimale Fortbewegungsmittel, wenn man sich in Städten bewegen muss und kein Gepäck dabei hat. Es wird fast überall hin gefahren, wo es sich für große Busse nicht lohnt und sie sind preiswert. Als Kontrast dazu gab es die Linienbusse in amerikanischen Großstädten, die selten fuhren und leer waren, weil, wer es sich leisten kann, ein Auto benutzte oder, wo ich es nicht erwartete der O-Bus in Quito. Dort gab es ordentliche Fahrscheine, der Bus hielt nicht irgendwo, sondern an einer Haltestelle (eine Seltenheit) und er war sauber und nicht überfüllt. In Belo Horizonte, in Mitten Brasiliens, trauten wir unseren Augen nicht. Es gab nicht nur Haltestellen, sondern auch Fahrpläne.
Es gab auch die kleinere Variante mit einem Moped als Antrieb. Nicht das es sonderlich bequem war, aber es ging irgendwie vorwärts. Und diese Teile waren wendig. Faszinierend wie sie sich durch das Gewirr um den Connaught Platz in Delhi kämpften oder durch den permanenten Stau von Bangkok. Mit großen Bussen war da kein Durchkommen mehr. Bezeichnend dafür war die Rückfahrt von Koh Samet nach Bangkok. Drei Stunden sollte der Bus brauchen, nach zwei Stunden war er in Bangkok angekommen. Für die restlichen 10 Kilometer bis zum, nicht mal direkt in der Stadt gelegenen Busbahnhof, brauchte er die restliche Stunde. TaxiTaxigeschichte gibt es genügend. Meist fuhr kein Bus oder wir mussten zu oft umsteigen, was teilweise mit einem vollgeladenen Rucksack ein Problem war. Dann wurde auf das Taxi ausgewichen. Taxameter gab es eigentlich fast nie, abgesehen von den USA oder Australien. Also begann jede Fahrt mit einer Diskussion über den Fahrpreis. In der Regel wurde man sich auch immer irgendwie einig. Taxifahrer waren fast immer auch gesprächig. Fast nie konnte man besser Informationen über eine Stadt sammeln, als in einem Gespräch mit dem Fahrer.Als Taxi wurde so ziemlich alles verwendet, was vier Räder und einen Motor hatte. Ich erinnere mich noch an das Auto in Saigon, bei dem das Getriebe kaputt war und der Fahrer zu einer sehr umsichtigen Fahrweise genötigt war um ja an keiner Kreuzung anhalten zu müssen. Oder es gab die alten Ami-Schlitten in Guatemala City, deren beste Tage längst vorüber waren. Da war der Taxifahrer in Lima , der sich erst freute jemanden zu finden, mit dem er wieder englisch reden konnte und sich später von uns den Weg erklären ließ. Meist waren Taxis auch die erste Anlaufstelle, wenn man ein Hotel brauchte. Man nannte einen Preis, den man für ein Hotel bereit war zu bezahlen, der Taxifahrer kümmerte sich dann und kassierte im Hotel eine Provision. Damit waren dann alle glücklich. Wenn es keinen Minibus mehr gab, das Taxi zu teuer war, dann fand sich wie in Vietnam oder in Brasilien ein Moped-Taxi. Ich zolle heute noch den Fahrern dafür Respekt, dass sie mich lebend und meinen Rucksack ohne Absturz von einem Ort zum anderen brachten. Wohl war mir bei diesen Fahrten nie gewesen, aber passiert ist auch nichts. Speziell in Vietnam und Indien gab es dann noch die mit Muskelkraft betriebenen Cyclos. Zum Vorwärtskommen waren sie weniger geeignet, manchmal half ich beim Schieben, als es bergan ging, aber für eine ruhige Stadtrundfahrt war das optimal. Wer in Asien ist, der sollte nicht versäumen, sich ein Moped zu leihen. Für wenig Geld kann man den ganzen Tag die Gegend erkunden. Ich gebe zu, dass mir anfangs der Mut fehlte, mich in das Verkehrsgewühl von Nha Trang in Vietnam selber zu stürzen. Also hatte ich mir kurzerhand einfach ein Fahrrad geborgt und einen Tag geübt. Einen Tag später bin ich dann mit dem Moped los. An jeder Kreuzung gab es ein scheinbar unüberwindliches Knäuel, Vorfahrten zählten nicht. Da jeder aufpasste, passierte auch nichts. Jeder kam heil da an, wo er hin wollte. Später bin ich dann noch öfter mit dem Moped gefahren und habe das nie bereut. ZugZüge waren das Verkehrsmittel welches ich wenn, es möglich war, versuchte zu benutzen. Sie sind fast immer langsamer als Busse, aber meist bequemer. Leider sind viele Eisenbahnen in Südamerika der Privatisierung zum Opfer gefallen und trotzdem habe ich dort wundervolle Erlebnisse gehabt.
Drei Tage fuhr der Zug bis an die chilenische Grenze und zurück. Der Preis dafür war einmal Essen für die Mannschaft. Der Schlafwagen war der Mannschaftswagen, wo alle Betten belegt waren. Ich hatte mir ein paar Decken um einen Hemmschuh als Kopfkissen gewickelt. Der Zug klettert erst auf 4500 m hoch und fährt dann über den Altiplano weiter. Es war einfach zauberhaft, unten war noch alles grün, dann ging es über Viadukte, durch Tunnel, Spitzkehren und am Ende durch die endlose Ödnis von Salzseen. Ich lebte mit der Crew des Zuges, wurde nachts vom rangieren geweckt und hupte die Mulis vom Gleis. Ich weiß nicht, ob es diesen Zug heute noch gibt, bis zum großen Viadukt fährt wohl noch der Touristenzug, aber ob es weitergeht, ich kann es nur hoffen, auch für die Leute die in dieser Einsamkeit nur von und für die Bahn lebten. Es gab einen Geburtstag, oder war Silvester, vielleicht auch beides, den ich im Speisewagen zwischen Oruro in Bolivien und Calama in Chile verbrachte. Der Sand der Wüste auf dem Altiplano zog durch alle Ritzen, es war bitter kalt und die Speisewagenmannschaft am Ende auch nicht mehr ganz nüchtern. Die Wagen waren bolivianisch, praktisch, gut und die Grenzkontrolle bei der Einreise nach Chile dauerte vier Stunden. Nach einem Tag waren wir dann angekommen. Auch diese Fahrt hätte ich jederzeit ein zweites Mal unternommen.
Wie auf die Strecke von Cusco nach Machu Pichu wird eine andere Eisenbahnstrecke durch eine einzigartige Lage gerettet, wenigstens vorläufig, es gibt einfach keine Strasse. Die Eisenbahn fährt von Quijarro an der Brasilianisch-/Bolivianischen Grenze nach Santa Cruz. 18 Stunden dauerte die Fahrt durch das Tiefland von Bolivien. Eventuell hätte ich auf einer zweiten Fahrt mit diesem Zug, dann die zweite Klasse genommen um das Leben wirklich in vollen Zügen genießen zu können. Und was wäre Indien ohne seine Eisenbahn. Praktisch der gesamte Transport spielt sich mit der Eisenbahn ab. Da wo uns damals ein Busfahrer zwischen Bombay und Goa fast umgebracht hätte, fährt heute ein Zug. Indische Züge sind ein Muss, für den der auch etwas abkann. Was ich dort erlebte, war ziemlich einmalig. Inder reisen gern und viel, was zwangsläufig dazu führt, dass jeder Zug erst innen bis zum Maximum und wenn das erreicht ist auch außerhalb gefüllt wird. Ich habe immer noch das Schloss, welches ich mir auf einem Bahnhof kaufte, was eine angebaute Kette hat und zum Sichern des Gepäcks gedacht ist. Als Gegenstück gab es Drahtseilschlaufen unter den Sitzen. Ein Freund meinte einmal: Wenn du nach Indien fährst, nimm einen Saitenschneider mit, deine einzige Chance zu verhindern, dass die Inder den Ventilator auf Volllast in der Nacht schalten, ist das Kabel durchzuschneiden. Es gab aber auch ordentliche Züge, wenn auch wenige. In Thailan d ist Zugfahren wenn auch teuer, eine sehr gute Alternative zum Bus und da war der Zug von Oslo nach Bergen, eine wunderschöne Eisenbahnstrecke. Auch die Fahrt von Hue, in der Mitte Vietnams, nach Saigon gehörte zu den angenehmen Erlebnissen, wenn auch mit etwas kuriosen Begegnungen am Rande. Auch in Ägypten ist Zugfahren ein Muss. Wir waren damals noch Studenten und bekamen einen 50% Rabatt, auch für die Erste Klasse. Zwar kam der Zug von Kairo nach Assuan mit sechs Stunden Verspätung an, aber die Fahrt durch das Nil-Tal war schon schön. Der Zug hatte sogar eine Klimaanlage, für die ein extra Wagen bereitgestellt wurde. Ich wollte dann eigentlich noch mal die Dritte Klasse Zug probieren, hatte es aber nicht mehr geschafft. Als ich versuchte, in Mexico noch einmal das Erlebnis Eisenbahn zu haben, war es bereits zu spät. Die Strecken waren privatisiert und der wenig lukrative Personenverkehr bereits eingestellt. Was den lokalen Schienenverkehr angeht, hatte ich wo es nur ging die Metro benutzt. Diese war meist das Statusobjekt einer Stadt und entsprechend sauber und gepflegt. Das konnte ich von Kairos Straßenbahn nicht behaupten. Die Wagen fielen fast auseinander und die Gleise hatten ihre besseren Tage auch längst hinter sich. WasserfahrzeugeAuch was Wasserfahrzeuge angeht, es war so ziemlich alles dabei. Es gab die Fähre von Bergen in Norwegen nach Seydisfjödur in Island. 36 Stunden ging es vorbei an den Shetland-Inseln , Färöer und über die offene Nordsee nach Island . Es war die erste Generalprobe für meinen Magen.Dann waren da noch eine Autofähre vom mexikanischen Festland auf die Baja California und nicht zu vergessen die etwas kleineren Fähren in Thailand, Mexiko, Ägypten und Vietnam.
In Indien hatte ich die Gelegenheit eine Nacht mit einem Fischerboot auf das offene Meer herauszufahren. Für den, der von der Küste kommt, ist das sicher nichts besonderes. Für mich war es das schon. Einen Tag lebte ich auf dem Boot und lernte die Arbeit der Fischer kennen und schätzen.
Fünf Stunden dauerte die Fahrt auf einem gemieteten Kahn (der vorgesehene Lastkahn war leider weg) durch den Peten, um von Guatemala nach Mexiko zu kommen. Es ging durch Gegenden, durch die sonst kaum ein Tourist kommt, geschweige denn einen Fuß hinsetzt. Es waren fünf Stunden fast allein auf dem Rio de la Pasion in Mitten des Regenwaldes. Am Ende der Fahrt ging dann noch der Motor des Boots kaputt, aber irgendwie kamen wir an. Und was es nicht so alles an Kuriositäten gab, die sich Fähren nannten. Die schönsten dabei waren wohl die, die auch Busse beförderten. In Bolivien war man wenigstens noch so vorsichtig und transportierte die Passagiere extra. In Guatemala hingegen blieben alle im Bus sitzen und ließen sich übersetzen. Allein der Außenboardantrieb der Fähre mit zwei Wannen (aber mit Dach) und einem drangeknoteten Motor war herrlich anzusehen. Im Gegensatz dazu waren die Speedboote in Belize und Thailand nicht nur komfortabel und schnell, sondern auch mächtig teuer. Was es nicht alles für Boote gab, mit denen ich zum Tauchen gefahren bin. Meist waren die in Ordnung, bis auf einmal in Brasilien. Der Tauchschulenbesitzer hatte kein eigenes Boot und borgte sich ein Floß mit Segel aus, auf dem er sieben Leute inklusive Ausrüstung versuchte unterzubringen. Der Kahn war eigentlich hoffnungslos überladen, aber er kam, wenn auch fast abgesoffen, an. Was Tauchboote angeht, da denke ich auch gern an Thailand zurück, wo ich vier Tage auf dem Boot lebte. Am Tage war man mit Tauchen und faulenzen beschäftigt, am Abend saßen wir alle gemütlich bei einem Bier auf dem Deck des Bootes. FlugzeugeFlugzeuge sind meist das schnellste Verkehrsmittel um von einem Ort zu anderen zu kommen, wenn sie denn auch fliegen. Verspätungen waren eigentlich immer inklusive. Für die Langstrecke von Europa nach Lateinamerika gab es dafür fast immer eine Garantie, wenn ich mit Iberia flog. Diese Gesellschaft hatte das unbeschreibliche Talent, immer irgendetwas schief gehen zu lassen. Ihr Glanzstück gelang, als sie uns wegen einer Verspätung mit der Lufthansa und Varig nach Sao Paulo geschickt hat und wir in Frankfurt gestrandet waren. Am nächsten Morgen hatten wir dann erfahren, dass sie Sao Paulo mit Johannesburg verwechselt hatten. Auch in Madrid, wo wir dann wieder planmäßig (einen Tag später eben) langgeschickt wurden, kam die Iberia mit 3 Stunden Verspätung an. Das war das Extrem, aber wirklich kein Einzelfall. Vielleicht ist das ja mittlerweile besser geworden. Ich wollte es nicht mehr ausprobieren.Abgesehen von einem Pauschalurlaub nach Ägypten, wo ich Charter geflogen bin, hatte ich immer Linienflugtickets, meist die billigste Klasse, die aufzutreiben war. Und da blieb es einfach nicht aus, dass ich ständig umsteigen musste. Von einigen Ländern kenne ich nur den Transitraum, den aber ganz gut. Der längste Aufenthalt war 14 Stunden in Abu Dhabi . Es war reichlich langweilig, aber es gab ja die LTU, die dort ihren Verteilpunkt hatte. Es war ein Schauspiel zu erleben, wie die Passagiere dann auf die Weiterflüge verteilt wurden. Airlines habe ich genug erlebt, mit der polnischen LOT ging es nach Thailand, was sehr angenehm war oder mit der Singapur Airlines in die selbe Richtung. Deren Service in der Holzklasse ist besser, als der manch renommierter Airline in der Business Class. In der letzten Zeit habe ich dann immer versucht, bei der Star Alliance Tickets zu bekommen. Deren Meilen-Programm war das Beste. Und wenn es auf den einzelnen Reisen große Strecken zu überbrücken gab, dann hatte ich auch einen Inlandsflug genommen. Bis auf wenige Ausnahmen, waren die auch brauchbar. Aber es gab auch die Lloyd Aero Boliviano. Eine Stunde sollte der Flug für die 200 km von Santa Cruz nach Sucre dauern und um halb acht starten. Das war dann auch die Zeit, wo der Klebemeister seinen Zweikomponentenkleber anrührte und das Cockpit-Fenster befestigte. Acht Stunden später tauchte er dann fast pünktlich zum Abflug wieder auf und reparierte eine abgefallene Armlehne der altersschwachen 727 mit Tesafilm. Dann ging es wirklich los. Und als krönenden Abschluss sahen wir die wohl interessanteste Gepäckumhüllung auf dem Band vorbeirollen: Eine Mülltonne!
Im nachhinein nett, in dem Moment aber doch nicht so, war die Situation wo ich mit einem Taxifahrer verzweifelt das Abflugterminal der Atlantic Airlines in Guatemala City suchte. Als wir dann endlich vor einem Blechschuppen mit zwei Flugzeugen und einem Traktor darin standen, mussten wir beide bloß noch herzlich lachen. Und zweimal habe ich mir auch einen Rundflug geleistet. Über den Grand Canyon in den USA, war es noch harmlos. Nach dem Flug mit der sechs sitzige Cessna, mit der es über die Linien von Nazca ging, waren die meisten Gesichter der Passagiere weiß wie eine Wand. MenschenWenn man mit öffentlichen Verkehrsmittel fährt und in billigen Hotels übernachtet oder einfach durch die Strassen fremder Städte geht, ohne Angst zu haben, dass alle Menschen um einen nur Schlechtes wollen, dann bleiben Kontakte zur Bevölkerung nicht aus. Fast immer gilt die Regel: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.Ich habe versucht immer freundlich zu allen Leuten zu sein, die ich getroffen hatte, wenigstens bis die Schmerzgrenze erreicht war, wo sie dann zu aufdringlich wurden, um mir irgendetwas verkaufen zu wollen. Ich kann nicht sagen, in dem einen Land ist es besonders schlimm (mit einer Ausnahme), in dem anderen viel besser. Das Extrem war Indien. In Agra am Red Fort musste ich mich durch drei Reihen von Händler fast schlagen, um nicht in den Besitz bunter Perlen zu kommen. In Goa versuchte ein Händler uns irgendwelches Zeug aus Kaschmir am Strand zu verkaufen. Mit ihm haben wir dann etliche Abende zusammen in einer Gaststätte gesessen und er hat über die Problem von Kaschmir berichtet. Solche Einblicke sind sonst kaum zu bekommen. Als ich nach insgesamt fast drei Wochen, zwei Tage früher als mein Mitreisender losfuhr, wurde der vom halben Dorf gefragt, wo ich denn wäre. So gut waren mittlerweile die Beziehung im Dorf geworden. In Colva Beach gab es auch den Zeitungsjungen, den ich selbst mit Russisch nicht aus dem Tritt brachte. Die Abende dort bleiben unvergesslich.
Wie langweilig wäre die Zugfahrt mit der Andenbahn ohne die vier Lokführer gewesen. Hier erfuhr ich das erste Mal über die Probleme Argentiniens , als das Geo Special noch von einem aufstrebenden und blühenden Land schrieb. Oder auch der Busfahrer auf der Fahrt von Buenos Aires nach Iguazu, der mir erklären musste was Mate ist und danach mich damit versorgte.
Es gab völlig unfreundliche Busfahrer in Peru und ein paar Tage später jemanden der uns auf die Ladefläche seines Pickup auflied, weil es bis zur Strasse, wo ein Bus fuhr ein paar Kilometer zu laufen war. Da waren die Kinder auf dem Markplatz, die einen ständig ausfragten und auch die Inka, die uns auf Träger auf dem Inka-Trail begleiteten und wir dann ein wenig Quechua lernten um wenigstens Danke sagen zu können.
In Lima hatten wir am helllichten Tag das Weite gesucht, weil die Gestalten am Straßenrand alles andere als freundlich aussahen und in Quito kamen wir nur deshalb heil im Hotel an, weil wir beim Passieren der Zuhälter an einer Kreuzung einen Pflasterstein in der Hand hatten. Ein Brasilianer, den ich im Zug von Puno nach Cusco traf, leitete auch ein Umdenken bei mir ein. Ich beschwerte mich darüber, dass man in Brasilien den Amazonas-Regenwald abholzt. Als er zum Gegenschlag ausholte und mir unsere Versäumnisse in Europa vorhielt, fing ich dann auch an, hier tiefer hinter die Kulissen schauen zu wollen. Es waren unzählige Leute, die ich in Mittelamerika getroffen habe. Das Bild der alten Männer, die seit Jahren auf ihrer Bank auf Utila in Honduras sitzen, ist unvergesslich. Ganz wohl war uns dabei nicht, als wir irgendwo auf dem Yucatan auf dem Wege zu einer Pyramide, einen Feldarbeiter mit seiner Machete aufgelesen hatten, weil kein Bus mehr fuhr. Wie viele Mechaniker hatten wir kennengelernt, die alle versuchten irgendwie unser Auto zu reparieren. Mal bastelten sie einen Tag an der Wasserpumpe, dann schweißten sie den Auspuff zusammen, flickten ein Loch im Tank oder wechselten die Dieselpumpe. Es waren auch die vielen Gespräche auf den langen Busfahrten. Als Europäer war man da fast immer ein Exot und wenn man Spanisch sprach, dann entwickelte sich da fast immer ein Gespräch. Eine ungenehme Geschichte passierte in Mexico-City. Wir sprachen kaum Spanisch und mussten (Verkehrs-) Polizisten bestechen oder eine Unsumme bezahlen. Am Ende hatten wir es dann geschafft, halbwegs billig aus der Sache herauszukommen. Überhaupt waren Beamten in Lateinamerika wohl doch etwas anfälliger für eine kleine Gefälligkeit, als es hier ist. Das war nicht pauschal gemeint! Was wäre Monterico ohne die abendlichen langen Gespräche in der Spanischschule mit den Lehrern gewesen. Am Ende hatten wir dann noch eine Party gemacht. Wir müssen wohl etwas übertrieben haben. Danach gab es dort keine Party in diesem Stil in der Schule mehr. Na gut, jetzt finden die am Strand statt. Obwohl die Menschen in Asien vom Charakter doch anders sind, so hat es mir auch dort immer wieder Spaß gemacht mich lange mit ihnen zu unterhalten. Aber da gab es die Sprachbarierre. Manchmal ging es wirklich nur noch mit den sprichwörtlichen Händen und Füssen, aber fast immer konnten wir uns irgendwie verständigen.
Es war auch die Hilfsbereitschaft in Vietnam, an die ich denken muss. Ich hatte meinen Pass in einem Hotel vergessen. Mit dem Busbegleiter organisierten wir, dass der Pass am nächsten Tag mit dem nächsten Bus mir nachgeschickt wurde und der Begleiter brachte mich in einem Hotel unter, wo man auf die Vorlage eines Passes verzichtete. Einen nicht typischen, aber sehr negativen Eindruck von Thailand bekam ich auf meiner zweiten Reise dorthin. Ich war in der Hochburg des Sextourismus gelandet, obwohl ich nur tauchen wollte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich wirklich schon sehr viel in der Welt gesehen, trotzdem war ich schockiert. Zwei Busstunden davon entfernt war davon aber glücklicherweise nichts mehr zu sehen. Vielleicht noch ein paar Worte zu Indien an dieser Stelle. Indien ist interessant und macht Spaß zu bereisen. Man muss ein dickes Fell haben. Die Leute dort sind nervig. Die Händler gehen einem permanent auf den Keks und wenn man auf dem Bahnhof steht, dann muss man sich ständig mit irgendwelchen Leuten oder ganzen Schulklassen fotografieren lassen. Natürlich kann man diese Wünsche auch ablehnen, aber die Leute meinen es nicht böse und merken nicht, dass sie nerven. In Australien waren wir meist mit dem Auto unterwegs. Da trafen wir recht wenig Leute und wenn doch, dann ging die Unterhaltung schon mal etwas länger. In Melbourne leerte ich an einem Nachmittag zwei Akkupacks auf dem dortigen Amateurfunk-Relais. Bliebe noch Ägypten. Ich kenne Leute, die sich von den ägyptischen Händlern genervt fühlten. Dieses Gefühl hatte ich manchmal auch, aber trotzdem mag ich die Leute dort. Ich war eine Woche in einem 4*-Hotel eingesperrt, weil ich eigentlich bloß tauchen wollte und meinte, dass so was pauschal am besten geht. Es war ein Abend, wo ich mich wohlfühlte, der als ich aus dem Hotel ausbrach und in der 14 km entfernten Stadt in einer kleinen Kneipe saß, einen Tee trank, Wasserpfeife rauchte und mit den Leuten dort Domino spielte. Das war das Ägypten, welches ich von meiner ersten Reise kannte. In Kairo hatte mich ein Student zu seiner Familie in einen Vorort mitgenommen. Einen solchen Einblick in das lokale Leben, hätte ich in dem Pauschalurlaub nie bekommen können. Wenn ich auch allein irgendwo hinfuhr, meist blieb ich das nicht. Es gab genug andere, die den selben Weg, das selbe Ziel oder manchmal wie man selbst eigentlich kein Ziel hatten. Von jemandem, den ich in Salta in Argentinien traf, trennte ich mit erst vier Wochen später, nach dem wir durch Bolivien und Peru gezogen waren. Da waren auch die Leute, die wir um Geld zu sparen aufgegabelt hatten, als wir in Mexiko mit dem VW-Van Bus spielten. Viele nette Leute traf ich auch beim Tauchen, auf dem Boot oder später in der Kneipe. In Island waren deutsche Touristen meine Rettung, als ich im Schneesturm, in einer von Gott fast verlassenen Gegend, trampte. Sie schufen für mich in ihrem kleinen Mietwagen Platz und gaben mir den letzten Schluck Schnaps, den sie hatten, damit ich wieder etwas warm wurde. Unterkunft
In Arequipa in Peru war ich froh, dass ich ein schönes Zimmer gefunden hatte, was auch billig war. Gegenüber war allerdings einer der Radiohändler ansässig, die meinen um so mehr verkaufen zu können, je lauter die Musik ist. Und er verkaufte bis Mitternacht. Eines Morgens wurde ich in diesem Hotel auch durch ein kleines Erdbeben geweckt. Schön waren die Unterkünfte in Vietnam. Für wenig Geld gab es wirklich gute Zimmer. Meist gehörte zu einem Zimmer für 10 Euro eine eigene Dusche, Fernseher (mit dem man wenig anfangen konnte) und eine Klimaanlage. Geschlafen habe ich im Auto, wenn ich gerade eins dabei hatte, oder auch ein paar Mal in einer Hängematte. Den größten Luxus hatte ich in Ägypten auf einer Pauschalreise erlebt. Aber der Preis dafür war hoch, nicht finanziell. Ich hatte keinen Kontakt zum Land und den Leuten, was ich sehr vermisste. Ansonsten waren die Hotels fast immer im unteren Preissegment. Mehr als 20 Euro für ein Einzelzimmer oder 30 Euro für ein Doppelzimmer habe ich sehr selten bezahlt. Die Qualität war unterschiedlich. In der Regel war immer ein eigenes Bad dabei, wenn nicht wurde es drastisch billiger. Und gab es etliche Nachtbusse, die ich genommen hatte, weil ich wenig Zeit hatte oder einfach nur Geld sparen wollte. Meist war da kaum Schlaf zu finden, aber es gab auch ein paar Ausnahmen. EssenGegessen wurde, was auf den Tisch kam oder anders ausgedrückt, ich bemühte mich meist das lokale Essen wenigstens zu probieren. Pizza gab es als Alternative fast immer. In der Regel war das lokale Essen aber besser.Mit dem amerikanischen Essen kam ich nicht so zu recht. Irgendwie hatte das keinen Geschmack und die pappigen Hamburger, bei einer einschlägig bekannten Fastfood-Kette, waren erst recht keine Alternative. Dazu kam dann das mehr oder weniger ungenießbares Bier, so das ich die USA als kulinarischen Fehlschlag verbuchte. In Lateinamerika sah es dann schon etwas besser aus. Auf meiner ersten Reise hatten wir fast immer das Menü des Tages gegessen. In Mexiko war das Hühnchen mit Reis und schwarzen Bohnen, dazu als Gemüse eine Kartoffel. Als Alternative gab es Reis mit einer halben Tomate, dazu Hühnchen mit schwarzen Bohnen als Gemüse. Dieser Zustand hatte sich bei meinem letzten Aufenthalt in Mexiko drastisch geändert. Es gab wirklich gutes und auch vegetarisches Essen, was früher nie aufzutreiben war. Vor allem in den Küstenregionen war Fisch und anderes Meeresgetier eine Pflicht. Wer kann sich Tintenfisch in Knoblauch und Sesam eingelegt und dann auf einem heißen Stein serviert vorstellen? Das gab es in Vietnam . Oder die Krebse und Austern an der Küste von Brasilien, sie waren ein wunderbares Essen. Einmal servierte man in Cusco/Peru ein wirklich sehr originales Essen. Um es vorwegzunehmen, Meerschweinchen werden dort wie die Kaninchen hier als Nutztiere gehalten. Man kann sie also essen. Wer jetzt wissen will, wie es schmeckt, der sollte selber nach Peru fahren. Woran mein Magen sich sehr schnell gewöhnte hatte, war das scharfe Essen. Später meinte jemand zu mir, dass meine Geschmacksnerven wohl schon abgestorben sein müssen. Das schönste am Essen in den Tropen sind die Früchte. In Brasilien gab es zur Unterkunft fast immer ein Frühstück dazu, was zum größten Teil aus Papaya, Melonen, Orangen, .... bestand. Damit hatte eigentlich jeder Tag schon schön begonnen. Fast immer bin ich zum Essen in ein Restaurant gegangen oder habe mir an einem Stand an der Strasse etwas gekauft. Da sah ich wie das Essen zubereitet wurde, im Gegensatz zum angeblich sauberen Restaurant. In Monterico /Guatemala in der Spanischschule war Selbstversorgung angesagt, so dass die Leute dort dann in den Genuss von Milchreis, Zucker und Zimt kamen. Und der Chef der Schule hat es sogar gegessen und auch vertragen.
In Indien habe ich mir einmal vom Essen oder besser von den Begleitumständen einen Durchfall geholt. Besteck gab es keins, und mehr als die Hände irgendwie abwischen ging auch nicht. Ich wusste nicht wo mehr Keime dran bzw. drin sind, an den Händen oder im auf dem Bahnhof verfügbaren Wasser. In Brasilien dann war die Meeresfrüchtelasagne wahrscheinlich nicht mehr gut gewesen. Da ging es mir wirklich nicht gut, vor allem fing der Magen mitten in der Nacht im Bus an zu revoltieren. Als Getränk bekam am Tage Wasser den Vorzug vor allem anderen, eventuell gab es mal eine Cola zum Mittag. Am Abend wurden die lokalen Braukünste getestet. Bis auf in den USA, war das Bier eigentlich überall genießbar. Dazu kamen dann noch die regionalen Spezialitäten von etwas höher Prozentigem. Bei den Caiphirina Preisen in Brasilien , hatte ich schon größere Schwierigkeiten dort noch Maß zu halten. Mit dem Bier konnten wir und einige andere auch in einer Silvesternacht in Antigua/Guatemala nur sehr schlecht Maß halten. Jedenfalls hatten die Gäste um Viertel vor zwölf sämtliche Biervorräte der Kneipe vernichtet. Wenn ich in die Karibik fuhr, dann probierte ich doch immer gerne mal den Rum. Der war wirklich lecker. Natur
Die Steinwüste in Island, die Wasserfälle, Gletscher und Geysire ließen das Land doch zu einem Erlebnis werden, obwohl die weniger angenehmen Temperaturen den Eindruck leider etwas trübten. In Asien war es hauptsächlich Vietnam, welches durch eine extrem abwechslungsreiche Natur herausstach. Im Süden waren es die Wasserläufe des Mekong-Deltas, später dann das Hochland bei Dalat und dann gab es die traumhaften und menschenleeren Strände in Nha Trang. Nicht vergessen möchte ich, obwohl es mir nicht so gefallen hat, die Einsamkeit der Wüste in Australien. Tagelang sind wir durch eine fast unbewohnte Landschaft gefahren. Am Ende war alles rot, vom Sand der Wüste. Ein Teil der Natur hatte es mir besonders angetan, die phantastische Welt unter Wasser. Ich tauchte in den schönsten Riffen der Welt, war unter anderem im Great Barrier Reef, bei den Similan Islands, vor Koh Tao, in der Karibik und in Brasilen unter Wasser. Gelernt hatte ich das Tauchen im Roten Meer in Ägypten.
Den schönsten Tauchgang machte ich in Mexiko auf dem Yucatan . Abzutauchen in eine Grotte, im 27 Grad warmen Wasser, beim Tauchen durch die Tropfsteinformationen zu schwimmen und langsam das Tageslicht immer kleiner werden zu sehen, übertraf alles bis dahin gewesene. Kultur
In Mittelamerika war es die Kultur der Azteken, Tolteken und vor allem der Maya, die mich in ihren Bann zog. Meinen vierten Urlaub in diese Gegend hatte ich hauptsächlich den Maya gewidmet. Ich versuchte so gut es in drei Wochen ging, mich auf deren Spuren zu bewegen.
Meine kulturellen Ausflüge in Indien führten mich nach Agra ins Tja Mahal und das Red Fort. Ich besuchte Jaipur , The pink City, mit ihren herrlichen Sonnenuhren und ihrer für Indien völlig untypischen gut erhaltenen Architektur.
AktivitätenDas Tauchen, welches ich mit Begeisterung, und wo immer es nur ging betrieb, hatte ich bereits erwähnt. Aber wenn es möglich war und interessant erschien, dann versuchte ich noch mehr zu machen, als bloß in einem Hotel zu sein.Meist waren die Städte, die ich besuchte, klein genug um sie erlaufen zu können, wenn nicht dann habe ich öffentliche Verkehrsmittel dazu genutzt. Es waren Kolonialstädte wie Lima und San Cristobal , in denen ich die Architektur bewunderte. Da waren zum Beispiel die Museen in Mexico City, Potosi oder auch in Ouro Preto, Brasilien mit seiner Mineraliensammlung, wo ich verweilte. In Potosi, Bolivien war es nicht nur die alte Münze, es gab auch den Cerro Rico.
Der Pacaya ist ein Vulkan in Guatemala, von dessen Rand ich einmal die Lava brodeln sah und beim zweiten Versuch wegen schlechtem Wetter umdrehte. In El Salvador stand ich am Rande des Santa Ana Kraters , zu dem auch keine Strasse führte.
In Island bin ich in Skaftafell, dem größten Gletscher Europas umher gelaufen und den Deti Foss habe ich, allerdings nur per Bustour gesehen. Die für Australien obligatorische Besteigung des Ayers Rock habe ich mir nicht entgehen lassen, war durch die Olgas gelaufen oder zwischen Townsville und Cairns durch den Regenwald gewandert. Am Ende dieses Urlaubs erlebte ich dann Silvester in Sydney im Hafengelände. Es war ein riesiges Feuerwerk und ein viertel Stadtbevölkerung war gekommen, um das zu sehen. Als ich am Railay Beach in Thailand vom Tauchen noch nicht genug hatte, bin das erste Mal im Kalkstein drei Tage klettern gegangen.
EpilogZeit ein Fazit zu ziehen. Ich hatte viel gesehen, die Wüste in Australien und Ägypten, das Hochgebirge in den Anden, Regenwälder in Asien und Lateinamerika, Gletscher und Geysire in Island. Ich war in den Ozeanen dieser Welt getaucht und bin auf Hochgebirgsgipfel und Vulkane gestiegen. Auf den Reisen traf ich Menschen aller Kontinente und erlebte die unterschiedlichsten Kulturen. Verkehrsmittel hatte ich eigentlich auch alle durch.
Manche Plätze sah ich ein zweites Mal oder hörte von anderen Leuten, wie es dort später aussah. Am besten passt dazu ein Zitat aus dem Lonely Planet: Things change - prices go up, schedules change, good places go bad and bad places go bankrupt - nothing stays the same time. Was mich wirklich traurig machte, war das Eintreten meiner Prophezeiung für Vietnam. Als ich dort war, galt Urlaub in diesem Land noch als etwas für Verrückte. Heute steht es in jedem TUI-Katalog. Damit könnte ich noch leben, aber diese wundervolle gastfreundliche Stadt Nha Trang wird mittlerweile von Kreuzfahrtschiffen angelaufen und die Prostitution blüht. Ich sah in Antigua, Guatemala, wie eine Stadt unter dem Tourismus ihr Gesicht verliert und fühlte mich mitschuldig. Von Jahr zu Jahr wurde die Anzahl der Touristen mehr, aber die Anzahl der Obdachlosen stagniert auf hohem Niveau. Nun ist man dabei Utila in Honduras mit einem neuen Flughafen, gegen den Widerstand der einheimischen Bevölkerung, zu ruinieren. Am Ende bleibt zu sagen, es war eine schöne Zeit gewesen, die ich nicht missen möchte. |
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