San Juan del Sur
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Miravalles
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Playa Samara
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Jaco
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Im Süden
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San Jose
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Früh
übt sich
Wer die Welt bereisen will, muss
Sprachen können. Und diese lernt
man am besten, wenn man noch klein und es draussen warm ist. Dazu
noch Einzelunterricht und eine schöne Umgebung - und alles ist
perfekt. Stellt sich die Frage, welche Sprache lernt man? Englisch
ist wichtig, Spanisch aber auch, vor allem, wenn man später viel
reisen will. Die nächste Frage ist, wo? Guatemala, das passt. Zum
Spanisch lernen ist es ok, in Antigua de Guatemala wahrscheinlich
auch zum Englisch lernen, aber zum Baden ist es am Pazifik ganz
schlecht, jedenfalls für laufende Meter. Die Brandung ist zu
stark,
das Meer fällt zu steil ab. Costa Rica wäre ideal. Da gibt es
ein
Veto von der Geldbörse. Aber nördlich von Costa Rica liegt
das hoch
gefährliche und völlig verarmte Land Nicaragua. Da passt
alles,
wenn man davon ausgeht, dass diese Aussage völliger Unfug ist.
Nicaragua ist genauso sicher wie Costa Rica, die Leute sind
freundlicher und verarmt ist es auch nicht. Es steht nicht im Katalog
und, da würde ich einen Politiker zitieren, 'das ist auch gut so'.
Nein, es ist kein Geheimtipp. Man kommt dahin und muss sich selber
kümmern. Oft geht es nur in Spanisch weiter, die Infrastruktur ist
nicht ausgebaut, aber wer braucht das schon. Hier meine übliche
Warnung: Wer zwei Wochen Urlaub machen will und erwartet, dass einem
ein Kellner die gebratenen Tauben in den Mund wirft, hat in Nicaragua
nichts zu suchen.
Wir wollten Spanisch lernen und baden. Klar, das
geht nur an der Küste. Da wir nicht wussten, was auf uns zukommt
(die Leute in Costa Rica erzählten Schauergeschichten), haben wir
uns für die Pazifik-Küste und Grenznähe zu Costa Rica
entschieden,
so dass wir in einem medizinischen Notfall das Land sehr schnell
Richtung Süden hätten verlassen können. Unsere Wahl fiel
auf San
Juan del Sur. Das ist eine kleine Stadt ca. 50 km von der Grenze
entfernt, die in einer Bucht gelegen ist und ansonsten damit
glänzt,
klein, freundlich und unauffällig zu sein. Es gibt eine ausgebaute
Infrastruktur, schliesslich lebt man vom Tourismus, aber der Club Med
ist da noch nicht angekommen. Wird er auch nicht, weil kein Platz
mehr ist.
Eine passende Spanischschule musste im Vorfeld der Reise
auch noch ausgesucht werden. Das funktionierte nach dem Prinzip:
Mail an alle, mal sehen, was passiert. In der Mail stand, dass wir
zwei kleine Kinder mitbringen, die weder lesen noch schreiben
können
und kein Englisch verstehen. Wie stellt Ihr euch vor, denen was
beizubringen? Die Schule mit der für uns am besten klingenden
Antwort haben wir dann gewählt. Jetzt musste noch der
Schuldirektor
in Deutschland überzeugt werden, dass wir ja auf keinen Fall
länger
Urlaub machen wollen, sondern auf einer Bildungsreise sind. Das ging
dann auch. Stimmte ja. Und so wurden aus zwei Wochen Winterferien
drei Wochen Bildungsreise in Mittelamerika.
Die Schule
organisierte auch einen Abholservice von Managua, wohin uns das
Flugzeug aus Houston brachte. Dort hatten wir übernachtet. Das
Auto
entsprach dem gängigen Standard und würde wahrscheinlich beim
TÜV
einen Herzinfarkt hervorrufen, aber es fuhr. Reicht doch.
Wir
machten es uns dann in der Spanischschule gemütlich. Die
Unterkunft
war in der Schule integriert und zu Essen gab es auch genug. Das
Zimmer war einfach, aber wir wollten ja dort nicht wohnen, sondern
nur schlafen. Nachdem wir uns an das kalte (was ist da schon kalt)
Wasser gewöhnt hatten, war alles in bester Ordnung. In den
Vormittagsstunden nahmen wir die Spanischstunden, wobei wir jeweils
einen Lehrer und die Kinder einen zusammen hatten. Der Unterricht
lief ab wie überall. Nach vier Stunden ist man breit. Die
Lehrerin,
welche unsere Kinder als Hauptgewinn gezogen hatte, tat uns schon
etwas leid. Ich glaube, sie war nach den 4 Stunden auch völlig am
Ende mit ihren Nerven, aber ertrug die Bande mit einer
südländischen
Gelassenheit, dass man neidisch werden konnte. Da sie den Kindern ja
nichts erklären konnte, musste eben alles gemalt werden. Irgendwie
blieb da ganz schön viel hängen. Da wurde gebastelt oder in
die
Bibliothek gegangen. Obwohl es wirklich Schule war, empfanden die
Kinder es als positives Erlebnis.
Am Nachmittag bot die Schule
Ausflüge an. Teilweise waren diese als kostenlose Leistung dabei,
oder man entrichtete einen kleinen Obolus. Unsere Tochter war der
Meinung, unbedingt Reiten gehen zu müssen. Da von uns keiner
weiter
Lust hatte, sich auf ein solches Huftier zu setzen, ging sie dann
eben mal mit wildfremden Menschen, deren Sprache sie nicht verstand,
mit, um auf einem Pferd (es war weiss, ihr grösster Wunsch) durchs
Gelände zu hoppeln. Des Menschen Wille ist sein Himmelreich.
Ein
weiterer Ausflug ging in eine Englisch-Schule. Irgendeine NGO hatte
da eine Grundschule für Englischklassen angemietet, vielleicht
auch
die ganze Schule gekauft. Dort bekamen die Helden des Dorfes
(tiefstes Hinterland) Englisch beigebracht. Wir konnten uns das
anschauen. Ich weiss nicht, wo sie die Lehrerin aufgetrieben hatten,
aber Englischunterricht (Betonung auf Unterricht, sie war
Engländerin) war wohl nicht ihrer Spezialität. Wir hatten
jedenfalls unsere Bedenken, ob das Absingen von englischen
Kinderliedern das Bildungsniveau deutlich erhöht.
Und dann sah
unsere Tochter im Haus ein Surfbrett stehen. Es gehörte dem Mann
der
Schulleiterin. Da er sowieso noch einen Strandausflug mit uns machen
wollte, überredeten wir ihn, das Teil mitzunehmen, damit die Josi
surfen kann. Wir kamen am Strand an und es passierte die Katastrophe.
Nein, nichts Schlimmes. Unser aufblasbarer Delphin entwickelte sich
bei stark ablandigem Wind und hohen Wellen zum Flugfisch und kehrte
in sein Reich heim. Nachdem dem Meer zusätzliches Salzwasser in
Form
diverser Tränen zugeführt wurde (wir sind schuld am Anstieg
des
Meeresspiegeles!) und diverse Diskussionen erledigt waren, klappte es
dann auch mit dem Surfen.
Ansonsten gingen wir im Ort spazieren
oder einfach nur baden. Wie immer, an vieles denkt man, aber nicht
daran, wie die Wassertemperaturen verteilt sind. Das Meer war dort
mit 23 Grad ausgesprochen kalt.
Zur Schule gehörte die gesamte
Familie und auch ein Kind, das so alt war wie Josi. Aber die
Interessenlage dieses Jungen deckte sich doch eher mit der unseres
Kurzen, so dass es da bald eine Freundschaft gab. Geht es
besser?
Nach einer Woche in der Schule nahmen wir Abschied. Die
Option wiederzukommen, ist nicht die Schlechteste. Wir fuhren mit
einem Taxi entlang des Nicaragua-Sees zur Grenze nach Costa Rica.
Dort erwartete uns das Übliche: Nepper, Schlepper,
Bauernfänger.
Aber wir sind ja im Training und das bißchen Bürokratie und
Chaos
an so einem Grenzübergang bringt uns doch nicht aus der Ruhe. Es
hat
wirklich nur zwei Stunden gedauert, bis wir es geschafft hatten. Ist
nicht rekordverdächtig, aber gutes Mittelmaß.
Von der Grenze
ging es per Linienbus nach Liberia, der nächsten
größeren Stadt.
Ein Taxi brachte uns zur Mietwagenstation, die auch irgendwo in der
Pampa lag. Und jetzt konnten wir noch 1.5 Wochen Urlaub machen
(Ferien müssen sein).
Da der Bus ja zwei Stunden fuhr, hatten wir
genug Zeit zu überlegen, was wir eigentlich wollten. Heisse
Quellen
am Rande des Vulkans Miravalles sollten das
nächste Ziel sein.
Heisse Quellen heisst: Es gibt genug warmes Wasser und wir bauen ein
Schwimmbad drumrum. Dazu noch ein paar Hütten zur
Übernachtung und
die Welt ist heile. Das Schwimmbad war gut. Es hatte sogar eine
schöne Rutsche. Die wurde gebaut, in dem man ein 1.5m Durchmesser
Alu-Rohr, das mit den vielen Ringen zur Stabilisierung, hinhängt
und
den Boden mit Beton ausgiesst. Nur leider haben die den Beton nicht
eben hinbekommen, so dass es eher auf einem Waschbrett herunterging.
Den Kindern war es egal, mir nicht. Aber das Wasser war warm, sehr
warm. Die Betreiber der Hütten sind stolz, auch kaltes Wasser zum
Duschen anbieten zu können, aber was ist schon kalt. Dafür
reichte
es jedenfalls, für die Klo-Spülung nicht mehr. Die war warm.
Es ist
ein wenig angenehmes Gefühl wenn einem beim <censored> der
Wasserdampf nach oben steigt.
Dann war guter Rat teuer, wie
weiter? Im Nachhinein hätten wir im Norden bleiben sollen. Da
wären
tolle Tauchgründe gewesen. Hätte, wenn und aber, wir
entschieden
dann irgendwann, dass wir wieder an die Stellen vergangener Untaten
zurückkehren und steuerten nach Playa Samara.
Die Wasserkarte
sagte 26 Grad voraus. Damit konnten wir gut leben. Ausserdem wollten
die Kinder ja nochmal surfen. Mit einem richtigen Surflehrer und
schönen Übungsbrettern hatten alle beide viel Spass. Zu
Samara ist
nicht viel zu sagen. Der Ort ist klein genug, um nicht im Katalog zu
stehen, aber gross genug, um eine ausgebaute Infrastruktur zu haben.
Der Sandstrand ist in einer Bucht, so dass die Brandung fürs
Kinder-Surfen ausreichend, aber nicht gefährlich ist. Für
Familien
und Leute, die Ruhe haben wollen, ein schönes Ziel.
Weiter
fuhren wir dann nach Jaco. Die Beschreibung: Alle
Aussagen von Playa
Samara um 180 Grad drehen. Die Wahl fiel auf Jaco, weil wir mal
Krokodile sehen und wenigstens einmal durch einen Nationalpark laufen
wollten. Der Lonely Planet war der Meinung, wenn man Aras sehen will,
dann geht es hier am besten. Die Vögel mögen da ja zahlreich
vorhanden sein, sie sind wohl auch Menschen gewöhnt, aber nicht
taub. Das Auftauchen unserer Kinder hat wahrscheinlich jedes Tier mit
halbwegs intaktem Gehöhr zum Abtauchen veranlasst. Wir haben uns
dann auf die Fauna zur Besichtigung beschränkt, die Bäume
konnte ja
nicht wegrennen.
Krokodile gab es auch zu sehen. Die lagen unter
einer Strassenbrücke und waren von oben zu besichtigen. Da der
Abstand gross genug war, gelang es unseren Kindern nicht, diese auch
noch in die Flucht zu schlagen. Vielleicht waren die aber auch bloss
taub.
Aber unser Hotel hatte einen Pool. Das war keiner von den
neumodischen Spasstümpeln, sondern viereckig und tief. Hier lernte
unser Kleiner dann das Schwimmen.
Jetzt fuhren wir zum Ziel
unserer Reise, einem kleinen Ort ganz im Süden.
Der Hauptgrund,
dorthin zu fahren, war: Nichts. Nichts tun, nichts sehen, nichts
hören, nichts machen. Baden zähle ich mal darunter. Wir haben
uns
aber nicht daran gehalten und sind dann doch mit dem Boot durch die
Mangroven gefahren und was haben wir gesehen: Nichts. Augenscheinlich
waren am Vorabend sämtliche Mangroven-Bewohner zu einer Party und
mussten erstmal ausschlafen. Dort, wo Krokodile hätten sein
sollen,
waren keine. Affen gab es auch keine zu sehen, nichtmal zu hören.
Wir haben mit Krebsen vorlieb genommen, die es in Unmengen gab. Eine
schöne Bootstour war es trotzdem.
Am vorletzten Tag dort bekamen
die Kinder Durchfall und Fieber. Wir mussten aber los um unser
Flugzeug nicht zu verpassen. Der Gedanke, mit zwei kleinen kranken
Kindern 8 Stunden Auto zu fahren, war nicht schön. Zum Glück
hatten
sie sich aber dann doch erholt und die Fahrt nach Alajuela
(San Jose)
gut überstanden. Die der Continental in ihrer Bilanz fehlenden
Spucktüten waren gut angelegtes Reisegepäck.
Ein wenig abseits
der Stadt bezogen wir Quartier in einem Hotel, um das wir uns schon
vorher gekümmert hatten. Hier die dringende Empfehlung, wer mit
mehr
als 2 Leuten in Alajuela übernachten will, sollte sich rechtzeitig
kümmern, sonst wird es teuer. Zeit zum Gucken war keine mehr, am
nächsten Tag ging es wieder über Houston zurück nach
Hause. In
Houston gab es das übliche Kasperletheater, was darin endete, dass
die Frau erstmal nicht einreisen durfte. Da stimmte was nicht mit den
Fingerabdrücken. Wir hatten aber nur 45 Minuten Zeit zum Umsteigen
- es wurde sportlich. Die Klärung des Sachverhaltes ergab, dass
bei
einer Einreise vor sieben Jahren unsere Fingerabdrücke vertauscht
wurden. Das kann ja passieren, aber warum man sieben Jahre und
etliche Kontrollen braucht, um das zu bemerken, lässt doch etwas
an
der Sinnhaftigkeit dieses Systems zweifeln.
Nach fast drei
Wochen waren wir dann wieder wohlbehalten in Deutschland angekommen.
Ein viertel Jahr später reden unsere Kinder immer noch ein wenig
Spanisch und wir überlegen, wie man das wiederholen kann.
Nicaragua
ist definitiv eine Alternative für den schmalen Geldbeutel. Das
Gerede anderer Leute über die Gefährlichkeit sollte man
einfach
ignorieren, wenn man nicht gerade in die Slums der grossen Städte
will. Aber das ist überall so.
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