Fortaleza

Jericoacoara

Teresina

Sao Luis

Belem

Santarem

Belo Horizonte

Ouro Preto

Sao Paulo

Erlebnis Amazonas

Der Sommer war verregnet, die Tage wurden kürzer und kälter und der letzte Urlaub lag viel zu lange zurück. Es wurde Zeit, Deutschland für ein paar Wochen den Rücken zuzukehren. Ein Jahr vorher hatten wir (Michael und ich) ein weiteres Mal darüber nachgedacht, noch einmal nach Brasilien zu fahren. Die Varig schaffte uns dann nach Fortaleza, einer Stadt im Nordosten des Landes.

Die Hinreise beinhaltete einen dreistündigen Zwischenstop in Sao Paulo . Wir hatten für Bekannte ein paar Geschenke mitgenommen, falls man Bier und Goldkrone als solches bezeichnen kann. Das Wiedersehen feierten wir kräftig bei Pizza Hut mit einigen Bier. Bis zum frühen Morgen zu trinken war ja nichts neues, aber um halb sieben damit anzufangen und am Ende einen Pizzagutschein geschenkt zu bekommen, den es für guten Umsatz gibt, dass war etwas neues. Nein nein, Pizza hatten wir keine gegessen, der Umsatz kam ausschließlich vom Bier. Entsprechend fühlte ich mich auch, als ich dann in der Maschine nach Fortaleza saß.

Dort angekommen fing uns erst mal jemand ab, der unbedingt sein Apartment vermieten wollte. Als er uns vom Flughafen in die Stadt fahren wollte, damit wir es uns wenigstens mal angucken, willigten wir ein selbiges zu tun. Die Wohnung war wirklich gut und der Preis dafür eigentlich unschlagbar. Dazu kam, dass wir es bloß 200 Meter bis zum Strand hatten und das Kneipenviertel so weit weg auch nicht war. Jedenfalls blieben wir dort hängen.

Fortaleza als Stadt ist glaube ich keinen längeren Aufenthalt wert. Aber es ging darum, ein wenig Sonne zu tanken, in den Atlantik zu springen, sich an die Zeitverschiebung zu gewöhnen und den Jet-Lag wegzuschlafen. Sonne hatten wir dann auch am ersten Tag genug abbekommen. Trotz Lichtschutzfaktor 30 war die Haut rot.

Wahrzeichen von
Jericoacoara
Von Fortaleza fuhren wir mit dem Bus weiter nach Jericoacoara . Dieses Dorf befindet sich nordwestlich unseres Ausgangspunktes. Die Anfahrt ist etwas abenteuerlich. Bis 10 km vor Jeri geht es mit dem normalen Bus. Dann heißt es umsteigen in ein merkwürdiges Gefährt, was halb LKW, halb Bus ist. Mit diesem Teil wird man durch die Dünen ans Ziel gefahren. Machen kann man in Jericoacoara nicht viel. Ein paar Ausflüge am Strand und durch die Dünen, mehr ist nicht. Die Dünen sind durch einen Nationalpark geschützt, so dass der ungezügelten Bauwut Einhalt geboten wurde. Wer den Stress der Großstadt braucht oder sich nach den Exzessen des Ballermann-Lebens sehnt, ist hier eindeutig falsch aufgehoben. In diesem Fischerdorf kann man ruhig leben, kann baden gehen oder borgt sich ein Surfbrett. Asphaltierte Straßen hat man keine und braucht sie auch nicht. Dafür rennen die Kühe durchs Dorf. Ist fast wie in Indien, bloß das in Indien sich diese Tiere nicht nachts auf dem Dorfplatz versammeln und ihr Nickerchen machen.

Dünenlandschaft bei
Jericoacoara
Von Jericoacoara ging es dann weiter nach Teresina, der Hauptstadt von Piauí. Auf der Fahrt dorthin wurde uns das erste Mal wirklich bewusst, dass in Brasilien Wahlkampf ist. Schon in Jericoacoara wunderten wir uns, wo die Dorfjugend hinwollte. Ein Truckfahrer semmelte durch den Ort und nahm alles auf, was irgendwie auf sein Gefährt passte und in der nächsten Kurve nicht raus- oder runterfiel. Die Menge wurde nach Jijoca gebracht, wo eine Wahlkampfveranstaltung stattfand. Und damit auch genug Leute kommen, sind diese Events immer mit Livemusik verbunden. Das war eigentlich unsere Rettung. Wir befürchteten drei Stunden in diesem Kaff rumsitzen zu müssen, um auf den Bus zu warten, der um zwei in der Frühe abfuhr. Eigentlich hat um diese Zeit alles zu und die Chance noch ein Bier zu bekommen, ist gleich Null. Wenigstens dieses Problem hatten wir nicht.

In Teresina, dass wir mit einem kurzen Stop in Sobral, erreichten erwartete uns, die im Lonely Planet angedrohte Hitze ('Die Stadt, wo sogar der Wind heiß ist'). Ein Halt dort lohnt nicht, sei denn man nutzt ihn als Sprungbrett in den National Park Sete Cidades bei Piripiri. Schon ein Hotel in Teresina zu finden, ist nicht ganz so einfach und der Versuch am Abend etwas zum Essen zu bekommen endet verzweifelt in einer kleinen Imbissbude (Theater-Cafe) mit einem Hamburger und einer Saftauswahl. Das Nachtleben dort ist auch etwas eingeschränkt. Wir blieben auch nur eine Nacht und fuhren dann weiter in Richtung Nordwesten nach Sao Luis.

Altstadt von Sao Luis
Hier gab es wieder das Meer und diese Stadt machte einen freundlichen und entspannten Eindruck. Dort fand gerade ein Musikfestival statt. Glück gehabt. Bis nachts um drei war die Bühne im Stadtzentrum in Betrieb und ein Forro-Konzert am Strand erlebt man auch nicht jeden Tag. Natürlich machten wir dort die Nacht zum Tag. Das was vom Tag übrig blieb, nutzten wir um die koloniale Altstadt uns anzuschauen oder baden zu gehen. Es war die letzte Möglichkeit noch einmal in den Atlantik zu springen.

Hafen in Belem
Nach zwölf Stunden Busfahrt kamen wir in Belem an. Hier erreichten wir den nördlichsten Punkt unserer Reise. Bei der Fahrweise der dortigen Stadtbusfahrer wäre es fast der Letzte gewesen. Es war auch ungefähr die Zeit, wo dort die Sonne am Mittag im Zenit steht. Es war aber auch die Zeit, wo es dort am wenigsten regnet. Eigentlich werden Verabredungen in Belem nicht zu einer bestimmten Uhrzeit gemacht, sondern einfach nur vor oder nach dem Regen. Wir hatten in dieser Beziehung Glück, es blieb trocken. Viel Zeit zum Anschauen der Stadt war nicht. Gedacht hatten wir, dort zwei Nächte zu bleiben um uns dann auf einem Amazonas-Dampfer einzuschiffen. Bloß an dem uns ins Auge gefassten Abfahrtstag fuhr kein Schiff. Das erfuhren wir, als wir einen Tag nach unserer Ankunft am Mittag im Hafengelände Erkundigungen einzogen. Es blieben zwei Möglichkeiten, am selben Tag oder zwei Tage später zu fahren. Da Belem so schön auch nicht ist, entschieden wir uns für den früheren Termin.

Unterwegs auf dem Amazonas
Eine Schiffsreise auf dem Amazonas ist ein Erlebnis, dass man bei einer Reise nach Brasilien in die Kategorie: Muss einordnen sollte. 2.5 Tage fuhren wir bis Santarém. Beim Gedanken zwei Stunden auf einem Elbdampfer zubringen zu müssen, stellen sich mir eigentlich schon alle Haare senkrecht. Das war etwas anderes. Wir lernten Leute kennen und ließen den Regenwald, oft auch bloß das, was davon nach dem roden übrig blieb, an uns vorbeiziehen. Es war die Gelegenheit sich dem Buchbestand zu widmen, der im Rucksack die Reise mit angetreten hatte. Krokodile sahen wir keine, aber dafür Flussdelphine. Am Abend wurde das Partydeck unser zweites Zuhause. Bei der Ankunft in Santarém stellten wir fest, dass wir eigentlich noch viel länger auf dem Boot ausgehalten hätten. Wer die Zeit und Möglichkeit hat, der sollte versuchen bis Manaus und von dort weiter nach Venezuela zu fahren.

Badeparadis Alter do Chão
Die Stadt selber ist nicht mit den Großstädten an der Küste zu vergleichen. Alles läuft ruhig und gemütlich ab. Ein Forro-Konzert gab es aber trotzdem. Ein wunderschöner Anblick ist das Zusammenfließen des Rio Tapajos mit dem Amazonas. Während letzterer braunes Wasser führt, ist das des Rio Tapajos blau. Die Schnittlinie zeichnet sich deutlich ab. Ein anderer Grund einen Zwischenstop hier einzulegen heißt Alter do Chão . Eine kleine Insel im Rio Tapajos lädt hier zum Baden ein. Wunderbar weicher weißer Sandstrand, dazu das warme Süßwasser, bringen einen in die Versuchung, sich Gedanken über das Paradies zu machen. Damit war auch schon die dritte und damit vorletzte Woche unseres Urlaubs angebrochen. Wir mussten uns Gedanken über den Rückweg machen. Eigentlich wollten wir mit dem Bus nach Süden fahren.
Der Rio Tapajos fliesst
in den Amazonas
Aber der Bus war teuer und zwei Tage über eine Holperpiste und dann noch mal weitere 30 Stunden über eine ordentlich Straße, dass wollten wir uns dann doch nicht antun. Die Alternative hieß nach Belem zurückfliegen und von dort mit dem Bus weiter, der Flug wäre zu teuer gewesen. Glücklicherweise waren schon alle Reisebüros geschlossen, als wir uns für den Flug entschieden. Wir mussten das Wochenende abwarten, um uns dann zu kümmern. Dies bescherte uns einen zweiten Tag in Alter do Chão, worüber wir auch nicht traurig waren.

Der Flug nach Belem dauerte drei Stunden. Eine Stunde nach der Landung waren wir auf dem Busbahnhof und 15 Minuten später fuhr der Bus nach Belo Horizonte ab. 42 Stunden sollte die Fahrt dauern. Das ist eigentlich nicht erholsam, aber meine Leber bekam die Chance der Regenerierung. Zu viel Bier und Caipirinha waren in der letzten Zeit durch die Kehle geflossen. Wenigstens war der Bus so leer, dass jeder zwei Plätze hatte und man die Nächte etwas schlafen konnte.

Im Minerão
Ab Belo Horizonte bewegten wir uns auf bekanntem Terrain. Wir wollten Leute besuchen, die wir von einem früheren Urlaub kannten. Außerdem gesellte sich noch ein Bekannter von Micha dazu, der anfangs in Sao Paulo schon Anteile am Pizzagutschein erarbeitete hatte. Die Ruhepause für die Leber war damit beendet. In der Nähe von Belo Horizonte ist Sabara , eine alte Bergarbeiterstadt, die auch ein Goldmuseum zu bieten hat. Wäre da bloß nicht das Mittagessen gewesen. Das Essen war ok. Es gab den üblichen Kaffee gratis, aber neben der Kaffeekanne standen drei Flaschen Pinga (Zuckerrohrschnaps) zur Selbstbedienung ... Ein anderes Highlight in Belo Horizonte war der Besuch eines Fußballspiels. Endlich hatten wir es mal geschafft. Das Minerão Stadion ist nach dem in Tokio und dem Maracana das drittgrößte der Welt. Auch wenn es nur ein Punktspiel der heimischen Cruzeiro-Mannschaft war, so war die Atmosphäre beeindruckend. Schon auf dem Weg ins Stadion kletterten die Fans durch die Lüftungsluken auf das Busdach. Den Rückweg haben wir dann doch lieber fünf Minuten vor dem Spielende angetreten. Die Heimmannschaft hatte zwar gewonnen, aber zwischen die Fans geraten wollten wir doch nicht.

Partystimmung in Ouro Preto
Das nächste Ziel hieß Ouro Preto. Wieder eine Bergarbeiterstadt, wieder waren wir zum zweiten Mal dort und wieder wollten wir einen Bekannten besuchen. Das wir am Ende den lokalen Drogendealer kannten, länger blieben als geplant und mit Tränen in den Augen dort abfuhren, sagt viel über das dort erlebte. Jeden Abend gingen wir weg bzw. einem Abend machten wir eine Grillparty in der Pousada. Obwohl wir einmal nach Mariana fuhren und ein wenig durch Ouro Preto liefen, waren es keine Urlaubstage die dem Sightseeing gewidmet waren. Wir trafen verrückte Leute und einen philosophierenden Pousadachef, der eigentlich nur im Tee war. In einem solchen Moment kam er auf Weisheiten wie diese: O fundo do fundo é o fundo (Am Grunde des Grundes ist der Grund).

Sao Paulo, eine der grössten
Städte der Welt
Die letzten zwei Tage des Urlaubs verbrachten wir in Sao Paulo. Bei einem Bekannten (jaja, der war am Flughafen auch schon dabei) von Micha kamen wir unter. Viel Zeit zum angucken der Stadt blieb nicht. Ein Blick von einem Bankhochhaus auf Sao Paulo musste genügen. Und dann endete der Urlaub so, wie er anfing. Früh um halb sieben kamen wir aus der Disko und am Abend saßen wir wieder in der Pizzeria auf dem Flughafen.

Hotel im Nordosten des Landes
Was gibt es sonst noch so zu sagen? Brasilien ist ein Land, welches wenn man das erste Mal mit dem Rucksack unterwegs ist, gut bereisen kann. Das Transportsystem ist gut ausgebaut und die Busse sind ok. Fliegen ist teuer, wer wenig Zeit hat, sollte über einen Airpass nachdenken. Die lokale Währung, der Real, ist momentan im Keller. Damit ist das Reisen sehr billig. Ein Essen kostet ca. 2 Euro, ein Bier (600 cl) 60 Ct., ein Caipirinha 50 Ct. Eine billige Unterkunft gibt es für 7-8 Euro pro Person. Ein Problem stellt die Kriminalität dar. Rio de Janeiro und Sao Paulo sind gefährlich. Hier ist wirklich äußerste Vorsicht angebracht. Der Rest des Landes geht. Problematisch ist die Sprache. Wenn man Spanisch spricht ist das gut. Man wird fast überall verstanden. Leider versteht man die Antwort, die dann in Portugiesisch ist, nicht. Ein kleiner Sprachkurs vor der Reise ist also zu empfehlen. Das wofür das Land bekannt ist, der Karneval, den sollte man nicht in Rio de Janeiro erleben wollen. Es gibt bessere Flecken. Und wer den Strand mag, der muss nicht unbedingt an die Copacabana . Im Nordenosten ist es auch schön.
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