| Panama City Bocas del Toro Puerto Viejo Monte Verde Volcano Arenal Playa Samara Manuel Antonio Bahia Drake Im Süden San Jose |
UnverantworlichWie kann man nur die armen kleinen Kinder stundenlang in ein Flugzeug stecken und dann auch noch in eine Gegend jenseits der Zivilisation fahren, noch dazu ohne ein Hotel gebucht zu haben. Ausgesprochen hatte das keiner, aber die Blicke sprachen Bände... 1.) Den Kindern ging es im Flugzeug gut. Das waren Linien-Flieger mit etwas mehr Platz und im Vordersitz war ein Mischmasch aus Daddelhalle und Home-Entertainmentsystem. Da kam keine Langeweile auf. Am Ziel gab es keine Kannibalen und auch keine schießwütigen Milizen. Nichtmal eine normale Armee. Dieses Jahr kommt unsere Tochter in die Schule. Es war also die letzte Gelegenheit frei aller Ferienzwänge zu verreisen. Es musste also ein Ziel gefunden werden, das kindertauglich ist. Außerdem ist der Winter hierzulande nicht angenehm, also sollte es irgendwo ins Warme gehen. Die erste Idee war Thailand. Das Klima da ist schön, die Natur auch. Man kann am Strand liegen und die Kinder ihre Sandburgen bauen lassen. Tiere zum Bestaunen gibt es da auch genug. Aber die Ereignisse in der letzten Zeit ließen uns an der politischen Lage zweifeln und wir entschieden den Gedanken zurückzustellen. Eine Alternative musste her. Brasilien wäre eine gewesen. Und dann kam eine bessere Idee: Costa Rica. Das Land hat alles, was auf dem Wunschzettel stand und im geplanten Zeitraum ist dort Trockenzeit (dieses Jahr fiel die aus). Der Versuch, einen Flug zu buchen, war etwas kompliziert. Noch herrschte bei mir der Ehrgeiz, das ohne Zwischenaufenthalt in den USA hinzubekommen. Die dortigen Einreiseprozeduren sind uns ein Gräuel. Am Ende siegte der Preis der Continental über den Ehrgeiz. Der Flugplan nach San José hätte eine Übernachtung in New York notwendig gemacht, nach Panama City ging es ohne ab. New York ist schön, aber für Kinder nicht zu gebrauchen. Panama klang da schon verlockender und die Aussicht, mal den Kanal zu sehen, ließ die Entscheidung leicht fallen. Der Rest war dann Klickerei und der Flug nach Panama und 4 Wochen später zurück von San José war gebucht. Da wir halb in der Nacht ankommen sollten, buchten wir auch noch eine Unterkunft in Panama und weil es so schön war gleich noch einen Weiterflug auf die Bocas del Toro. Doch dazu später.
Wie alle Städte in dieser Welt (Singapur wahrscheinlich ausgenommen) sollte man in Panama zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten vorsichtig sein. Da muss man eben mal fragen und alles geht gut. Von Panama City ging es auf die Bocas del Toro. Es ist keine Bildungslücke nicht zu wissen, wo die sind. Irgendwo im Norden der Karibik (die Leute in Colon sind der Meinung, die Karibik höre da auf, aber da muss man ja nicht hinhören) liegen ein paar kleine Inselchen. Zumindest die Leute da haben die Lebensweise der Karibik angenommen. Es geht sehr gemütlich zu. Wer von einer Insel zur nächsten will, nimmt das Taxi, was eben hier ein Boot ist. Und wer das früh machen will, der muss eben mal warten bis sich jemand findet, der auch schon getankt hat, also mindestens einen Passagier hatte. Wir haben dann auch das gemacht, was man von uns erwartete: Nichts.
Nicht ganz, ein wenig Strand zum Eingewöhnen (wir wussten ja nicht, was dann noch kommt) und mal tauchen gehen, war ganz ok. Aktion muss auch sein: Also ran an die grosse Geschwindigkeit und einen Tag mit einem Katamaran segeln, dabei Delphine gucken, schnorcheln und im Netz überm Meer sich Gedanken machen, warum man sich in Deutschland immer solchen Stress antut und dabei glaubt, das müsste so sein. Ein Anfang für eine neue Lebenseinstellung war geboren. Und da rede ich nicht nur von mir. Das ging allen so. Unsere Kinder hatten ein Stück Melone zwischen den Zähnen, aalten sich entweder in der Sonne oder im Wasser und denen war auch egal, was da in der weit entfernten Heimat geschah. Dazu kam dann noch, dass wir den Karneval der Karibik erleben durften, der weder was mit dem in Deutschland und auch nichts mit Brasilien zu tun hat. Die Bocas sollte man mitnehmen, wenn man schon mal da unten ist. Weiter ging es mit dem Boot und zwei Taxifahrten nach Puerto Viejo in Costa Rica. Wir hatten das Land erreicht, wo wir jetzt noch drei Wochen
Urlaub machen wollten. Noch waren wir an der Karibikküste. Die erste Amtshandlung unserer Tochter war, sich einen karibischen Look verpassen zu lassen. Sie lief den Rest des Urlaubs mit einem Kopf voller Perlenzöpfe durch die Gegend und wurde von Touristen wie Einheimischen bestaunt. Die Strände wurden langsam besser und zu sehen gab es auch was. Wer weiß schon, wie Schokolade gemacht wird? Wir jetzt! Nach einer Tour durch den Regenwald mit Erklärungen zu Bananenplantagen, Tieren, Pflanzen und dem Leben der Ureinwohner, wurde es uns demonstriert. Das Demonstrationsobjekt hatten wir dann genüsslich verspeist. Die Kinder wollten die Schokolade nicht. Soviel Kakao waren sie nicht gewöhnt. Aber sie wissen jetzt, dass die Schokolade aus solch ulkigen Naturprodukten gemacht wird. Damit hätten wir es schon als Bildungsreise abrechnen können. Der Bus brachte uns nach San José, wo wir einen Mietwagen gebucht hatten (schon von zu Hause aus!). Ohne grossen Aufenthalt ging es weiter in die Berge nach Monte Verde. Wer dahin will und bei der Anmietung eines Autos sparsam ist, sollte tunlichst vermeiden, dem Vermieter zu sagen, wo man hin will. Zumindest in der Regenzeit gibt einem keiner ein Auto ohne 4W. Und so ganz unberechtigt ist das auch nicht. Die Straßen dorthin sind gelinde gesagt nicht asphaltiert. Anders ausgedrückt: Es ist eine ordentliche Schlammschlacht. Und wer dann denkt, da oben hat man seine Ruhe, der wird auch enttäuscht sein. Es gibt über 130 Hotels und das nicht ohne Grund. Sagen wir mal so, man sollte es gesehen haben. Wir hatten uns auf einem Bauernhof einquartiert. Der war weit ab vom Schuss, aber total ok. Auf die Frage nach einem Zimmerschlüssel kam nur: Den hat der Chef, aber braucht ihr eh nicht. Hier kommt kein Mensch vorbei. Danach war das Zimmer 3 Tage mit allen unseren Sachen offen und es kam wirklich keiner, der was rausgenommen hätte. Viele Leute waren auch nicht da, so dass wir als Frühstücksbegleitung mit einem Pferd vorlieb nehmen mussten, das ständig durchs Fenster guckte. Aber die Milch war wirklich frisch!
In Monte Verde geht man wandern oder treibt sich auf Fledermaus- und Schmetterlingsfarmen rum. Wir haben das gemacht. Bildungsreise! Irgendwann siegte dann doch die Abenteuerlust über meinen Geiz. Man kann überall in Costa Rica am Seil durch Baumwipfel rauschen und nahe an der Natur sein. Das heißt dann „Ökotourismus“. Aber wenn ich mit 50 km/h durch die Bäume schieße, dann sehe ich sowieso nichts. Konsequenterweise verzichte ich auf die Bäume und belasse es beim Seil. Neun Seile jeweils zwischen 400 und 550 Meter lang, einen Höhenunterschied zwischen 50 und 100 Metern und bis zu 75 km/h schnell, dass klingt gut, oder? Die Strecke ging im Zickzack übers Tal, also einen Haufen Luft unterm Hinterteil und mitten durch die Wolken, das war für den zusätzlichen Kick. Das musste mal sein. Unsere Tochter alterte in Sekundenbruchteilen von sechs auf acht Jahre, das Mindestalter für die Slip Line. Ich fand es beeindruckend, wie die „Kleine“ da mitgemacht hatte. Das Wort „Angst“ kommt in Ihrem Wortschatz nicht vor. In der Zwischenzeit liefen Heike und der kurze Mann (von 4 auf 8 wär dann doch zuviel des Guten gewesen) über die Hängebrücken durch die Baumkronen.
Bringen wir also die Berge erstmal hinter uns und fahren weiter zum Arenal Vulkan. Der ist aktiv und wenn man Glück hat, sieht man die Lava fließen. Wir hatten Pech. Es dampfte nur ein wenig. Zwei Wochen später war er wieder aktiv. Auf dem Weg dahin überholten wir ein paar Fahrradfahrer und dann noch ein paar und dann … Er war ein Montainbike-Rennen mit 2500 Leuten im Gange. Wir haben dann umgedreht und die Route gewechselt. Aber schön war es zu sehen, wie am Ziel erstmal alle inklusive Fahrrad im Fluss verschwanden, um eine Generalreinigung vorzunehmen.
Jetzt kommt wirklich der Kitsch: 2 Wochen schöne Strände suchen. Das schlimme an der Sache ist, es macht Spass! Wir fuhren weiter zum Touristenzentrum des Landes, einer Halbinsel im Pazifik. Irgendwann passierte das unvermeidliche. Mit über 80 km/h durch eine 40er Zone gerauscht und die Polizei hat es gemerkt. Das kostet 160 $US, die bei einer Bank einzuzahlen sind. Wer ehrlich ist zahlt, wer zockt lässt es bleiben. Wer seine Ruhe haben will, entrichtet eine Aufwandsentschädigung von unter zehn Euro an den Polizisten und verzichtet auf die Quittung. Der Preis ist verhandelbar. Als dann plötzlich ein Wegweiser zu einem Strand auftauchte, der näher als das anvisierte Ziel war, disponierten wir um und landeten in Playa Samara. Für den Pauschaltouristen muss so eine Art des Reisens der Grauen sein, für uns war es Klasse. Wir hatten eine tolles Hotel gefunden. Es waren ein paar Meter zum Strand. Nur war der überfüllt, aber auch nur wenn die Dorfjugend am Abend Fussball spielte. Als überfüllt gilt der Strand, wenn mehr als 10 Leute auf 500 m zu sehen sind. Ansonsten war da Ruhe. Ja, wir mussten uns um unsere Liegen kümmern. Wir mussten sie 10 Meter tragen und eine Palme finden, die genug Schatten für vier Leute spendete. Das war harte Arbeit. Was konnte man sonst so machen? Sandburgen bauen, surfen, Eis essen, schwimmen, durch die Wellen springen. Die armen Kinder waren von soviel Animationsprogramm am Abend völlig geschafft. Unserer Tochter (der Mama auch) reichte dieser Stress nicht, so dass sie anfingen einen Surfkurs zu belegen. Damit war für Abwechslung gesorgt.
Nach drei Tagen ging es weiter Richtung Süden in den Nationalpark Manuel Antonio. Es ist der kleinste der vielen Nationalparks, aber deswegen nicht der Schlechteste. Man kann etwas wandern und sieht mit Glück auch Tierchen, die man sonst nicht so richtig trifft, oder man hört sie wenigstens. Uns ging es so mit den Brüllaffen, die auch wirklich nicht zu überhören sind. Wer Zeit hat, sich den Park in Ruhe anzugucken, dem sei empfohlen die Badesachen einzupacken. Wer keine Zeit hat, der sollte den Bereich um die Halbinsel meiden, weil er sich sonst ärgert, dass er keine Badesachen dabei hat. Die Strände (schon wieder!) sind das, was man sich unter einem tropischen Paradies vorstellt. Hier kann man schon mal 3 Stunden im oder am Wasser verbringen. Die Kinder waren schwer damit beschäftigt, aus Kokosnussschalen eine größere Sandburg zu bauen. Und die erwarteten Tiere fanden sich dann auch noch und zwar dort wo man sie erwartet hatte: am Rastplatz um sich die eine oder andere Köstlichkeit vom Buffet der Reisegruppen zu schnorren oder anderweitig zu beschaffen. Am Abend im Hotel hangelte sich dann in einem atemberaubenden Tempo (1 m pro Minute) eine Faultiermama mit Nachwuchs an der Stromleitung über die Strasse.
Nach soviel Strand war nun endlich Abwechslung dran. Gesucht und gefunden wurde ein Ort wo Mann tauchen gehen kann und es einen schönen Strand gab. Wir fuhren auf die Halbinsel Osa nach Bahia Drake. Schon der Weg dahin war ein Abenteuer. Asphaltiert war da schon lange nichts mehr, aber zwischendurch mussten wir uns mehrmals entscheiden, ob wir durch den Fluss oder über die Brücke fuhren. Die letzte Option hat eigentlich immer nur dann gewonnen, wenn die Flußdurchfahrt zu tief erschien, ansonsten haben wir beim Anblick dieser architektonischen Meisterleistungen die Unterbodenwäsche vorgezogen. Der Nationalpark dort ist riesig und soll sehr schön sein, allerdings ist er fast nur zu durchwandern, inklusive zelten. Wir beschränkten uns auf eine Bootsfahrt zur Insel Caño. Was es dort unter Wasser zu sehen gab, war einmalig (ja, jeder Ort ist einmalig). Nach fünf Minuten Tauchen hörte ich auf die Haie zu zählen, nach 10 Minuten die Stachelrochen. Es war Wahnsinn. Wer dort ist, der darf einfach nicht in die Geldbörse gucken und muss da tauchen gehen. Derweilen vergnügten sich Frau und Kinder mit Strandkrabben erschrecken bzw. baden und später auch schnorcheln. Am Morgen sassen die Aras auf den Bäumen holten sich ihr Frühstück und verteilten die Abfälle gleichmässig auf dem Auto. Als dann aber nachts ein starkes Gewitter tobte bekamen wir ernsthafte Zweifel jemals wieder wegzukommen. Aber da der Linienbus ja auch fahren musste, war die „Strasse“ am nächsten Mittag wieder geflickt.
Weiter ging es zum vorletzten Ziel unserer Reise. Wir wollten eigentlich auf der Halbinsel bleiben, entschieden uns dann einen Tag vorher, wieder Richtung Norden zu fahren, um dann an der entscheidenden Kreuzung doch den Weg nach Süden einzuschlagen. Ich hatte im Reiseführer mal wieder ein entlegenes Dörfchen entdeckt, das Ruhe und (logisch) Strand versprach. Der Weg dahin war nicht viel besser als der wo wir herkamen und unsere Tochter fing eine angeregte Unterhaltung mit Ulf an, was die Sache nicht vereinfachte. Nur das Versprechen, ein Hotel mit Pool zu finden, ließ die Kinder die Fahrt ertragen. Wir kamen in dem Ort an und das Hotel, was wir zuerst in Augenschein nahmen, war zwar sehr schön, hatte aber keinen Pool. Das gab Ärger. Wir haben dann doch noch etwas passendes gefunden und von da an waren unsere Kinder zufrieden gestellt. Wer Parties braucht war hier schlecht aufgehoben. Wer aber seine Ruhe haben will, für den war es das Paradies. Drei Tage verbrachten wir mit Nichtstun, Strandwanderungen und der Plünderung der Eisvorräte im einzigen Laden des Dorfes. Und hätte die Mietwagenfirma das Auto nicht gebraucht, wären wir auch noch einen Tag länger geblieben. So hieß es Abschied nehmen. Es ging zurück nach Alajuela, wo sich der internationale Flughafen von Costa Rica befindet. Jetzt ohne Auto, dafür mit dem Linienbus fuhren wir zum Vulkan Poas (2704m) um dort ausser Regenwald und Nebel nichts zu sehen. Den letzten Tag ging es nochmal nach San José. Die Stadt lohnt nicht wirklich einen Ausflug. Wer aber dort ist, der sollte unbedingt ins Goldmuseum gehen. Nach vier Wochen bestiegen wir wieder ein Flugzeug der Continental, mit dem wir über Newark und Frankfurt nach Dresden kamen. Dort erwarteten uns Schnee und Kälte. Wie so oft wären wir am liebsten sofort wieder umgekehrt.
Natürlich kann man einen Strand an der Ostsee haben, die Wärme in der Sauna und die Tiere alle im Zoo. Das gibt es alles hier in der näheren Umgebung und deswegen muss man nicht soweit wegfahren. Wirklich? Die Kinder wollen heute noch wieder zurück. Sie haben sich auf andere Kulturen einstellen müssen, Fragmente anderer Sprachen gehört und gelernt. Sie haben gemerkt, dass eben die Welt viel größer ist, als das was sie vorher kannten. Sie haben gelernt, dass man nicht unbedingt in einem wohllbehüteten Hotel Urlaub machen muss, dass viele Tiere, die sie bisher nur im Zoo gesehen hatten, tatsächlich auch in Freiheit leben. Für uns war es wirklich Urlaub. Wir mussten nicht an den Rückflug denken und als wir uns dem Ende näherten waren wir soweit erholt, dass es uns nichts mehr ausmachte. Es war kein wildes Gehetze, mit dem Versuch möglichst viele Sehenswürdigkeiten in möglichst kurzer Zeit zu sehen/erleben, weil man es ja schliesslich auch bezahlte hatte. Wir können nur empfehlen es ebenso zu machen, nehmt eure Kinder, steigt in das Flugzeug und fahrt dorthin. Macht einen grossen Bogen um alle Strände die in den Katalogen der Veranstalter sind. Und dann bleibt einfach da unten eine Weile, auch wenn es etwas teurer ist, als der Rest von Mittelamerika. Ihr werdet reich belohnt ….
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