Jacksonville

Playa del Carmen

Merida

Tulum

Mexico City

Es darf auch mal etwas ruhiger sein

Die Lust am Reisen ist mir nicht vergangen, ganz im Gegenteil, aber es hat sich doch einiges geändert. Alle Maßstäbe von früher gelten nicht mehr. Aber wenn man sich überlegt, dass manche sich mit einem 10 Monate alten Kind nicht mal an die Ostsee trauen (na ja, in diese Kälte würde ich so ein zartes Wesen auch nicht schicken), dann sollte der geneigte Leser Verständnis aufbringen, wenn der Bericht diesmal fast eine Pauschalreise beschreibt (aber nur fast, ein wenig lieben wir unsere Freiheit doch noch).

Geflogen sind wir von Berlin über London, Miami nach Jacksonville (liegt im Norden Floridas und muss man nicht kennen). Dort war eine Konferenz und meine Anwesenheit war in wissenschaftlicher Hinsicht eher bedeutungslos. Dafür waren harte Aufgaben im Bereich der Kinderbetreuung zu absolvieren. Wenn man in Deutschland mitten in der Stadt im Hotel untergebracht ist, dann sind ringsum Einkaufsmöglichkeiten und der der Kultur zugedachte Hirnteil verkümmert nicht völlig. In den USA war das Besorgen von Baby-Nahrung schon ein kleines Abenteuer. Ich hatte ja kein Auto. In der Innenstadt gab es Kneipen, aber nicht einmal ansatzweise ein Geschäft, wo man nützliche Dinge kaufen konnte (stimmt nicht ganz, einen Buchladen gab es). Zeit hatte ich ja genug, also bin ich mit dem Bus an die Stadtgrenze zum Einkaufen gefahren. Das Bus-System ist verglichen mit dem, was ich in anderen US- amerikanischen Städten erlebt hatte, durchaus vorbildlich. Als Weißer ist man allerdings ein sehr seltener Gast in einem öffentlichen Bus und Kinder- Transport wird gerade so geduldet. Platz für einen Kinderwagen gibt es keinen und das Wägelchen, welches ich dabei hatte, musste ich vor Betreten des Busses zusammenbauen. Dazu muss erst das Kind irgendwo sicher untergebracht werden, dann der Wagen in den Bus rein und während der Fahrt muss das Kind sitzen. Wie bereits erwähnt, die Kleine war zu diesem Zeitpunkt 10 Monate alt und hatte andere Vorstellungen von Beförderungsbedingungen als die Vorschriften es vorsahen. Aber zum Thema Kinderfreundlichkeit später. Ich will hier keine Politik machen, aber die der derzeitigen amerikanischen Regierung, die jeden als potentiellen Verbrecher behandelt, war auch ein Grund für uns, unseren Urlaub woanders zu verbringen. Und was liegt da näher als Mexiko. Billige Flüge von Jacksonville nach Mexiko gibt es eigentlich nicht. Wir haben dann doch etwas gefunden, von Fort Lauderdale aus. 'Spirit Airlines' ist vielleicht nicht weltbekannt, aber wer genug umher gereist ist, der lässt sich von so was auch nicht abschrecken. Wir mussten dann nur von Jacksonville nach Ft. Lauderdale kommen. Klar hätte es ein Mietwagen getan, aber wir haben den Zug genommen. Wenigstens einmal in Amerika Zug gefahren sein .... Verglichen mit denen ist unser Unternehmen Zukunft richtig pünktlich. Aber es ging ja auch mehr um das Erlebnis. Es war zumindest bequem und dem Kind hat es sicher besser gefallen, als den ganzen Tag im Auto zu sitzen.

Von Ft. Lauderdale flogen wir auf den Yucatan nach Cancun. Die Menschen drängten sich bei der Einreise und die Schlange war ewig lang. Aber wir waren in Mexiko. Wer ein kleines Kind dabei hat, darf vorgehen. Für solche Passagiere und welche mit Behinderungen gibt es einen extra Schalter bei der Einreise. Wir fühlten uns sofort wohl. Bei der Ausreise war es ähnlich. Wir hatten den Kinderwagen noch nicht richtig zusammengebaut, da wurden wir schon an allen vorbei zum Check-in gedrängelt.

Leguane, kurz bevor Josi sie entdeckt
Aber zurück auf den Yucatan. Hier wollten wir einfach mal eine Woche in Ruhe den Strand genießen. Am besten geht das in einem all-inclusive Hotel. Man muss sich keinen Kopf um nix machen. Es gibt viele freundliche Helfer, die einem die gebratenen Tauben in den Mund stopfen, der Strand ist exklusiv für die Hotelgäste, damit keine schrägen Vögel in Sichtweite kommen und der Wachschutz passt auf, dass keine in die Nähe des Hotels kommen. Na ja, ein paar kleine Hacken gibt es schon, die Typen die man am Strand und im Hotel trifft, sind immer die selben, bis zur nächsten Stadt sind es ein paar Kilometer und das ausgegebene Geld landet in den Taschen der Reisekonzerne..... Hauptsache der Urlaub ist schön.
So schön kann eine Ferienwohnung sein
Wir haben dann eine Ferienwohnung in Playa del Carmen genommen, waren im Supermarkt einkaufen und hatten 15 Minuten bis ins Zentrum zu laufen. Der Haken ..., wir mussten die Pfütze selber beseitigen, die das Kind auf der Terrasse hinterlassen hat. Das Positive, es hat keiner gesehen, weil die Touristenpackungsdichte 4 pro 1000 qm war. Wären wir verschütt gegangen, uns hätte keiner mehr zurückbringen können. So ganz ohne Armbändchen waren wir keinem Hotel mehr zuzuordnen. Dafür hatten wir auch jeden Tag Ausgang. Die Bude war Spitze, riesengroß, das Kind hatte sein eigenes Zimmer, wir konnten unser Fläschchen kochen, (später ging das gar nicht mehr, in den USA in der obligatorischen Kaffeemaschine) und zum Meer waren es nur ein paar Meter zu laufen. Vor der Terrasse saßen die Leguane, die wir aus der Hängematte so lange beobachten konnten, bis das Kind sie auch entdeckt hatte. Viel mehr zu erzählen gibt es nicht. Es war Urlaub und alle fühlten sich wohl. In Playa del Carmen haben wir uns dann einen Mietwagen genommen. Dem Besitzer unserer Ferienwohnung gehörte auch ein Hotel. Dort hatten wir schon das Kinderbett während des Aufenthalts in Playa her und das konnten wir dann auch auf der Yucatan-Rundfahrt behalten.... ohne irgendwelche Verträge, Kautionen oder sonst welchem Brimborium. Es ging einfach. Wir hatten noch zwei Wochen Zeit und wollten 10 Tage davon für eine Rundreise nutzen. Der ursprüngliche Plan sah vor, mit dem Auto nach Mexiko City zu fahren. Die One-Way Miete für ein Auto war aber doppelt so teuer wie zwei Flugtickets, deswegen der Rundkurs. Nach einer langen anstrengenden Woche am Strand wurde jetzt das TUI-Programm abgespult.

El Castillo in Chichen Itza
Zuerst fuhren wir nach Chichen Itza. Dem Kind hat es auch gefallen, viel wichtiger war der Pool im Hotel. Die Hauptpyramide (El Castillo) ist faszinierend und Chichen Itza sollte wirklich zum Programm eines jeden Besuchs des Yucatans gehören. Wer zeitig genug erscheint, der wird auch nicht tot getreten. Das hat außerdem den Vorteil, der Mittagshitze zu entgehen. Es war für uns in diesem Urlaub der erste kulturelle Kontakt mit den Maya.
Kultur kann müde machen
Auf deren Spur wollten wir bleiben. Wir fuhren weiter nach Merida, der Hauptstadt des Bundesstaates Yucatan. Dort schlugen wir unsere Basis auf. Es gab genug in der Nähe zu sehen und wir mussten nicht permanent umziehen, was ein Vorteil beim Reisen mit Kind ist. Das hatte sich dann übrigens schon gut an das Essen gewöhnt. Zum Frühstück wurde ein Früchteteller verputzt und Quesodillas schmeckten auch nicht schlecht. Ich sah es mit Freude....

Uxmal ist eine alte Maya Siedlung (600-900 v.C.) ca. 80 Kilometer von Merida entfernt. Wir hatten unser Auto und so sind wir auf einen Nachmittag dorthin gefahren, haben die Stadt besichtigt, gewartet und sind am Abend noch in die Licht- und Tonshow gegangen. Mir gefiel diese besser als die in Chichen Itza. Da das TUI-Aufkommen umgekehrt proportional zur Entfernung zur nächsten Hotelburg ist, ist Uxmal trotz seiner Größe und Bedeutung als altes politisches Zentrum der Maya ein angenehmes Ziel.

Manchmal sind tausende Flamingos da
Wir waren ja nicht auf einer Studienreise. Jetzt war wieder Strand an der Reihe. Ein kleiner Ort am Golf von Mexiko heißt Celestun. So schön wie in der Karibik ist der Strand nicht, ein wenig steinig, aber baden war wieder dringend nötig. Normalerweise fährt man dorthin, um Flamingos zu beobachten, die dort zu tausenden sind, meist. Als wir da waren, waren jedenfalls keine Tausende zu sehen, sondern bloß ein paar Hundert. Aber das war eigentlich auch egal. Einen Ausflug war es allemal wert, wir hatten ja die Zeit.

Kultur war nun dran gewesen, das Meer hatten wir auch wieder gesehen, nun mussten wir shoppen. Unser Ferienwohnungsbesitzer hatte uns empfohlen nach Tixcocob zu fahren um in der Kooperative dort Hängematten zu kaufen. Ob es nun günstiger oder besser ist, als in Merida weiß ich nicht. Aber die Auswahl im angeschlossenen Laden ist riesig und wenn was nicht vorrätig ist, wird es aus der Fabrik besorgt (uns passiert). Jedenfalls hatten wir uns erst mal eingedeckt und die ersten Möbelstücke für das neue Heim besorgt. Die alternative Empfehlung war der Knast zwischen Merida und Chichen Itza. Der liegt an der 'freien' Strasse und hat auch einen Hausverkauf. Es wurde Zeit unser Quartier in Merida zu verlassen.
Kloster in der Gelben Stadt Izamal
Wir fuhren nach Izamal, Es wurde Zeit, unser Quartier in Merida zu verlassen. Wir fuhren nach Izamal, der gelben Stadt und besichtigten das Kloster. In der Stadt sind wirklich fast alle Häuser irgendwie gelb angepinselt. Auf den nahegelegenen Pyramiden waren wir nicht und sind nach Valladolid weiter gefahren. Dort haben wir am Abend eine Prozession miterlebt und waren am nächsten Tag in einer Cenote baden. Ich fand es gut, der Frau war es zu kalt, dem Kind wohl auch, obwohl es schon im Steinbruch hier in Deutschland baden war. Da wird wohl nie ein Taucher draus werden. Aber was soll man machen, wenn das erste Wort 'Ball' ist. Ich ahne schlimmes .... Und was kommt jetzt???

Meer und Strand, was sonst. Es ist eine der letzten Gelegenheiten, das noch mal zu genießen. Wir sind nach Tulum gefahren und haben noch mal abgehangen. Tulum ist etwas kompliziert mit Kind. Man kann die Pyramiden besichtigen, aber die kannten wir schon. Wir wollten uns am Strand eine Unterkunft suchen. Im Ort drin ist alles kein Problem, aber der Strand ist ewig weit weg und machen kann im Ort eigentlich auch nichts. Also bleibt nur eine Unterkunft am Strand. Dort gibt es aber keinen Strom, nur Holzhütten und es ist entsetzlich teuer. Aber eigentlich blieb keine Wahl. Es ging nur noch darum, wie die Hütte aussehen darf und ob eine brauchbare frei war. Wir haben dann etwas gefunden. Mit ein bisschen reden, ließ sich auch ein Moskitonetz für das Kinderbett auftreiben. Die drei Nächte dort waren aber, glaube ich, auch das Maximum. Ein Grund, nach Tulum zu fahren, war die Möglichkeit, dort Tauchen zu gehen. Ich hatte es an anderen Stellen auf dem Yucatan versucht, aber keinen Erfolg gehabt. Die Grotten von Tulum sind einzigartig und traumhaft schön.... ein Märchenland unter Wasser und auch noch warm. Ich hatte es in früheren Berichten schon geschrieben, wer dort ist, einen Tauchschein hat, der sollte das Geld investieren und tauchen. Einen Steinbruch in Deutschland kann man immer haben, ein Riff findet sich im Urlaub meistens, aber die Grotten (wer darf, auch Höhlen) mit ihrem warmen, klaren Wasser gibt es nur dort.

Jetzt war Schluss mit dem Traumurlaub. Wir fuhren zurück nach Playa del Carmen, haben unser Auto abgegeben, sind nochmals ins Meer gesprungen und dann ins Flugzeug Richtung Mexiko City.

Das Meer war weit weg, blieben also nur noch Kultur und Shopping. Letzteres ist eigentlich nicht wirklich wichtig. Wir hatten unser Hotel vorher organisiert. Mit der Metro und dem ganzen Gepäck (hatten ja die halbe Einrichtung für das neue Heim, siehe Tixcocob, dabei) zu fahren, haben wir dann sein gelassen und ein Taxi genommen. War wohl auch besser. Der Fahrer hat ewig gesucht, bis er das Hotel gefunden hatte. Die Bude war richtig nobel. Und weil ich in der Buchung ein Kinderbett angefordert hatte, war auch eins da. Keine Ahnung, aus wessen Angestellten Keller sie das organisiert hatten. Aber was es nicht gab, war ein Kinderstühlchen im Restaurant. So was war uns in ganz Mexiko vorher nicht passiert.

Das kulturelle Programm hätten wir aus dem TUI-Prospekt abschreiben können. Erst war die Innenstadt dran mit Besichtigung des Nationalpalastes und der Kathedrale. In ersteren darf man keinen Rucksack mitnehmen. Wir hatten eine Trage, wo das Kind drin saß. Kurzes Rätselraten bei den Sicherheitskräften und dann war alles ok. In erinnere an Jacksonville und den Bus. Ein Kleinod in der Stadt ist die Hauptpost. Man fühlt sich bei einer Besichtigung um hundert Jahre zurückversetzt.
Wer mit Kindern reist, der muss schleppen
Es folgte der übliche Besuch in Teotihuacan. War eine ganz schöne Plackerei, die Kleine auf die Pyramide der Sonne zu schleppen. Leider kommt man auf die Pyramide des Mondes nicht mehr hoch. Ich habe keine Ahnung, warum .... Jedenfalls ist die jetzt zu. Alles andere dazu hatte ich bereits früher geschrieben. Dann hatte ich in Erinnerung, dass Sonntags die Museen in Mexiko City ohne Eintrittsgeld zugänglich sind. Auch das ist Geschichte, es sei denn, man hat einen mexikanischen Pass. Und ich hatte extra den Rückflug auf Montag gelegt. Also, das was man nicht tun sollte, ist, Sonntags ins antropologische Museum zu gehen. Man bezahlt wie immer und das Museum ist überrannt von Schülern und Studenten, die umsonst reinkommen. Wir waren trotzdem drin und dieses Mal war auch die Maya-Ausstellung offen. Lohnen tut das Museum auf jeden Fall. Vier Stunden sollte man auf jeden Fall einplanen – eher mehr.

Ein wenig Shopping gab es auch noch und wir hatten einen extrem ruhigen Rückflug. Die Anschnallzeichen waren noch nicht aus, da war das Kind auch schon eingepennt. Vorher hatten wir sie aber auch durchs Terminal getrieben. Beim Check-In erlebten wir nochmals Mexiko. Wir kamen mit dem Kind in die Nähe der Schlange und wurden an allen vorbei förmlich zum Check-In Schalter getrieben.

Der Rest lief so wie der Urlaub. Es gab ein herzliches Willkommen und wir waren todmüde.

Ein Fazit fehlt diesmal. Ich habe in der Vergangenheit genug geschrieben. Zwei Sätze: Es wird nichts besser. Mexiko mit einem Kind zu bereisen ist einfach, schön und macht allen Spaß. Und nun ist wirklich Schluss... Es war vorerst der letzte Bericht. Jetzt sollen andere fremde Länder erkunden.
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