Sal

Fogo

Santiago

Sao Vicente

Santo Antao

Wo Grün ein Fremdwort ist

Nach Jahren der Abstinenz war es wieder Zeit, ein anderes Land dieser Welt heimzusuchen. In einem innerfamiliären Konflikt einigten wir uns auf die Mitte zwischen Mallorca und Brasilien und beschlossen, auf die Kapverdischen Inseln zu fliegen. Die Gerüchteküche war zum Zustand des Landes wenig hilfreich. Entweder man hörte von Leuten, die mal darüber nachgedacht haben, das Supersonderangebot aus dem Neckermann-Katalog zu buchen oder anderen, die auch schon mal davon gehört hatten, dass es dieses Land gibt und schon darüber nachdachten, dorthin zu fahren. Von der großen Masse, die einen beim Wort 'Kapverden' anguckten, als ob man 'Mond' geredet hat, aber beim Mond wenigstens wissen, wo er ist, war auch nichts Sinnvolles zu erfahren. Da standen wir nun und waren schlau wie zuvor und beschlossen, erst einmal die Kinder den Großeltern zu verborgen und das Selbstexperiment zu wagen.
Wie kommt man nun dahin? Die Kapverden waren mal eine portugiesische Kolonie (jetzt ist dieses Land selbstständig), deswegen fliegt die TAP noch regelmäßig. Aber die ist ja teuer. Und da sich ja dort gerade der große Tourismus entwickelt, fliegt auch die TUI. Das ist deutlich billiger und man bekommt auch, wofür man bezahlt. 6 Stunden in einer B737, ein Erlebnis pur, vor allem, wenn die Kiste voll ist. Wer auf die Idee gekommen ist, eine Kurzstreckenmaschine auf diesem Sektor einzusetzen, der müßte zur Strafe 5x in der Woche Testflüge machen. Aber es war ja billig.
Die TAP hat außerdem den großen Nachteil, das sie mitten in der Nacht landet. Nein, dass ist gut! Ein paar Stunden auf dem Flughafen und am Morgen den nächsten Inselhopper nehmen, dass ist die Lösung. Nur wussten wir das leider nicht vorher.
Also sind wir mit der TUI am Abend in

Sal

gelandet.
Traumstrände in Sal
Hier trifft sich die Neckermann-Welt im RIU. Es gibt auch noch andere Menschen: Einwohner und Kite-Surfer. Für letztere ist es das Paradies. Auch wer tauchen gehen will, sollte seine Planung so einrichten, dass er hier etwas länger bleibt. Alle anderen befinden sich auf der Durchreise. Die wohl einzige Attraktion ist, in einer stillgelegten Saline baden zu gehen. Aber das ist auch in zwei Stunden erledigt. Sonst gibt es auf dieser Insel nichts, außer Wind, Sand und wunderschöne Strände. Man muss bloß auf die Palmen verzichten können. Wie überall auf den Kapverden würden wir Kinder dort nicht ins Wasser lassen. Die Wellen sind durch den starken Wind immer so groß, dass es für die Zwerge zu gefährlich ist, baden zu gehen. Unterwegs waren wir mit einem Mietwagen, der bei einer Begutachtung durch den TÜV wohl sofort Herz-Rhythmus-Störungen beim Gutachter verursacht hätte. Wir haben dann möglichst schnell das Weite gesucht und wollten, mit einer Zwischenübernachtung in der Hauptstadt Praia, nach

Fogo

weiterreisen.
Und runter geht's
Fogo heißt 'Feuer' und bekommt seinen Namen von der vulkanischen Aktivität. Auf dieser Insel befindet sich der mit 2829 m höchste Punkt des Landes auf dem Vulkan Pico de Fogo. Hier fühlten wir uns erst einmal wohl. Die kleine Stadt Sao Felipe ist eher ein verträumtes Dorf mit einer hübschen Kolonialarchitektur und einem schönen, schwarzen Strand. Hier begann jetzt der Urlaub. Wir wollten wandern gehen. Und was sonst, der höchste Punkt war das Ziel. Die wenige verfügbare Literatur empfahl, sich einen Führer zu nehmen, da der Weg auf den Vulkan schlecht zu finden und der Transport nur mit einem Taxi möglich ist. Alternativ kann man mit dem Aluguer (manchmal Minibus, manchmal Pick Up) fahren, muss dann aber 2 Übernachtungen am Fuß des Vulkans einplanen. Wir haben uns für die Führer/Taxi-Kombination entschieden. Wer etwas mehr Zeit hat, sollte die Variante mit den zwei Übernachtungen in der Caldera wählen. Der Aufstieg auf den Vulkan ist anstrengend. Es sind ca. 1000 Höhenmeter in drei Stunden zu bewältigen. Unterwegs wundert man sich erst über Pflanzen, die aussehen wie Wein und erfährt, dass es auch wirklich welcher ist. Nie hätte man geglaubt, dass in einer solchen Gegend Wein wächst. Aber die Lava ist fruchtbar und sie speichert den Tau. Das führt dann dazu, dass sich in dieser lebensfeindlichen, wasserlosen Welt die Hauptanbaugebiete der Kapverden für Wein und Kaffee befinden. Der Aufstieg erfolgt auf einem halbwegs festem Weg, den man wirklich schlecht findet. Auf dem Kraterrand wird man mit einer tollen Aussicht belohnt. Wer dann noch nicht genug hat, der kann in den Krater hinabsteigen. Der Vulkan ist seit mehr als 30 Jahren nicht ausgebrochen, so dass das ungefährlich ist. Nun kam das Schönste: Der Abstieg. In 45 Minuten geht es wieder herunter, wobei man für die ersten 100 m 20 Minuten braucht. Die restliche Strecke wird in loser Asche bewältigt: Einfach in großen Schritten herunter laufen bzw. rutschen. Dieses Gefühl kann man nicht beschreiben, man muss es selbst erleben. Da der Flieger am nächsten Tag voll war, beschlossen wir, noch eine kleine Wanderung ans Meer zu unternehmen. Das war nichts spektakuläres, aber gewährte uns einen schönen Einblick in das ländliche Leben des Landes. Schade, dass der Wanderführer nichts über einen direkten Weg zurück nach Sao Felipe geschrieben hatte, so dass wir die Ladefläche eines Pick-Up mit unserer Anwesenheit beehrten. Ein paar Fische waren auch noch mit drauf. Die Insel gehört zu denen, wo man es auch etwas länger aushält, wenn man die einsamen und schönen Strände sucht und auf den Luxus des Pauschalurlaubs verzichten will. Bei allem darf man nie vergessen, dass Bäume dort Mangelware sind. Wer wandert, der tut das in der glutheissen Sonne, ohne Schatten, ohne Bäume und kein Wasser. Auf der Weiterreise legten wir einen kurzen Zwischenstopp in

Santiago

ein.
Rollendes Restaurant in Praia
Auf Santiago liegt Praia, die Hauptstadt der Kapverden. Das ist kein Ort, den man gesehen haben muss. Es ist aber der einzige Ort dieses Landes, wo man merkt, dass es sich um ein afrikanisches Land handelt. Das Leben tickt hier etwas anders als im Rest des Landes und das ist nicht positiv gemeint. In der Nähe von Praia befindet sich Cidade Velha, die alte Stadt. Sie war früher Hauptstadt, bis ihr ein gewisser Sir Francis Drake einen Höflichkeitsbesuch abstattete. Die verbliebenen Festungsanlagen und Kirchen der Portugiesen zählen heute zum UNESCO Weltkulturerbe. Es ist auch nicht geplant, dort eine Brücke zu bauen. Das einzig noch erwähnenswerte zu Santiago ist, dass dort alles doppelt so teuer wie im Rest des Landes ist. Deswegen hier die Strategie Vorwärtsverteidigung und der nächste Flieger brachte uns noch am selben Tag nach

Sao Vicente

Hier
Mindelo
befindet sich das kulturelle Zentrum des Landes. Und es war wieder ein kleiner Kulturschock. Sal hat den Tourismusboom nicht verkraftet, Fogo war ruhig und Sao Vicente hatte nichts von dem. Ein Gemeinsamkeit gibt es doch, Bäume sind Mangelware. Wenigstens gibt es so etwas wie eine Promenade und da die obligatorischen Palmen. Die Stadt Mindelo ist angenehm und am Wochenende gibt es in jeder Kneipe Live-Musik. Zuhören auf der Straße ist leider etwas stressig, weil der Musikmix aus allen umliegenden Kneipen den Hörgenuss etwas trübt. Für diese Insel sollte man sich doch etwas mehr Zeit nehmen. Nötig wird ein Stopp auf jeden Fall, wenn man nach

Santo Antao

will.
Abstieg vom Kamm
Diese Insel hat keinen Flughafen und ist von Mindelo nur per Fähre zu erreichen. Auf Santo Antao erwarten einen keine Strände. Am Ende unseres Aufenthaltes sind wir von der Kaimauer gesprungen, um im Hafen baden zu gehen (das Wasser ist sauber). Eigentlicher Grund für den Aufenthalt hier waren die Wanderwege. Bis wir in Ribera Grande angekommen waren, wo wir bleiben wollten, ging es eine Stunde mit dem Aluguer über eine schmale Serpentinenstraße 1000 Höhenmeter hinauf und wieder an die Küste hinab. Die erste Wanderung führte uns vom Kamm durch Terrassenfelder und vorbei an verlassenen Häusern zurück an die Küste. Und auch wenn alle behaupten, Santo Antao sei die grüne Insel, nein es gibt beim Wandern auch dort kaum Schatten. Grün ist es vielleicht ein wenig auf dem Kamm oder an wenigen Stellen in den Tälern. Aber wir wollten ja den Selbstversuch wagen und begaben uns deshalb auf eine Berg- und Talwanderung. Was im Wanderführer beschrieben ist mit: „Wir laufen ans Ende des Tales, durchqueren es und steigen kurz auf den nächsten Bergrücken.“ hieß, eine Stunde laufen, dann 100-200 Höhenmeter auf schmalen Pfaden durch die Terrassen herunter, über 3 Steine springen und das Ganze wieder hoch. Irgendwann zwischen dem 7. und 10. Mal haben wir aufgehört zu zählen. Dazu kam ja noch diese drückende Hitze. Die Beschilderung der Wege ist auch sehr sparsam angelegt, wenn man bei vereinzelt auf irgendwelche Mauern gemalten weißen Pfeilen davon überhaupt reden kann. Nun passierte es uns, dass wir Kurs auf den falschen Weg nahmen. Kein Problem, von der gegenüberliegenden Bergseite ertönte ein Pfiff und durch wildes Gestikulieren von der Terrasse eines Bauernhauses wurden wir auf den rechten Pfad gewiesen. Jedenfalls waren die sechs Stunden am Ende doch sehr lang geworden. Den Rest gab uns eine ältere Frau, die uns in ihren landestypischen Badelatschen am letzten Abstieg regelrecht stehen ließ. Der Rückweg führte über Sao Vicente nach Sal, wo wir flugplanbedingt noch einen Tag ausharren mussten, und am Abend dann wieder nach Frankfurt.

Fazit

Es ist
Warderweg durch die Terrassen auf Santo Antao
unmöglich, in 10 Tagen ein Land einzuschätzen. Wir waren nirgendwo richtig angekommen und sind wieder abgereist. Einen Versuch ist es aber wert. Wer meint, etwas Exklusives zu wollen, seinen gewohnten Luxus und einen schönen Strand braucht, der ist auf Sal gut aufgehoben. Wer Kite-Surfen, Tauchen oder Hochseeangeln will, der auch. Wer mit kleinen Kindern verreist, der sollte sich fragen lassen, was das soll. Im Meer baden geht wegen der Wellen nicht und die Knirpse kann man auch woanders im Hotel einsperren. Individuell zu verreisen funktioniert, aber auch hier die Einschränkung: Ohne Kinder. Ein Hotel lässt sich überall auftreiben, eine Ferienwohnung sehr selten. Die Amtssprache ist Portugiesisch! Nein, außer auf Sal haben die Einheimischen keinen Langenscheidt Portugiesisch<>Deutsch dabei, um eine gepflegte Konversation mit dem Besucher führen zu können. Dasselbe gilt für Englisch. Man kann Glück haben und trifft jemanden, der Englisch spricht, aber darauf verlassen sollte man sich nicht. Das Land ist schön zum Wandern, der Strände wegen muss man nicht dorthin fahren. Vogel- und Pflanzenkundler kommen auf Ihre Kosten, da es doch einige endemische Arten gibt. Auch wenn es Afrika ist, die Lebenshaltungskosten sind 90% der hiesigen. Auf den Inseln gibt es nichts, alles muss herangekarrt werden und das kostet Geld. Ein Doppelzimmer liegt bei ca. 40 Euro inklusive Frühstück, ein Essen im Restaurant bei 7-9 Euro. Billig ist der öffentliche Transport, wenn man denn vorher (in portugiesisch) um den Preis gefeilscht bzw. nach ca. einer Woche ein ungefähres Gefühl für die Tarife entwickelt hat. Wir wollen keinen davon abhalten, dorthin zu fahren. Wem der Urlaub am Strand genügt, der ist auf Sal gut aufgehoben, das Studiosus-Klientel kann das organisierte Inselhopping mit dem Charter buchen und sieht auch alles, was wir gesehen haben. Die Backpacker, die die Party brauchen, haben da nichts verloren.
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